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Am Wochenende drohen weitere Streiks bei Germanwings und Lufthansa.

15000 Reisende am Freitag betroffen

Germanwings und Lufthansa: Neue Streiks drohen

Köln - Der Streik der Flugkapitäne von Germanwings führt deutschlandweit zu zahlreichen Flugausfällen. Rund 15 000 Passagiere konnten ihre Reise nicht antreten. Am Wochenende droht eine Fortsetzung des Ausstands.

Auch nach dem Ende des Pilotenstreiks bei Germanwings müssen Passagiere des Lufthansa-Konzerns weiter bangen. Der Konflikt zwischen den Piloten und der Airline ist nicht ausgestanden und droht zu eskalieren. Über konkrete Schritte wollte sich die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Freitag zunächst nicht äußern. Sie schloss aber nicht aus, dass die Streiks am Wochenende auf die Mutter Lufthansa ausgeweitet werden könnten. Konkrete Streikaktionen wurden bislang aber nicht angekündigt. Bereits am Freitag mussten Tausende Passagiere von Germanwings ihre Reisepläne ändern.

Die Piloten des Billigfliegers hatten wie angekündigt am frühen Morgen die Arbeit niedergelegt, um größere Einschnitte bei ihren Vorruhestandsregelungen zu verhindern.

Ob die Gewerkschaft im Tarifstreit mit der Lufthansa nur eine Drohkulisse aufgebaut hat oder tatsächlich zu weiteren Streikaktionen greift, blieb am Freitag unklar. Am Wochenende könnten neben Germanwings auch die Lufthansa und deren Frachttochter Cargo betroffen sein, sagte der VC-Sprecher vage. Mit „leichten Nadelstichen“ wolle man das Unternehmen zum Einlenken und zu neuen Gesprächen bewegen.

116 Flüge am Freitag gestrichen

Am Freitag strich Germanwings bis 12 Uhr 116 von 164 Flügen. Von den Ausfällen waren nach Schätzungen der Fluggesellschaft rund 15000 Passagiere betroffen. Sie konnten ihre Flüge kostenlos umbuchen oder auch stornieren lassen. Begonnen hatte der Streik um 6 Uhr.

Die Lufthansa appellierte an die Pilotengewerkschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Durch einen Streik ist noch kein Tarifkonflikt gelöst worden“, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Freitag auf Anfrage. Am Donnerstag waren die Verhandlungen über eine Lösung der strittigen Fragen über den Vorruhestand der 5400 Piloten bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo gescheitert.

Im Schnitt gehen Lufthansa-Kapitäne derzeit mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will das durchschnittliche Eintrittsalter schrittweise auf 61 Jahre erhöhen. Die aktuelle Regelung zur Übergangsrente will die Airline bis 2016 beibehalten, um ausreichend Zeit für Verhandlungen zu haben.

Lufthansa erwartet nach eigenen Angaben von VC einen konkreten Vorschlag zur Neuregelung der Übergangsrente. Die Gewerkschaft habe einen Vorschlag zur Kostendecklung angekündigt, aber bisher nicht vorgelegt. VC wirft Lufthansa im Gegenzug vor, die seit Monaten anhaltenden Verhandlungen um immer neue Themen zu erweitern und auf Zeit zu spielen.

Wenig Behinderungen an den Airports

Von dem Pilotenstreik bei Germanwings waren Flüge in die Urlaubsgebiete am Freitag nicht betroffen. Die Airline habe dafür unter anderem Piloten eingesetzt, die normalerweise im Management tätig seien, teilte Germanwings mit. Darüber hinaus seien auch Maschinen bei anderen Fluggesellschaften angemietet worden.

Trotz des Streiks gab es keine größeren Behinderungen an den betroffenen Flughäfen, bestätigen Sprecher der Airports übereinstimmend. Viele Fluggäste seien vorab über ihre Reisebüros, SMS oder Mails informiert worden. „An den Terminals ist alles ruhig. Die Informationspolitik von Germanwings hat wunderbar funktioniert“, sagte der Flughafensprecher des Kölner Airport. Es kam aber auch Kritik von Reisenden, die keine Nachricht erhalten hatten.

Noch nicht genau abzuschätzen ist der wirtschaftliche Schaden des Ausstands für die Airline. Ein Germanwings-Sprecher bezifferte ihn auf einen zweistelligen Millionenbetrag. An der Frankfurter Börse setzte sich der Abwärtstrend der Lufthansa-Aktie des Vortages fort. Mit einem Minus von mehr als 2 Prozent war das Papier zeitweise der schwächste Wert im DAX.

dpa

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Bei Pilotenstreik gibt es keinen Schadenersatz

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