Ist das die Lösung?

Gläubiger wollen insolvente Prokon weiterführen

Hamburg - In einem der größten Insolvenzfälle in Deutschland zeichnen sich erste Lösungswege ab. Die 75 000 Prokon-Anleger sollen verschiedene Optionen bekommen. Sie können auch im Unternehmen investiert bleiben.

Das insolvente Windenergie-Unternehmen Prokon soll weitergeführt werden. Darauf haben sich im Grundsatz drei große Gruppen von Gläubigern und der Insolvenzverwalter in einer gemeinsamen Besprechung verständigt, teilten die Beteiligten am Donnerstag in Hamburg mit. Es sei nicht beabsichtigt, Prokon zu zerschlagen und die Windparks in Deutschland und Polen zu verkaufen. Das Unternehmen solle vielmehr durch einen Insolvenzplan saniert werden, den die Gläubigerversammlung am 22. Juli beschließen muss.

An der Besprechung hätten Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin, die „Freunde von Prokon“, die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) teilgenommen, heißt es in der Mitteilung. Sie seien zu dem Ergebnis gekommen, dass die Fortführung der Prokon Regenerative Energien GmbH für die Gläubiger von Vorteil sei. Das Unternehmen hatte im Januar einen Insolvenzantrag gestellt; das Verfahren ist seit zwei Monaten eröffnet.

Rund 75 000 Anleger haben Prokon rund 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechtskapital zur Verfügung gestellt. In dem Insolvenzplan sollen nun verschiedene Optionen für die Anleger eröffnet werden. Das sei Konsens zwischen den Gläubigergruppen und dem Insolvenzverwalter. Als Eckpunkte seien vorgesehen:

- eine Eigenkapitalkomponente für Anleger, die ihre Genussrechte in Eigenkapital wandeln und so Gesellschafter von Prokon werden wollen;

- die Umwandlung eines Teils der Genussrechte in eine handelbare Anleihe, um denjenigen Anlegern, die nicht investiert bleiben wollen, eine Möglichkeit zum Ausstieg zu bieten;

- eine Barzahlung aus den Verkaufserlösen der Unternehmensteile und Beteiligungen, die nicht zum Kerngeschäft von Prokon gehören. Dabei sollen die Anleger auch die Möglichkeit erhalten, das Geld im Unternehmen zu belassen und so weiteres Eigenkapital zu erwerben.

Prokon hatte vor allem Windparks geplant und gebaut, ist aber als Eigentümer oder Kreditgeber auch an verschiedenen anderen Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien beteiligt. Prokon-Gründer Carsten Rodbertus hatte viele Anleger mit dem Versprechen auf hohe Renditen und Investitionen in eine umweltgerechte Energieversorgung für sich gewonnen. Die versprochenen Renditen konnte Prokon aber nicht erwirtschaften; das Unternehmen ist zahlungsunfähig und überschuldet. Rodbertus sammelt unterdessen selbst Vollmachten von Anlegern für die Gläubigerversammlung und wirft Penzlin vor, das Unternehmen zerschlagen zu wollen.

Penzlin hatte Anfang Mai eine Insolvenzquote von 30 bis 60 Prozent angekündigt. Andersherum gesagt: Die Anleger verlieren 40 bis 70 Prozent ihres Kapitals. Bei Prokon sollen rund 300 Arbeitsplätze erhalten bleiben.

dpa

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