In den Vorständen der größten 200 Unternehmen lag der Frauenanteil Ende 2014 bei 5,4 Prozent. Foto: Rainer Jensen
+
In den Vorständen der größten 200 Unternehmen lag der Frauenanteil Ende 2014 bei 5,4 Prozent.

Frauenanteil in Chefetagen wächst auf niedrigem Niveau

Berlin  - Der Frauenanteil in den Führungsetagen ist im vergangenen Jahr überdurchschnittlich stark gewachsen.

Dennoch sind Frauen dort weiter klar in der Minderheit: Sie halten nun knapp jedes fünfte Aufsichtsratsmandat und gut jeden zwanzigsten Vorstandsposten in den 200 größten deutschen Unternehmen, wie aus Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht.

"Die Spitzengremien bleiben Männerdomänen", kritisierte Forschungsdirektorin Elke Holst. Konkret lag der Frauenanteil in den Vorständen Ende 2014 bei 5,4 Prozent und damit einen Prozentpunkt höher als ein Jahr zuvor, in den Aufsichtsräten wuchs er um 3,3 Prozentpunkte auf 18,4 Prozent. Frauen sind heute mehr als vier Mal so stark in Vorständen vertreten wie bei der ersten Auflage des DIW-"Managerinnen-Barometers" für 2006, in Aufsichtsräten haben sie ihren Anteil mehr als verdoppelt.

Holst hält das Wachstum aber für zu langsam. "Es ist ein Ritt auf der Schnecke." Gehe es im Tempo der vergangenen drei Jahre weiter, seien Männer und Frauen in Aufsichtsräten erst in 15 Jahren gleich vertreten, in Vorständen in 56 Jahren. Nur wenige Unternehmen erfüllten die geplante gesetzliche Frauenquote.

Die Bundesregierung will 2016 eine "Geschlechterquote" von 30 Prozent in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen einführen, sie beträfe nach DIW-Angaben 108 Unternehmen. Rund 3500 Unternehmen müssen demnach Zielgrößen selbst festlegen.

Nicht berücksichtigt wurde in den Top 200 der Finanzsektor, den das Institut gesondert untersuchte. Bei Banken und Versicherungen sind Frauen etwas stärker in der Vorständen vertreten, dort sind aber auch die meisten Beschäftigten Frauen. Vergleichsweise gut stehen nach der Untersuchung die 30 Dax-Konzerne da, doch auch bei ihnen bleiben Vorständinnen und Aufsichtsrätinnen in der Minderheit. Deutlich aufgeholt haben Frauen in den bundeseigenen Unternehmen.

DIW-Pressemitteilungen

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Forscher: Beim Brexit verlieren alle, besonders die Briten

Den Warnungen vor hohen Kosten zum Trotz haben die Briten für den EU-Austritt ihres Landes gestimmt. Ökonomen wiederholen nun ihre düsteren Prognosen: Die …
Forscher: Beim Brexit verlieren alle, besonders die Briten

Interview zum Brexit: Anleger sollten jetzt Ruhe bewahren

München - Es ist nur logisch, dass Anleger nach dem Brexit verunsichert sind. Wir fragen die unabhängige Finanzberaterin Stefanie Kühn im Interview, wie sich …
Interview zum Brexit: Anleger sollten jetzt Ruhe bewahren

Brexit könnte den Briten 300 Milliarden Euro kosten

Gütersloh - Der EU-Austritt wird die Wirtschaft der Briten schmerzhaft treffen, glauben Experten. Aber auch Deutschland muss mit hohen Verlusten rechnen.
Brexit könnte den Briten 300 Milliarden Euro kosten

Rekordtief beim Milchpreis: Bauern fordern Nothilfe

Berlin - Ein Liter Milch für unter 20 Cent: Solche Tiefstpreise lassen deutsche Milchbauern um ihre Existenz bangen. Sie fordern schnelle Nothilfe.
Rekordtief beim Milchpreis: Bauern fordern Nothilfe

Kommentare