Die Rohölpreise waren Anfang des Jahres auf mehrjährige Tiefstände von unter 30 Dollar pro Fass (159 Liter) abgesackt, gut 70 Prozent weniger als Mitte 2014. Seither haben sie sich wieder etwas erholt. Foto: Julian Stratenschulte/Symbolbild
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Die Rohölpreise waren Anfang des Jahres auf mehrjährige Tiefstände von unter 30 Dollar pro Fass (159 Liter) abgesackt, gut 70 Prozent weniger als Mitte 2014. Seither haben sie sich wieder etwas erholt. Foto: Julian Stratenschulte/Symbolbild

Energieagentur: Talfahrt der Ölpreise könnte vorerst beendet sein

Der rasante Absturz der Ölpreise in den vergangenen eineinhalb Jahren hat gravierende Folgen für Förderländer und -konzerne. Vor allem außerhalb des Opec-Kartells könnte die Menge daher gedrosselt werden.

Paris (dpa) - Die Talfahrt der Ölpreise könnte nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) ihr vorläufiges Ende gefunden haben.

"Für die Preise könnte es Licht am Ende eines langen, dunklen Tunnels geben, aber wir können nicht ganz sicher sein, wann in 2017 der Ölmarkt das heiß ersehnte Gleichgewicht erreicht", heißt es in dem am Freitag veröffentlichten monatlichen Marktbericht der Organisation. In ihr sind 29 Öl-Importländer zusammengeschlossen.

Die IEA-Experten erwarten, dass wegen der Niedrigpreise Länder außerhalb der ölreichen Staaten des Opec-Kartells ihre Produktion drosseln, weil die Förderung dort oft aufwendiger und teurer ist.

Die Rohölpreise waren Anfang des Jahres auf mehrjährige Tiefststände von unter 30 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) abgesackt - ein Einbruch von gut 70 Prozent gegenüber Mitte 2014. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass die großen Fördernationen im Kampf um Marktanteile seit Monaten um die Wette pumpen und die Welt mit Öl überfluten.

In den vergangenen Wochen hatten sich die Preise zwar wieder etwas erholt, aktuell notieren sie um die 40 Dollar (rund 37 Euro) je Barrel. Dies solle aber noch nicht als definitives Zeichen gesehen werden, dass das Schlimmste vorbei ist, warnt die IEA.

Der Bericht rechnet zunächst weiter mit einem Öl-Überschuss auf dem Weltmarkt. Die Lücke soll aber von 1,9 Millionen Barrel am Tag im ersten Quartal auf 0,2 Millionen Barrel täglich im zweiten Halbjahr schrumpfen. Dies wird unter anderem auf einen Anstieg der Nachfrage zurückgeführt. Zudem soll die Fördermenge außerhalb der Opec-Staaten am Persischen Golf um durchschnittlich 750 000 Barrel pro Tag sinken - ein Viertel mehr als bislang geschätzt.

Allein die USA sollen täglich gut eine halbe Million Barrel weniger auf den Markt bringen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Verdrängungsstrategie des von Saudi-Arabien geführten Kartells aufgeht. Einige Opec-Mitglieder versuchen, die aufstrebende Fracking-Industrie etwa in den USA über schiere Mengenausweitungen aus dem Geschäft zu treiben - auch auf die Gefahr niedrigerer Preise.

Zudem sei die Rückkehr des Iran auf den Öl-Weltmarkt nach dem Ende der Sanktionen gegen Teheran nicht so dramatisch ausgefallen wie angekündigt, so die IEA. Sie werde sich wohl schrittweise vollziehen. Im Februar habe Irans Produktion um 220 000 Tonnen am Tag zugelegt.

Weltweit wurden im letzten Monat demnach 96,5 Millionen Barrel pro Tag gefördert - 1,8 Millionen Barrel mehr als ein Jahr zuvor. Vor einigen Wochen hatten Russland sowie die Opec-Staaten Saudi-Arabien, Katar und Venezuela in Aussicht gestellt, die Ölförderung zumindest einzufrieren, um den drastischen Preisverfall zu stoppen. Wo dies hinführt, ist nach Angaben der IEA schwer einzuschätzen.

Mitteilung der IEA, Engl.

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