Seit dem Höchststand im Jahr 2001 haben sich fast 4,4 Millionen Anleger von Aktien und Aktienfonds getrennt. Foto: Yannis Kolesidis/Symbolfoto
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Seit dem Höchststand im Jahr 2001 haben sich fast 4,4 Millionen Anleger von Aktien und Aktienfonds getrennt. Foto: Yannis Kolesidis/Symbolfoto

Deutsche verschmähen trotz Börsenbooms Aktien

Frankfurt/Main (dpa) - Trotz Börsenbooms und Minizinsen für Sparprodukte haben im vergangenen Jahr rund eine halbe Million Deutsche dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt.

Sie trennten sich von ihren Aktien oder Anteilen an Aktienfonds, wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. DAI-Chefin Christine Bortenlänger sprach angesichts des erneuten Rückgangs von einem herben Rückschlag für die Aktienkultur. Das Interesse der Bundesbürger sei in etwa wieder auf das niedrige Niveau während der Finanzkrise gesunken.

Seit dem Höchststand im Jahr 2001 haben sich den Angaben zufolge fast 4,4 Millionen Anleger von Aktien und Aktienfonds getrennt. Lediglich 8,4 Millionen Deutsche - rund 13 Prozent (Vorjahr: 13,8 Prozent) der Bevölkerung - waren dem DAI zufolge 2014 noch in diesen Papieren engagiert. Gut 7 Prozent der Ersparnisse steckten in Aktien. Auf Spareinlagen auf Girokonten, Tagesgeldkonten und anderen Einlageformen der Kreditinstitute entfielen dagegen rund 39 Prozent. Diese Strategie kostet Verbraucher nach Berechnungen des DAI bares Geld.

"Hätten die Anleger seit 2001 beispielsweise nur jeden vierten Euro, den sie Jahr für Jahr in Bankeinlagen gesteckt haben, in Aktien investiert, wäre das Geldvermögen aller Deutschen heute grob geschätzt 106 Milliarden Euro höher", rechnete Bortenlänger vor. Pro Haushalt seien dies 2600 Euro mehr.

Durch den Rückgang im vergangenen Jahr wurde auch das leichte Plus bei der Gesamtzahl der Aktienanleger seit 2010 wieder nahezu aufgezehrt. "Es ist schwer verständlich, dass sich Anleger jetzt von Aktien trennen", sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Er vermutet, dass einige den vergangenen Kursanstieg nutzten, um Altbestände mit Gewinn zu verkaufen.

"Es gibt vermutlich verschieden Gründe", sagte Gerrit Fey vom Deutschen Aktieninstitut. Möglicherweise hätten einige Anleger Gewinne mitgenommen und andere ihre Depots aufgelöst, um in Zeiten niedriger Zinsen den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen. Nicht auszuschließen sei auch, dass die kräftigen Kursschwankungen an den Börsen Anleger verunsichert hätten. "Das reicht aber nicht aus, um den Komplettausstieg der Anleger und das strukturell niedrige Niveau bei der Zahl der Aktienbesitzer zu erklären."

Nach Angaben des DAI trennten sich Anleger 2014 vor allem von Aktien. Die Zahl derjenigen, die ihr Geld direkt in Anteilsscheine eines Unternehmens steckten, sank um fast 400 000 auf 4,1 Millionen. Dabei verringerte sich die Zahl der Belegschaftsaktionäre deutlich von 1,2 Millionen auf 820 000. Weniger stark war der Rückgang bei Aktien- und Mischfonds.

DAI-Mitteilung

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