Der Volkswagen-Konzern will sich eine neue Führungskultur geben. Foto: Julian Stratenschulte
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Der Volkswagen-Konzern will sich eine neue Führungskultur geben. Foto: Julian Stratenschulte

Vorentscheidungen am Freitag

VW: Aufsichtsräte beraten über Konzernstrategie

Braunschweig - Volkswagen will für sein künftiges Wachstum beweglicher werden. Doch kürzere Entscheidungswege erwachsen wohl nur, wenn der Konzern seinem globalen Netz mehr Freiheit einräumt.

VW-Chef Martin Winterkorn treibt die Neuordnung der Konzernstruktur voran. Im Ringen um eine neue Führungskultur für Europas größten Autobauer kamen am Freitag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur die wichtigsten Akteure zu einem Spitzentreffen zusammen. Abgeschirmt am Braunschweiger Flughafen waren bei der Zusammenkunft neben dem Konzernchef auch führende Aufsichtsratsmitglieder vertreten. Die Nachfolgeregelung nach dem Rücktritt des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch Ende April stand bei dem Treffen aber nicht auf der Tagesordnung.

Aus dem Umfeld mehrerer Teilnehmer verlautete, dass in der laufenden Strukturdebatte an mehreren Stellen die Frage zu beantworten sei, ob und wie das Unternehmen mehr Verantwortung aufteilt. Ein Problem sind die langen Zyklen bis zum Produktionsstart von Autos, da die zentralistischen VW-Entscheidungswege einen Flaschenhals bilden.

Im Gespräch sei, einzelnen Produktionsstandorten mehr Befugnisse etwa für Modellentscheidungen zu übertragen. Für die USA ist eine solche Teilentscheidung schon gefallen: Der nach China wichtigste Automarkt bekam vor rund einem Jahr eine eigene Entwicklung zugesprochen, um den Besonderheiten des Marktes zu begegnen, auf dem VW zurückfällt.

Unklar sind derweil mögliche personellen Folgen der neue Struktur und Kultur in der Führung. So ist etwa seit August 2014 ungeklärt, ob der abgetretene Produktionschef Michael Macht einen Nachfolger bekommt.

„Erst die Struktur, dann die Personen“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Quelle. Ähnlich hatte sich zuletzt Präsidiumsmitglied und Konzernbetriebsratsboss Bernd Osterloh geäußert. „Wir brauchen keinen riesigen Vorstand mit aufgeblähten Stäben“, sagte er dem „Manager Magazin“ Ende Mai.

Der VW-Konzern ist hinter Toyota der größte Autobauer der Welt, bis spätestens 2018 will er Weltmarktführer sein. Einen Vorgeschmack auf die Veränderungen nach dem Piëch-Abgang gab es erst kürzlich mit der eigenständigen Nutzfahrzeug-Holding für MAN und Scania. Dort erhält die Arbeitnehmerseite nach Konzernvorbild viel Mitspracherecht.

Eine ähnliche Dezentralisierung ist auch für die Pkw-Marken denkbar. Zudem ging es nach dpa-Informationen in Braunschweig um Winterkorns Ideen für das fragile Gebilde aus der nötigen Freiheit für einzelne Regionen und Marken und die gleichzeitige Stärkung der bewährten zentralen Vorgehensweise. Die ist aus Kostengründen wichtig etwa bei den Bauteilen, die es nach Legostein-Prinzip markenübergreifend gibt.

Winterkorn will die Reform bis Oktober präsentieren. Die Zeit drängt: Ende September steht die nächste reguläre Aufsichtsratssitzung für mögliche Weichenstellungen an - zuvor die Messe IAA.

Präsidiumsmitglieder

Machts Abgang zum 1. August 2014

dpa

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