Ein neuer Bahnstreik noch vor Weihnachten? Die Gewerkschaft EVG schließt das nicht aus. Foto: Oliver Mehlis
+
Ein neuer Bahnstreik noch vor Weihnachten? Die Gewerkschaft EVG schließt das nicht aus. Foto: Oliver Mehlis

Auch das noch!

EVG droht mit Bahnstreiks vor Weihnachten

Berlin - Bei der Bahn könnte es auch in der Adventszeit zu massiven Streiks kommen. Damit droht jetzt nicht die Lokführer-Gewerkschaft GDL, sondern die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG.

"Es liegt am Arbeitgeber. Wir können auch vor Weihnachten noch streiken, wenn wir nicht vorankommen", sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft EVG, Alexander Kirchner, dem Nachrichtenmagazin "Focus". Ein Streik könne auch parallel zu Lokführerstreiks der GDL stattfinden. "Dabei interessiert uns nicht, was die GDL macht." Allein die Beschäftigten in der Stromversorgung der Bahn und in den Stellwerken könnten das gesamte Netz blockieren, sagte EVG-Sprecher Uwe Reitz dem Magazin. Dann würde der Bahnverkehr insgesamt still liegen. Ab 3. Dezember wären erste Warnstreiks denkbar. Am 3. Dezember will die EVG-Tarifkommission das neue Angebot der Bahn bewerten.

Die Bahn reagierte mit Kritik auf die Äußerungen. Erst seit kurzem liege ein umfangreiches Angebot vor. "Mit den Inhalten wollte die EVG sich noch nicht auseinandersetzen", sagte eine Sprecherin am Sonntag der dpa in Berlin. "Bevor eine Gewerkschaft das Angebot überhaupt gelesen hat, schon mit Streiks zu drohen, ist unverständlich."

Am Freitag hatten sich die Tarifparteien auf weitere Verhandlungen verständigt. Zuvor hatte die Bahn in getrennten Treffen mit EVG sowie GDL gesprochen. Mit der GDL will die Bahn am kommenden Freitag weiter verhandeln, mit der EVG soll es am 12. Dezember ein weiteres Treffen geben. "Wir haben damit gezeigt, dass es uns nicht um den Streik an sich geht", hatte GDL-Chef Claus Weselsky gesagt. Die Lokführergewerkschaft hatte in der laufenden Tarifrunde bereits sechs Mal den bundesweiten Bahnverkehr bestreikt.

Nach dem Angebot der Bahn sollen bis Ende 2016 die Gehälter in drei Stufen um insgesamt 5 Prozent steigen. Dazu kommen etwa Einmalzahlungen und Weihnachtsgelderhöhungen. Für Zugbegleiter und Lokführer seien beiden Gewerkschaften materiell gleiche Angebote vorgelegt worden. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hatte sich optimistisch gezeigt, einheitliche Abschlüsse mit beiden Gewerkschaften erreichen zu können.

Die GDL fordert unter anderem fünf Prozent mehr Geld für das Zugpersonal für zwölf Monate und eine von 39 auf 37 Stunden reduzierte Wochenarbeitszeit ab Januar 2015. Sie will aber für ihre Mitglieder beim gesamten Zugpersonal verhandeln, nicht nur für die Lokführer unter ihnen. Die Zugbegleiter werden aber auch von der EVG vertreten, die bislang in diesem Bereich alleine die Tarifverträge ausgehandelt hat. Die EVG fordert in der laufenden Tarifrunde 6 Prozent mehr Lohn, pro Monat aber mindestens 150 Euro mehr.

Aktuelles der Bahn zum Tarifkonflikt

GDL aktuell

EVG zur Tarifrunde

Mitteilungen EVG

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Europas Großbanken bewähren sich in Stresstest

London/Frankfurt/Main - Zeugnistag für Europas Banken, und die Nervosität an den Märkten war groß: Können die wichtigsten Institute einen neuen Schock überstehen? Die …
Europas Großbanken bewähren sich in Stresstest

Kaiser's-Übernahme: Erster Tarifabschluss bei Edeka

Der umstrittene Verkauf von Kaiser‘s Tengelmann an Edeka stockt. Die Tarifpartner aber schaffen erste Fakten. Unterdessen gibt es neue Vorwürfe gegen Wirtschaftsminister …
Kaiser's-Übernahme: Erster Tarifabschluss bei Edeka

VW hadert weiter mit US-Klagen: 500 neue Mitarbeiter nötig

Wer dachte, VW habe den Abgas-Skandal mit dem Milliardenkompromiss in den USA hinter sich gebracht, liegt falsch. Einige Bundesstaaten gehen weiter gegen den Konzern …
VW hadert weiter mit US-Klagen: 500 neue Mitarbeiter nötig

EU verhängt bis 2021 Strafzölle auf chinesischen Baustahl

Brüssel (dpa) - Zur Abwehr von Billigimporten aus China hat die EU neue Strafzölle verhängt. Auf chinesischen Baustahl mit hoher Ermüdungsbeständigkeit werden ab sofort …
EU verhängt bis 2021 Strafzölle auf chinesischen Baustahl

Kommentare