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Regina Rusch-Ziemba, Verhandlungsführerin der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG.

Fortsetzung der Gespräche im Dezember

EVG und Deutsche Bahn: Keine Einigung - Kein Streik

Frankfurt/Main - Der Tarifstreit bei der Bahn kann frühestens kurz vor Weihnachten gelöst werden, vielleicht aber auch erst viel später. Immerhin haben sich beide Gewerkschaften auf weitere Verhandlungen eingelassen.

Bahnchef Rüdiger Grube wirkt vollkommen entspannt. Dass im festgefahrenen Tarifkonflikt mit den Gewerkschaften EVG und GDL an diesem Freitag richtungsweisende Verhandlungen anstehen, lässt sich der Manager am Freitagmorgen im Frankfurter Silver Tower nicht anmerken. Freundlich begrüßt er sieben- und achtjährige Zweitklässler der Frankfurter Liebfrauenschule. Im Schneidersitz setzt er sich in ihre Mitte und liest ihnen aus Otfried Preußlers „Der kleine Wassermann“ vor. Es ist Vorlesetag.

Nur wenige Straßen weiter im Frankfurter Bahnhofsviertel stecken unterdessen Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber und Regina Rusch-Ziemba, Verhandlungsführerin der EVG, hinter verschlossenen Türen den Fahrplan für den Tag und die weitere Tarifrunde ab. Schnell wird klar: An diesem Freitag geht es noch nicht voran. Denn die Bahn hat der Gewerkschaft erst am Vorabend ihr Angebot auf den Tisch gelegt. Es ist 607 Seiten dick, sagt Weber, während Rusch-Ziemba von „fast tausend Seiten Papier“ spricht. Die Gewerkschaft EVG sah sich jedenfalls nicht in der Lage, den Papierwust in der Kürze der Zeit zu prüfen.

Das Angebot entspreche in keinster Weise ihren Forderungen, verabschiedet sich die Gewerkschafterin etwas verärgert. Der Bahnvorstand zeigt mehr Zufriedenheit: „Man bewegt sich aufeinander zu.“ Das wäre auch für Bahnkunden eine gute Nachricht. Doch neue Streiks in diesem Jahr sind damit nicht vom Tisch. Noch vor dem Treffen hatte die EVG mit dem Arbeitskampf gedroht.

Der GDL-Chef Claus Weselsky hatte neun Seiten weniger zu lesen und schon vor seiner Verhandlungsrunde am Nachmittag eine klare Meinung. „Schwachsinn“ und „598 Seiten Nichts“ lautete seine Einschätzung des Angebots, weil die Bahn zwar nun auch über Zugbegleiter, nicht aber über weitere von der GDL vertretene Berufsgruppen sprechen wollte. Fast fünf Stunden später sind die Bordgastronomen und Disponenten immer noch nicht drin, aber der GDL-Chef sieht Verhandlungsansätze für neue Gespräche am Freitag kommender Woche. Auch danach werde es nicht sofort zu einem Arbeitskampf kommen, verspricht Weselsky.

Erst am 12. Dezember wollen sich EVG und Bahn wieder an einen Tisch setzen. Spielt einer von beiden auf Zeit? Das lässt sich keiner vorwerfen, obwohl sie jeweils gute Gründe hätten. Bahnchef Grube hatte erst kürzlich zugeben müssen, er könne streikfreie Weihnachten nicht garantieren. Gelingt es, die Gewerkschaften über die Feiertage hinaus in Verhandlungen zu verstricken, wäre die Gefahr gebannt.

Die Gewerkschaften dagegen wissen, dass es der Bahn besonders wehtäte, wenn sie die Streik-Keule im Weihnachtsverkehr schwingen. Doch auch für die Gewerkschaften wäre es eine riskante Rechnung: Stehen die Züge zu Weihnachten still, gäbe es statt Festtagsfrieden einen Sturm der Entrüstung, wie ihn selbst dieser aufgeheizte Tarifkonflikt bisher nicht brachte.

Eine Einigung hängt vor allem davon ab, ob sich der Modus der Verhandlungen bewährt: Die Bahn verhandelt getrennt mit EVG und GDL, will aber die gleichen Ergebnisse erzielen - ausgehend von unterschiedlichen Ausgangslagen. Das ist kompliziert und deshalb ist auch die Aktenordner mit dem Angebot der Bahn so prall gefüllt.

Aber auch beim Geld sind noch viele Fragen offen. Die EVG will sechs Prozent mehr Lohn. Mit einer sozialen Komponente - einer Einkommenserhöhung von mindestens 150 Euro - will sie insbesondere die unteren Lohngruppen stärken. Doch da bot die Bahn bislang nur eine Einmalzahlung.

Die GDL will abgesehen von mehr Tarifmacht fünf Prozent mehr Geld und zwei Stunden weniger Arbeitszeit in der Woche, dazu den Abbau von Überstunden.

dpa

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