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Die Mediengruppe Münchner Merkur tz hatte Vertreter von Family Offices, Banken und Kanzleien zum ersten Finanzforum „Family Offices“ eingeladen. Die Experten sprachen unter anderem darüber, was die Mandanten von einem Family Office überhaupt erwarten.

Mediengruppe Münchner Merkur tz

Finanzforum „Family Offices“: Tätigkeiten, die das Leben erleichtern

Zum ersten Finanzforum „Family Offices“ hatte die Mediengruppe Münchner Merkur tz eingeladen. Experten diskutierten dabei über die Bedeutung der Branche, die Arbeitsweisen und die Erwartungen der Kunden.

Sehr vermögende Familien stehen bei der umfassenden Vermögensanlage vor vielen Fragen. Und das nicht nur, weil die volatilen Märkte und das anhaltende Niedrigzinsumfeld den dauerhaften Netto-Vermögenserhalt bei einem reduzierten Risiko kompliziert machen. Je höher die Komplexität, desto höher auch die administrativen Anforderungen, was die Allokation des Vermögens in den weltweiten Asset-Klassen angeht, die steuerliche Optimierung, die Gestaltung der Nachfolge und, und, und. Dies lässt sich kaum über einen einzelnen Vermögensverwalter oder Bankberater abbilden – „die umfassende Betreuung des Vermögensinhabers, auch auf einer privaten Ebene, steht im Vordergrund“, schildert Dr. Franz Kleinbauer, Geschäftsführender Gesellschafter der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Lohr + Company am Standort Wien.

Der Jurist und Betriebswirt war einer der Experten, die die Mediengruppe Münchner Merkur tz zum ersten Finanzforum „Family Offices“ eingeladen hatte. Denn genau diese Family Offices kümmern sich um eine hochvermögende Klientel und bieten ihnen zahlreiche Services, die unmittelbar und mittelbar mit ihrem Geld zu tun haben. „Wir müssen die Frage stellen: ‚Wo drückt der Schuh?‘ Und auf die Antworten darauf müssen wir dann Lösungen entwickeln“, sagt Kleinbauer weiter. Dabei gehe es um echte Strategien, die die gesamte Situation des Vermögensinhabers und seiner Familie in den Blick nähmen. „Viele Themen sind dabei wichtig, es geht in der Regel nicht um eine beiläufige Einzelfrage“, betont Michael Steger, Verantwortlicher der Schweizer Privatbank Pictet in München, die auch Family Office-Strukturen anbietet.

Der Netzwerkgedanke steht im Fokus

Dabei steht auch der Netzwerkgedanke im Fokus. „Was mache ich selbst, wofür brauche ich Experten? Es existiert eine starke Nachfrage nach Tätigkeiten, die das Leben erleichtern“, sagt Dr. Jörg Eickhoff, Theologe/Entwicklungspsychologe, Coach und Berater von Familien und Family Offices. Auch Vermögens- und Zukunftsforscher Professor Dr. Thomas Druyen von der Sigmund Freud Privatuniversität Wien stellt heraus, dass das Vermögen an sich nur ein Teil des Betreuungsprozesses sei. „Lebensberatung ist das Stichwort.“ Das sieht auch Dr. Maximilian A. Werkmüller, ebenso Geschäftsführender Gesellschafter von Lohr + Company, so: „Man darf den privaten Bereich nicht unterschätzen.

Family Offices definieren ihren Erfolg über die Summe der Entlastungen, und das kann auch schon einmal einen Botengang oder die Ausweisverlängerung beinhalten.“ Alexander Etterer, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner, tut sich jedoch schwer mit dem Begriff des Family Office. Er sagt: „Verkauft der mittelständische Familienunternehmer seinen Betrieb und kommt so in Verantwortung für ein großes Vermögen, muss er sich entscheiden, ob er die Verwaltung seines Geldes auch in fremde Hände geben will. Der auf Vermögensreporting und Vermögenscontrolling spezialisierte Wirtschaftsprüfer kann dann beispielsweise die Auswahl von Vermögensverwaltern mit begleiten und im weiteren Verlauf mit der Erstellung eines transparenten Reportings die Grundlage für mehr Verständnis und besser begründete Entscheidungen schaffen.“

Experten aus allen Fachbereichen

Und Jörg Eigelshoven, Senior Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton, weist auf die notwendige Professionalisierung seitens der Family Offices hin – weit über die Abdeckung privater Belange der Familie hinaus. „Nur so können alle Qualitätsanforderungen erfüllt werden.“ Die Experten sind sich auch einig, dass solche Leistungen nur in einem Netzwerk erbracht werden könnten – Family Offices müssten Experten aus allen Fachbereichen heranziehen, um wirklich individuell auf höchstem Niveau begleiten zu können. Family Officer arbeiten als „trusted advisors“, als vertrauenswürdige Berater und betrachten die Dinge „mit den Augen des Vermögenden, nicht der Bank“, erklärt Maximilian A. Werkmüller.

Deshalb sei der Vertrauensaspekt sehr wichtig, sagt Jörg Eickhoff, und auch Christian Neubert (UBS Deutschland), weist auf das Vertrauen hin, wenn die generationenübergreifende Arbeit ins Blickfeld rückt. „Family Offices arbeiten für die ganze Familie und damit auch langfristig über die Altersstufen hinweg. Das spiegelt sich beispielsweise im Risikomanagement wider, das sich immer wieder verändern und der sich wandelnden Risikomentalität anpassen muss.“ Robin Thiemann, Finanzchef der Mediengruppe Münchner Merkur tz, zielt ebenfalls auf diese Rolle des Family Office ab. „Das Risikomanagement ist existenziell wichtig. Die Risiken wandeln sich und damit auch die Modelle in der Geldanlage.“ Darauf müssten Family Offices als Ratgeber der Vermögenden reagieren und helfen, die notwendigen Fähigkeiten für die verschiedenen Risikoklassen einzukaufen oder intern aufzubauen.

Von Patrick Peters

Dr. Maximilian A. Werkmüller ist Herausgeber des Buches „Family Office Mangement – Finanzdienstleistungen und ganzheitliche Beratung im Generationenverbund“, welches aktuell in dritter Auflage erschienen ist (ISBN: 978-3-95725-056-8). Die Round Table-Teilnehmer Jörg Eigelshoven und Dr. Jörg Eickhoff gehören ebenso zum Kreis der Autoren. Das Werk wendet sich an Unternehmer und Family Officer gleichermaßen.

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