Massiver Gewinneinbruch

Gazprom drosselt Gaslieferungen nach Europa

Warschau - Gazprom verzeichnet einen massiven Gewinneinbruch. Ursache ist auch die Ukraine-Krise. Polen und die Slowakei werfen Russland vor, Lieferungen reduziert zu haben. Gazprom widerspricht.

Die Ukraine-Krise und Rubel-Schwäche haben beim russischen Energieriesen Gazprom zu einem massiven Gewinneinbruch geführt - gedrosselte Lieferungen nach Europa streitet der Konzern weiterhin ab. Im ersten Quartal 2014 sei der nach internationaler Rechnungslegung (IFRS) bilanzierte Überschuss um 41 Prozent auf 223 Milliarden Rubel (4,64 Mrd Euro) gesunken, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Moskau mit.

Aus der EU kamen unterdessen erneut Vorwürfe gegen den vom Kreml gesteuerten Gasmonopolisten. Polen und die Slowakei beklagten einen Rückgang von Lieferungen. Gazprom betonte, nichts geändert zu haben.

„Zur Zeit wird nach Polen genauso viel gepumpt wie an den vergangenen Tagen: 23 Millionen Kubikmeter“, sagte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow. Russlands Botschafter in Berlin, Wladimir Grinin, sagte, die russischen Gaslieferungen an den Westen würden ungeachtet der Ukraine-Krise stabil bleiben. Russland habe Gas nie als Waffe genutzt, erklärte der Diplomat im ARD-„Morgenmagazin“.

Polen und die Slowakei beklagen zu geringe Lieferungen

Der polnische Energiekonzern PGNiG hatte mitgeteilt, die Gaszufuhr habe am Mittwoch um 45 Prozent unter der mit Gazprom vereinbarten Menge gelegen. Seit Montag seien die Lieferungen um 20 bis 24 Prozent geringer gewesen. Betroffen seien alle drei Gasleitungen, durch die russisches Gas über Weißrussland und die Ukraine nach Polen fließe, hieß es. Auch die Slowakei klagte am Donnerstag über zehnprozentige Lieferkürzungen durch Gazprom.

Der Konzern berichtete zu seiner Quartalsbilanz, ein weiterer Negativfaktor sei die Rubel-Schwäche gewesen. Allein die Kursverluste hätten sich auf 171,9 Milliarden Rubel belaufen. Der Umsatz stieg aber um 7 Prozent auf 1,559 Billionen Rubel. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen verringerte sich um 6 Prozent auf 51,8 Milliarden Rubel. Wegen unbezahlter Rechnungen in Milliardenhöhe pumpt Gazprom seit Mitte Juni kein Gas mehr an die Ukraine.

EU-Kommission will vermitteln

Die EU-Kommission will erneut im Gasstreit zwischen den Nachbarn vermitteln. Man habe beiden Seiten neue Dreiergespräche für den 20. September in Berlin vorgeschlagen, sagte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger in Brüssel. Ein Thema könnte dabei der Rückgang der Erdgaslieferungen aus Russland an Polen sein. Die EU-Kommission will die Gründe dafür klären. Das russische Energieministerium bestätigte den Termin zunächst nicht.

Oettinger kündigte eine Strategie zur europäischen Versorgungssicherheit an. „Wir brauchen eine Mittelfriststrategie, denn: Aus einer gewissen Importabhängigkeit darf niemals eine Erpressbarkeit entstehen“, sagte er in einer Videobotschaft aus Brüssel vor dem Deutschen Energiekongress in München. Davor solle es für den Winter eine kurzfristige Strategie geben. Es gebe aber bereits mehr Speicher als noch vor einigen Jahren sowie Terminals für Flüssiggas (LNG). Die Möglichkeit des umgekehrten Gastransfers - von West nach Ost - sei ebenfalls aktiviert.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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