Ernährungsminister Christian Schmidt will das MHD abschaffen.
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Ernährungsminister Christian Schmidt will das MHD abschaffen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Mindesthaltbarkeitsdatum  abschaffen? Das bedeuten die Pläne

München - Ernährungsminister Schmidt will das Mindesthaltbarkeitsdatum abschaffen. Das erscheint in einigen Bereichen sinnvoll, stößt aber auch auf Kritik. Fragen und Antworten.

Die Lebensmittelverschwendung soll ein Ende nehmen. Im Schnitt wirft jeder Bundesbürger rund 81,6 Kilogramm weg - und das jedes Jahr. Daher plädiert Ernährungsminister Christian Schmidt stark für eine rasche Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums auf Verpackungen. Er gehe davon aus, dass in wenigen Monaten der Entwurf einer entsprechenden EU-Richtlinie vorliege, sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Vorstoß.

Warum will Schmidt das MHD abschaffen?

Brüssel will die EU-Staaten dazu verpflichten, die Zahl der Lebensmittelabfälle bis 2025 um 30 Prozent zu verringern. Schmidt hatte erklärt, die meisten Produkte seien erheblich länger verwendbar, als auf den Verpackungen stehe: "Wir werfen massenweise gute Lebensmittel weg, weil die Hersteller zu große Sicherheitspuffer eingebaut haben."

Was besagt das Mindesthaltbarkeitsdatum?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist in Deutschland seit mehr als 30 Jahren gesetzlich vorgeschrieben. Es gibt an, bis zu welchem Datum mindestens das ungeöffnete und richtig gelagerte Lebensmittel seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Farbe, Konsistenz und Nährwert behält. Es ist also kein Verfallsdatum, sondern lediglich die Garantie des Herstellers für bestimmte Qualitätseigenschaften.

Wie sinnvoll ist eine Abschaffung?

Für 51 Prozent der Deutschen bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum, dass das Lebensmittel auch nach diesem Datum noch verzehrt werden können, auch wenn es nicht mehr in jeder Hinsicht die beste Qualität bietet, in der gesamten EU sind es 47 Prozent. Das geht aus einer Umfrage der Europäischen Kommission hervor. Demnach glauben 42 Prozent der Deutschen, dass Lebensmittel auch nach dem Verfallsdatum noch genießbar seien - was im Umkehrschluss bedeutet, dass bei den Unterschiede dieser beiden Begriffe noch Aufklärungsbedarf herrscht.

Landwirtschaftsminister Schmidt argumentiert derweil, dass die meisten Produkte ohnehin erheblich länger verwendbar seien als auf den Verpackungen stehe: "Wir werfen massenweise gute Lebensmittel weg, weil die Hersteller zu große Sicherheitspuffer eingebaut haben."

Was will der Minister?

Schmidt will bei seinem Vorstoß neue Wege gehen. Die Zukunft gehöre "der intelligenten Verpackung". In Joghurtbecher etwa ließen sich elektronische Chips einbauen, die ermittelten, wie sich das Produkt von Tag zu Tag verändere. "Eine Farbskala von Grün bis Rot zeigt an, wie es um die Verzehrbarkeit steht", erläuterte der Minister. "Jeder kann dann selbst entscheiden, bis zu welchem Grad er das Nahrungsmittel noch verwenden will."

Darüber hinaus plädiert er: "Auf die Verpackungen von Milch oder Schinken soll ein echtes Verfallsdatum gedruckt werden, nach dem diese Produkte tatsächlich nicht mehr genießbar wären." Bei Produkten wie Salz oder Zucker, die dauerhaft genießbar sind, müsse heute schon kein Haltbarkeitsdatum mehr auf der Verpackung stehen, sondern nur noch das Herstellungsdatum. Um der Verschwendung von Nahrungsmitteln zu begegnen, soll Schmidt zufolge auf verderblichen Produkten das Mindesthaltbarkeitsdatum zu einer qualifizierten Verbraucherinformation weiterentwickelt werden.

Wie reagiert die Politik?

Die Grünen kritisieren den Vorstoß des Ernährungsministers als "Augenwischerei". Der Vorschlag gehe am Kern des Problems vorbei, sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch, den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Der Löwenanteil des Lebensmittelabfalls sind Produkte wie Brot, Obst und Gemüse, die kein Mindesthaltbarkeitsdatum haben."

Sie wertete dies als PR-Aktion. Sie forderte stattdessen, schädliche Subventionen abzuschaffen, die auf Überproduktion und "Masse statt Klasse" setzten. "Wir brauchen eine stärkere Förderung der regionalen Lebensmittelproduktion und -vermarktung“, betonte die Grünen-Expertin. Kürzere Transportwege und Lagerzeiten sorgten auch für weniger Abfall.

Wie reagieren Verbraucherschützer?

Skeptisch. "Die von Minister Schmidt vorgeschlagenen Chips sind noch in der Forschung", sagte Sophie Herr, die Lebensmittelexpertin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, dem Tagesspiegel. Man wisse schlichtweg nicht, wie zuverlässig sie sind und welche Kosten entstehen. Außerdem würde nur wieder neuer Elektroschrott entstehen. Daher plädiere sie für ein konkretes Konzept. Sobald dieses vorliege, ""uss man sich mit diesen Fragen auseinandersetzen", so Herr.

dpa/AFP/mg

Marcel Guboff

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