Ein Flugzeug der Airline "Air Berlin" flieg kurz nach dem Start in Berlin-Tegel an einer riesigen Wasserdampfwolke vorbei. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv
+
Ein Flugzeug der Airline "Air Berlin" flieg kurz nach dem Start in Berlin-Tegel an einer riesigen Wasserdampfwolke vorbei. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv

Air Berlin baut Langstrecke aus

Air Berlin hat im reisestarken dritten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. Das muss noch nichts heißen, doch Vorstandschef Pichler zeigt sich vom Umschwung überzeugt.

Berlin (dpa) - Ein größeres Langstrecken-Angebot soll der angeschlagenen Air Berlin helfen, wieder dauerhaft Geld zu verdienen. Neue Nonstop-Verbindungen in die USA und nach Kuba sind Bausteine eines Konzepts, das Vorstandschef Stefan Pichler in Berlin vorstellte.

Dazu gehören auch eine klarere Struktur im Streckennetz, die Umstellung der Flotte nur noch auf Airbus-Flugzeuge, eine Vertriebsinitiative bei Firmenkunden und die Streichung von Arbeitsplätzen in der Verwaltung.

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft schreibt seit Jahren Verluste. Pichler will nach eigenen Worten "in den nächsten 12 bis 18 Monaten" den Wendepunkt "auf dem Weg zur Profitabilität" erreicht haben. Ziel des Konzepts sei eine Verbesserung des operativen Ergebnisses (Ebit) um 310 Millionen Euro bis Ende 2018. Bisher hatte das Unternehmen 2016 ein positives Ebit angestrebt.

Zum Umfang des Stellenabbaus und betroffenen Standorten wollte sich Pichler nicht äußern. Das müsse erst mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert werden. Air Berlin beschäftigt rund 8000 Menschen. Pichler warf der Bundesregierung vor, die Misere mitverantwortet zu haben: Die Luftverkehrssteuer habe Air Berlin seit ihrer Einführung Mitte 2011 rund 600 Millionen Euro gekostet. "Wenn es die Luftverkehrssteuer nicht gäbe, wären wir bereits rentabel."

Der Verwaltungsrat hatte am Dienstag das vom Vorstand vorgeschlagene Maßnahmenbündel mit "strategischer Neuausrichtung" beschlossen. "Wir streben ein ausgewogenes Verhältnis zwischen umsatzsteigernden und kostensenkenden Initiativen an", sagte Pichler. Air Berlin befinde sich auf dem Weg zu einer Netz-Airline wie Lufthansa, Air France oder British Airways, - "der braucht natürlich Zeit, um umgesetzt zu werden". Air Berlin besitze den Vorteil, pro Fluggast und zurückgelegter Strecke kostengünstiger als diese Konkurrenten zu arbeiten.

Von Düsseldorf aus sollen von Mai 2016 an San Francisco fünfmal sowie Boston und Dallas viermal pro Woche angeflogen werden, außerdem die kubanische Hauptstadt Havanna zweimal. Damit wird es von Düsseldorf wöchentlich bis zu 62 Nonstop-Flüge zu 14 Langstreckenzielen geben.

Auch der Standort Berlin solle ausgebaut werden, schon vor der für 2017 geplanten Eröffnung des Hauptstadtflughafens in Schönefeld. Dabei gehe es aber zunächst um europäische Verbindungen. Später sollen Langstreckenflüge "sukzessive hinzukommen", wie Pichler sagte.

Mitteilung Air Berlin zu Neuausrichtung

Mitteilung Air Berlin zu neuen Langstreckenflügen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Spanien statt Türkei: Tui fürchtet Krise am Bosporus nicht

Terroranschläge in der Türkei, Nordafrika und Europa halten die Reisebranche in Atem. Kunden sind verunsichert, die Buchungen in deutschen Reisebüros brachen zuletzt …
Spanien statt Türkei: Tui fürchtet Krise am Bosporus nicht

Hotels und Gaststätten fürchten deutliche Mindestlohn-Erhöhung

Berlin (dpa) - Vor der Entscheidung über einen höheren Mindestlohn warnen Hoteliers und Gastronomen vor übermäßigen Steigerungen. Nach dem Tarifindex des Statistischen …
Hotels und Gaststätten fürchten deutliche Mindestlohn-Erhöhung

Heizkosten sinken weiter - Öl deutlich billiger als Gas

Die Energiekosten für die privaten Verbraucher gehen seit zwei Jahren zurück. Auch die abgelaufene Heizperiode brachte eine Entlastung für Mieter und Hausbesitzer - vor …
Heizkosten sinken weiter - Öl deutlich billiger als Gas

Forscher: Beim Brexit verlieren alle, besonders die Briten

Den Warnungen vor hohen Kosten zum Trotz haben die Briten für den EU-Austritt ihres Landes gestimmt. Ökonomen wiederholen nun ihre düsteren Prognosen: Die …
Forscher: Beim Brexit verlieren alle, besonders die Briten

Kommentare