Gute Laune erreicht den Arbeitsmarkt nicht

- München - Bayern droht der Verlust weiterer tausender Arbeitsplätze. Laut der aktuellen Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) unter 3100 Unternehmen will jedes Vierte davon in den kommenden Monaten Personal reduzieren. Nur jedes Zehnte plant Neueinstellungen. "Der Beschäftigungsabbau setzt sich fort", sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Reinhard Dörfler. Nur in der Dienstleistungsbranche sollen die Mitarbeiterzahlen stabil bleiben.

Das Stellenstreichen kann auch die zuletzt leicht gestiegene Stimmung in der bayerischen Wirtschaft nicht verhindern. So rechnen 23 Prozent der befragten Firmen in der nächsten Zeit mit höheren Umsätzen, während es in der Herbst-Erhebung 19 Prozent waren. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl derer, die ein schlechteres Geschäft erwarten von 14 auf 13 Prozent. "Die gewachsene Zuversicht reicht aber bei weitem nicht aus, um auf den Arbeitsmarkt durchzuschlagen", so Dörfler.<BR><BR>Nach seiner Einschätzung wird die bayerische Wirtschaft in diesem Jahr angetrieben durch den Export um rund 1,7 bis 1,8 Prozentpunkte wachsen. Fachleute sind sich jedoch einig, dass Werte in dieser Größenordnung kaum positiv auf die Beschäftigungszahlen abstrahlen. Um höhere Zuwächse zu erzielen, müsste sich die zuletzt schwächelnde Binnenkonjunktur erholen, wie der Kammerchef sagt. Dies bleibt aber in nächster Zukunft fraglich.<BR><BR>Ursache dafür ist nicht nur, dass die Kauflust bei den Verbrauchern nach wie vor auf sich warten lässt. Auch die bayerischen Unternehmen halten sich beim Geldausgeben zurück. Wie aus der BIHK-Umfrage hervorgeht, wollen sie zwar verstärkt im Ausland investieren. Im Inland jedoch sollen die Ausgaben unterm Strich unverändert bleiben.<BR><BR>"Offensichtlich reichen die bisherigen Reformansätze nicht aus, um den Investitionsstandort Deutschland wieder attraktiver zu machen", sagt Dörfler. Er hält es deswegen für möglich, dass bayerische Firmen in den nächsten drei Jahren bis zu 30 000 Stellen ins Ausland verlagern, um "Kostenvorteile mitzunehmen". Eine jüngst veröffentlichte IHK-Studie für die gesamte Republik hatte ergeben, dass deutsche Unternehmen im selben Zeitraum 150 000 Jobs vor allem nach Osteuropa und China verschieben wollen.

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