+
Konsumforscher beobachten die geringe Sparneigung der Bundesbürger inzwischen mit Sorge. Jeder Euro, der heute weniger gespart werden, fehle morgen für den Konsum, warnen sie.

Deutsche sind konsumfreudig

Geringe Sparneigung: Konsumforscher sieht Zukunftsrisiko

Nürnberg - Die Deutschen sind so kauffreudig wie seit 13 Jahren nicht mehr. Doch gleichzeitig sinkt die Bereitschaft zum Sparen. GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl sieht darin ein Risiko für die Zukunft.

Die Verbraucher in Deutschland bleiben angesichts niedriger Heizöl- und Benzinpreise auch zum Jahresanfang weiter in Hochstimmung. Das Konsumklima sei im Januar auf den höchsten Stand seit 13 Jahren gestiegen, teilte das Marktforschungsunternehmen GfK am Mittwoch in Nürnberg mit. Die Bereitschaft der deutschen Haushalte zu größeren Anschaffung habe ebenso wie die Einkommenserwartung im Januar kräftig zugelegt.

Der GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl sieht in der rapide sinkenden Sparneigung der Bundesbürger ein Risiko für die Zukunft. "Für den Konsum ist das kurz- und mittelfristig positiv. Aber Geld, das jetzt ausgegeben wird, statt es anzusparen, ist Geld, das später für den Konsum fehlt", sagte Bürkl der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist zu befürchten, dass wir die Rechnung für die derzeit extrem geringe Sparneigung in Zukunft serviert bekommen, etwa in Form von Altersarmut", gab der Konsumforscher zu bedenken.

Nach seinen Angaben sank die Sparneigung der Bundesbürger im Januar mit minus 62,6 Punkten auf ein Allzeittief. "Ich hatte eigentlich gedacht, dass mit dem Dezember-Wert der endgültige Tiefpunkt erreicht ist. Es geht aber immer noch tiefer. Dabei ist im Januar die jüngste EZB-Entscheidung zu verstärkten Anleihekäufen darin noch gar nicht eingepreist", so Bürkl. Ein weiteres Abrutschen der Sparneigung sei also gut möglich.

Für schwer einschätzbar hält Bürkl die Folgen der Wahl in Griechenland. "Das wird sich dann auf das Konsumklima auswirken, wenn deutsche Konsumenten das Gefühl bekommen, sie könnten davon auf irgendeine Weise belastet werden. So etwa schafft unterschwellige Unsicherheit und könnte auf das Konsumklima drücken", glaubt Bürkl. Denn die Mehrheit der Deutschen sei nun mal der Auffassung, dass Griechenland ohne Abstriche seine Schulden bezahlen müsse.

Spannend bleibt in den Augen des Nürnberger Konsumforschers auch die Frage, welche Auswirkungen der am Jahresanfang eingeführte Mindestlohn auf das Konsumverhalten der deutschen Verbraucher haben werde. Zum einen sorge der Mindestlohn bei bestimmten Einkommensgruppen für mehr Einkommen. Auf der anderen Seite könnten bestimmte Arbeitsplätze aber wegen der Mindestlohn-Regelung gestrichen, andere gar nicht erst geschaffen werden, etwa bei klassischen Dienstleistungen, gibt Bürkl zu bedenken. "Das ist nun die spannende Frage, welcher Effekt sich stärker auswirkt."

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Aixtron: Die USA verhindern Kauf deutscher Firma an China

Washington D.C. - Wegen „Risiken für die nationale Sicherheit“ hat sich der US-Präsident Barack Obama gegen die geplante Übernahme von Aixtron durch ein von China …
Aixtron: Die USA verhindern Kauf deutscher Firma an China

Ärger bei Amazon: Tausende Händler-Angebote sind weg

München - Europaweit stehen offenbar tausende Produkte bei Amazon Marketplace nicht mehr zur Verfügung. Das ist ärgerlich für Händler und Käufer.
Ärger bei Amazon: Tausende Händler-Angebote sind weg

Klare Absage vom Weißen Haus: Kein Obama-TV

Washington - Seit Wochen sind Gerüchte über Barack Obamas weitere Karrierepläne in Umlauf. Mit einem wurde nun aufgeräumt: Das Weiße Haus erklärte, dass es kein „Obama …
Klare Absage vom Weißen Haus: Kein Obama-TV

Das Ende der Inflation? Venezuela führt größere Geldscheine ein

Caracas - Die Hyper-Inflation dominiert Venezuela schon seit Jahren. Um mit den stetigen Preissteigerungen Schritt zu halten, hat sich das Land nun etwas Ungewöhnliches …
Das Ende der Inflation? Venezuela führt größere Geldscheine ein

Kommentare