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Bei der Telekom droht ein harter Tarifstreit

Bonn - Der Deutschen Telekom steht ein harter Tarifkonflikt ins Haus. Es geht um mehr Geld, vor allem für die unteren Einkommensgruppen. Der Vorstand sieht keinen Spielraum und spricht von einer Nullrunde.

Thomas Sattelberger muss sich sputen, wenn er die Tarifrunde 2012 bei der Telekom während seiner Amtszeit noch zum Abschluss bringen will. Anfang Mai räumt der Personalchef des Bonner Riesen seinen Posten für Marion Schick. Nicht auszuschließen, dass die frühere Bildungsministerin aus Baden-Württemberg gleich mitten in einen heißen Arbeitskonflikt gerät. Denn die Zeichen für eine schnelle Lösung stehen nicht gut: Lange bevor Verdi über die Gehaltsforderung entschied, hatte Sattelberger nämlich deutlich gemacht, wo der Hammer in diesjährigen Tarifrunde hängt: Es gebe keinen Verteilungsspielraum, eine Nullrunde sei nicht ausgeschlossen, ließ er die Gewerkschaften vorab schon mal wissen.

Solches tarifpolitisches Säbelrasseln kommt bei Verdi nicht gut an: “Das ist eine Kampfansage an die Beschäftigten, eine Nullrunde wird es nicht geben“, schimpft der Verdi-Bundesvorstand und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Telekom, Lothar Schröder. Er erwartet “verdammt komplizierte“ Verhandlungen. Am Dienstag startete die erste Runde in Berlin, bei der Verdi seine Forderungen näher erläuterte.

Für die rund 85 000 Tarifbeschäftigten in Deutschland, einschließlich der Großkundensparte T-Systems, fordert die Gewerkschaft 6,5 Prozent mehr Geld, wobei die Gehälter der unteren Einkommensgruppen stärker angehoben werden sollen. Außerdem verlangt Verdi 70 Euro monatlich zusätzlich für die Auszubildenden und eine stärkere Absicherung von variablen Einkommensbestandteilen.

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Tatsächlich kratzen zahlreiche Telekom-Beschäftigte in den unteren Lohngruppen an das Hartz-IV-Niveau. So hat beispielsweise ein “Call Center Agent“ nach Angaben von Verdi bei 38 Wochenstunden netto mal gerade 1067 Euro im Monat in der Tasche. Hinzu kommen 855 netto im Quartal bei 100 Prozent Zielerreichung. Dass die Call-Center-Branche eine extrem brutale Sparte ist, weiß auch Schröder.

Der Druck auf die Löhne ist hier besonders hoch, wobei die Telekom noch zu den besser zahlenden Unternehmen gehört. Trotzdem: Mehrere Tausend Beschäftigte, schätzt Verdi-Tarifexperte Michael Halberstadt, seien bei der Telekom in den unteren Gruppen eingestuft. “Für diese Menschen wollen wir was tun“, sagt Schröder.

Dem Vorwurf, überzogene Gehaltsforderungen zu stellen, hält Schröder entgegen: “Wir sind unterwegs wie andere Branchen auch.“ Und er verweist auf die Entwicklung von Inflation und Produktivität. Allein hieraus leiten die Tarifexperten der Gewerkschaft für die gesamte Telekom-Branche einen verteilungsneutralen Spielraum von mehr als drei Prozent ab.

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Doch Konzernchef René Obermann steht unter Druck: Er muss Rendite abliefern. Durch den gescheiterten Verkauf der US-Tochter T-Mobile an AT&T sind die Bonner in die Bredouille geraten. Immerhin wollten sie aus dem Verkauf 39 Milliarden US-Dollar (29,5 Mrd Euro) einstreichen, die in Schuldenabbau und Investitionen gesteckt werden sollten. Zwar flossen den Bonnern Ende 2011 als Kompensation für das Scheitern drei Milliarden US-Dollar Bares in die Kasse, aber bei der Suche nach einer Lösung für die US-Tochter muss Obermann wieder bei null anfangen.

Schröder will die finanziellen Belastungen aus der Tarifrunde 2012 nicht mit dem gescheiterten Verkauf in den USA in Zusammenhang bringen. “Warum sollen wir uns zurückhalten, wenn die den Deal nicht hinbekommen“, fragt er. Die Telekom sei ein grundsolides Unternehmen. Dass nun ausgerechnet für die Mitarbeiter die Konzernschatulle geschlossen bleiben soll, während Aktionäre eine feste Dividende erhalten und ordentliche Gewinne erwirtschaftet werden - das will dem Gewerkschafter nicht einleuchten.

Und dann macht Schröder die Rechnung auf: Wer von der Telekom in den vergangenen Jahren profitiert habe, das seien vor allem die Kunden mit drastischen Preissenkungen und der Bund gewesen. Dieser habe über Anteilsverkäufe, UMTS- und LTE-Lizenzen sowie Dividenden über 80 Milliarden Euro kassiert. Noch heute ist der Staat mit 32 Prozent größter Anteilseigner de Telekom. Auf der Strecke geblieben seien vor allem die Beschäftigten. Seit 1998 hätten 130 000 Menschen die Telekom verlassen - und die Arbeitsintensität werde immer höher, klagt Schröder.

dpa

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