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Online-Vergleichsportale müssen deutlicher machen, dass auch sie von Provisionen leben. Der Anbieter Check24, der derzeit vor Gericht steht, hält das für unproblematisch. 

Musterprozess am Landgericht München

Geschäftsmodell von Check24 & Co.: Das sagt die Richterin

München – Bei Vergleichsportalen müssen Online-Kunden nicht so genau beraten werden wie von Maklern im persönlichen Gespräch. In der Hauptsache droht dem Verband der Versicherungsmakler damit vor Gericht eine Niederlage.

Online-Vergleichsportale müssen Verbraucher beim Vertragsabschluss im Internet grundsätzlich nicht so intensiv beraten wie Versicherungsmakler ihre Kunden von Angesicht zu Angesicht. Das stellte Richterin Barbara Clementi bei einem Musterprozess am Landgericht München klar. Ihr Urteil offiziell verkünden will sie zwar erst Mitte Juli. Auch für die Prozessgegner Bundesverband der Versicherungskaufleute (BVK) auf der Klageseite und das hierzulande führende Online-Vergleichsportal Check24 ist aber nach deutlichen Worten der Richterin klar, wohin die Reise geht. „Unser Geschäftsmodell ist bestätigt“, meinte Check24- Geschäftsführer Christoph Röttele.

Zufrieden zeigte sich aber auch BVK-Präsident Michael Heinz über einige Mahnungen des Gerichts. Denn Clementi sieht in zwei Punkten bei Check24 Nachbesserungsbedarf. Einmal müsste Besuchern der Internetseiten sichtbarer und eindeutiger als bisher klargemacht werden, dass sie es mit einem Versicherungsmakler zu tun haben, der für die Vermittlung von Policen eine Provision kassiert.

Zum anderen könne auf Check24 abhängig von der Art einer vermittelten Police erhöhter Frageaufwand zukommen, um Versicherungsumfänge genauer festzulegen oder unnötige Doppelversicherungen zu vermeiden. „Das ist aber immer eine Einzelfallabwägung“, stellte Clementi klar. Ungewiss ist damit, ob der BVK das Grundsatzurteil überhaupt erreichen kann, das er angestrebt hat. Ohnehin hat der Verband angekündigt, wegen der fundamentalen Bedeutung des Verfahrens durch alle Instanzen gehen zu wollen. Eine Revision vor dem Oberlandesgericht München ist also bereits programmiert. Der BVK sieht in seiner Klage gegen Check24 ein Musterverfahren, das auch für andere Online-Vergleichsportale wegweisenden Charakter haben soll.

Rechtsstreit aus Verbrauchersicht von großer Bedeutung

Das Siegpotenzial der Versicherungskaufleute scheint aber zumindest in der ersten Instanz klar begrenzt. Den die vom Gericht verlangten deutlichen Hinweis auf den provisionsgetriebenen Maklerstatus von Check24 sieht Röttele als Formalie an, die mit einfachen Änderungen im eigenen Internetauftritt zu erfüllen sei. Mehr Aufwand könnte dagegen der im Einzelfall erweiterte Fragebedarf mit sich bringen, den das Landgericht anmahnt. Bei einer Hausratversicherung müsste ein interessierter Verbraucher beispielsweise auch online erklärt bekommen, ob sein Fahrrad mitversichert ist. Falls ein nicht mehr zu Hause wohnender Student eine solche Police sucht, soll auch im Internet nachgefragt werden, ob er eventuell schon über seine Eltern mitversichert ist. 

Es sei aber immer im Einzelfall zu klären, welche Fragen ein Online-Vermittler seinen Kunden stellen muss, um seinen gegenüber physischen Maklern im Büro verringerten Beratungspflichten noch zu genügen, betonte Clementi. „Wer im Internet sucht, hat seinen Fokus auf dem Preis und weiß, dass die Beratung nicht gleich intensiv ausfällt“, begründete die Richterin ihre Auffassung.

Der BVK will dagegen gerichtlich durchsetzen, dass seine Mitglieder und Online-Makler wie Check24 nach den gleichen Spielregeln arbeiten müssen. Der Rechtsstreit ist aus Verbrauchersicht von großer Bedeutung, weil Vergleichsportale nicht nur für potentielle Versicherungskunden immer wichtiger werden. Drei Viertel aller EU-Bürger suchen mittlerweile auf solchen Online-Plattformen nicht nur die für sie beste Kfz-Police sondern auch günstige Flugreisen oder Stromtarife. Versicherungsmaklern ist ein Dorn im Auge, dass die Politik ihnen umfangreiche Informationspflichten inklusive Dokumentation auferlegt hat, Online-Makler diese Anforderungen aber nicht im gleichen Umfang erfüllen. Ihr endgültiges Urteil will Clementi am 13. Juli sprechen.

Thomas Magenheim-Hörmann

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