"Wir können jederzeit nachlegen, sollte dies notwendig sein. Wir haben noch Munition und Feuerkraft", sagt Mersch. Foto: Arne Dedert/Archiv
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"Wir können jederzeit nachlegen, sollte dies notwendig sein. Wir haben noch Munition und Feuerkraft", sagt Mersch. Foto: Arne Dedert/Archiv

EZB-Direktor Mersch: Haben Pulver noch nicht verschossen

Frankfurt/Berlin (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) kann sich nach Einschätzung von Direktor Yves Mersch weitere Schritte im Kampf gegen die niedrige Inflation vorstellen.

"Wir haben keineswegs unser ganzes Pulver verschossen", sagte Mersch dem Magazin "International Bankers Forum". "Wir können jederzeit nachlegen, sollte dies notwendig sein. Wir haben noch Munition und Feuerkraft."

Die Notenbank kauft zur Stützung der Konjunktur derzeit monatlich Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro. Sie hatte Anfang Dezember beschlossen, das Programm um ein halbes Jahr bis mindestens März 2017 auszuweiten - laut Mersch womöglich noch länger: "Das Programm läuft, solange es notwendig ist, um unser Ziel nachhaltig zu erreichen."

Auch eine weitere Verschärfung des Strafzinses, den Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken, schloss er nicht aus. Die Finanzinstitute müssen inzwischen 0,3 Prozent Zinsen zahlen. Das soll die Kreditvergabe ankurbeln. "Theoretisch müssen die jetzt erreichten minus 0,3 Prozent nicht die Untergrenze sein", sagte Mersch.

Unterdessen appellierte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner an EZB-Chef Mario Draghi, mit einer Zinserhöhung die Strategie des billigen Geldes auch in der Eurozone zu beenden. "Das ist eine historische Entscheidung, die die (US-Notenbank) Fed getroffen hat", sagte Lindner der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die jüngste Zinsanhebung in den Vereinigten Staaten seit vielen Jahren. "Und wir kommen jetzt in die Lage, dass sich Zinspolitik in Europa und den USA voneinander abkoppeln. Die EZB kann nicht auf Dauer den Regierungen in Europa Zeit erkaufen, die diese nicht für Reformen nutzen."

Die jahrelange lockere Geldpolitik gilt als problematisch, weil im Fall einer überraschend hereinbrechenden Krise klassische Gegenmittel wie Zinssenkungen nicht mehr zur Verfügung stehen. Mit der ersten Zinserhöhung seit der Finanzkrise hatte die Fed am 16. Dezember die Abkehr vom billigen Geld eingeläutet. Ökonomen halten ein rasches Nachziehen der EZB aber für unwahrscheinlich. So ist die volkswirtschaftliche Lage mit derjenigen der USA derzeit nur schwer vergleichbar, die Notenbanken fahren daher verschiedene Kurse.

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