+
Ein Banner an der Wall Street in New York kündigt den Börsenstart des neuen Konzerns an.

New York

Fiat Chrysler mit Stotterstart beim Börsendebüt

New York - Das Börsendebüt des neuen Autoriesen FCA erinnerte an einen alten Fiat beim Anlassen: Erst knallt es einmal kräftig, und dann rumpelt man gemütlich durch die Landschaft.

Die Autobauer Fiat und Chrysler wollen mit ihrer Fusion Geschichte schreiben, doch an der New Yorker Börse feierte ihr neu geformter transatlantischer Konzern ein unspektakuläres Debüt. Zum Handelsauftakt am Montag schnellte der Aktienkurs kurz von 9 bis auf 9,55 Dollar nach oben, fiel dann aber rasch wieder zurück. Letztlich schlossen die Papiere kaum verändert.

Die neuen Aktien der Fiat Chrysler Automotive, kurz FCA, wurden das erste Mal an der New Yorker Börse gehandelt, als Zweitnotiz auch an der Mailänder Börse. Dort waren die Papiere des alten Fiat-Konzerns am Freitag nach mehr als 100 Jahren zum letzten Mal angeboten worden.

„Es ist ein historischer Moment“, sagte Verwaltungsratschef John Elkann, der am Montag gemeinsam mit Fiat-Chef Sergio Marchionne zum Börsenstart nach New York gekommen war, um auf dem Parkett die Schlussglocke zu läuten.

Erst am späten Vorabend hatte Fiat endgültig Vollzug in der bereits zum Jahresauftakt beschlossenen italienisch-amerikanischen Fusion gemeldet. Fiat war nach der schweren Wirtschaftskrise 2009 beim stark geschwächten und vom US-Staat vor der Pleite bewahrten Wettbewerber eingestiegen und hatte die US-Tochter später komplett übernommen.

Mittlerweile haben sich die Kräfteverhältnisse allerdings gedreht. Die Hoffnungsträger des verschmolzenen Konzerns kommen überwiegend von Chrysler. Mit einem Verkaufsplus von 20 Prozent zum Vorjahr führte das Unternehmen im September die Absatzcharts im US-Automarkt an. Vor allem die Marke Jeep und die Pickup-Trucks von Ram finden reißenden Absatz.

Fiat hingegen wird von Experten angezählt. Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer kritisierte zuletzt eine überalterte Produktpalette. „Alfa Romeo ist weiter im Sinkflug, und Lancia ist degeneriert zur Namenshülle mit US-Inhalt.“ Bis 2018 sollen die Marken unter dem gemeinsamen Konzerndach in neuem Glanz erstrahlen, so hat es Fiat-Chef Marchionne als Ziel ausgegeben.

„Wunder sind möglich“, sagte Marchionne Anfang Oktober auf dem Pariser Autosalon und führte die wieder aufpolierte Chrysler-Marke Jeep als Erfolgsbeispiel an. Der stets im Pullover auftretende Manager hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2018 will er FCA mit einem 48 Milliarden Euro schweren Umbauplan in Schuss bringen - dann hängt er seinen Job an den Nagel.

Mit dem Zusammenschluss der 1899 gegründeten „Fabbrica Italiana Automobili Torino“, kurz Fiat, und Chrysler wandert der Hauptsitz des Konzerns aus der namensgebenden Stadt im Piemont ab. Aus steuerlichen Gründen wird das Unternehmen nach London verlegt und nach niederländischem Recht organisiert.

Sichtbar wurde der historische Schritt zu Wochenbeginn nicht nur an der New Yorker Börse, sondern auch am langjährigen Fiat-Hauptsitz in Turin-Lingotto. Dort wehen seit Montag Fahnen mit dem neuen blauen FCA-Logo, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

dpa

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Monsanto lehnt Milliarden-Übernahmeangebot von Bayer ab

St. Louis/Leverkusen  - Die Führungsspitze des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto hat das Milliarden-Übernahmeangebot von Bayer abgelehnt. Die Amerikaner wollten mehr Geld.
Monsanto lehnt Milliarden-Übernahmeangebot von Bayer ab

Hornbach macht nach mildem Herbst deutlich weniger Gewinn

Hornbach kann vom anhaltenden Bauboom in Deutschland nicht so richtig profitieren. Zwar lassen die Heimwerker und Hobbygärtner mehr Geld in den Kassen der Baumärkte, …
Hornbach macht nach mildem Herbst deutlich weniger Gewinn

Steuer-Razzia: Polizei durchsucht Google-Räume in Paris

Paris - Französische Ermittler haben wegen des Verdachts auf Steuerbetrug Büros des US-Internetkonzerns Google in Paris durchsucht.
Steuer-Razzia: Polizei durchsucht Google-Räume in Paris

Neuer Bayer-Chef Baumann deckt sich mit eigenen Aktien ein

Leverkusen - Seit Bayer am Montag die 62 Milliarden-Offerte für den US-Saatgutspezialisten Monsanto öffentlich macht, ist der Kurs der Aktie gesunken. Der neue …
Neuer Bayer-Chef Baumann deckt sich mit eigenen Aktien ein

Kommentare