Eon meldet in München Massenentlassungen an

München - Eon macht ernst mit seinem angekündigten Stellenabbau. In der Münchner Zentrale Eon Energie müssen Hunderte um ihren Arbeitsplatz bangen.

Ende November hatte Eon die Schließung der Zentrale von Eon Energie in München verkündet – jetzt wird es konkret: Bei der Arbeitsagentur in München meldete Deutschlands größter Energiekonzern die Entlassung von 368 Mitarbeitern an. Dies bestätigte ein Sprecher gegenüber unserer Zeitung. Insgesamt sollen in München bis zu 1500 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Der Konzernsprecher bemühte sich, die Wogen zu glätten. Die Anmeldung sei aus „rein formalrechtlichen Gründen“ erfolgt, sagte er. Dazu sei das Unternehmen durch das Kündigungsschutzgesetz verpflichtet. „Betriebsbedingte Kündigungen wurden bisher nicht verschickt“, betonte der Sprecher. Die Zentrale von Eon Energie in der Münchner Brienner Straße – von hier aus wird bisher das Deutschland-Geschäft gesteuert – soll Ende Juni geschlossen werden.

Der Düsseldorfer Konzern verhandelt seit Wochen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan. Seit Anfang des Jahres bietet Eon den Mitarbeiten, die freiwillig ausscheiden, eine Abfindung. Die Zahlung beträgt pro Jahr Betriebszugehörigkeit etwa das 1,3-Fache eines Monatsgehaltes. Wer also seit zehn Jahren bei Eon arbeitet, würde rund 13 Monatsgehälter bekommen. Das Angebot ist vor allem für jüngere Mitarbeiter interessant, die gute Chancen haben, rasch wieder einen Job zu finden. Auch ältere Mitarbeiter, die kurz vor dem Ruhestand stehen, will der Konzern mit dem Angebot zum vorzeitigen Ausscheiden bewegen.

Der Konzernsprecher zeigte sich optimistisch, mit dem Angebot betriebsbedingte Kündigungen möglichst zu vermeiden. In Düsseldorf, wo jeder zweite der 800 Arbeitsplätze in der Konzernzentrale gestrichen werden soll, seien für mehr als die Hälfte der abzubauenden Arbeitsplätze einvernehmliche Lösungen gefunden worden, hieß es.

„Durch die Anmeldung der Entlassungen hat sich die Stimmung in der Belegschaft weiter verschlechtert“, sagt Betriebsrat Martin Cegla. Vor allem der Zeitpunkt sei ungünstig. „Viele klagen: Am Mittwoch würden Investitionen in Brasilien verkündet und am Donnerstag Massenentlassungen angemeldet.“

Eon leidet unter dem Atomausstieg und fallenden Preisen auf dem Gasmarkt. Experten erwarten, dass der Energieriese 2011 erstmals in seiner Geschichte einen Nettoverlust ausweisen wird. Anfang August hatte Konzernchef Johannes Teyssen daher ein radikales Sparprogramm angekündigt. Weltweit sollen rund 11 000 Stellen wegfallen, in Deutschland sind rund 6000 Arbeitsplätze in Gefahr.

Steffen Habit

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