+
Studenten, Beamte und Selbstständige können unabhängig von der Höhe ihres Einkommens eine private Krankenversicherung (PKV) abschließen. Arbeitnehmer haben die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Versicherung – sofern ihr Einkommen über der Jahresarbeitsentgelt-Grenze (aktuell 56 250 Euro brutto pro Jahr) liegt.

Versicherungs-Check

Guter Schutz bei Krankheit & Pflege

München - Viele Menschen sind gut versichert – manchmal sogar zu gut. Andere haben Lücken. In unserem Versicherungs-Check klären wir, welche Policen wirklich wichtig und welche unverzichtbar sind.

Im zweiten Teil geht es heute um die Kranken- und die Pflegeversicherung – zwei Policen, die in Deutschland Pflicht sind. Dennoch gibt es offene Fragen.

Im Dickicht der Versicherungsprodukte fällt es oft schwer, zwischen wichtig und unwichtig zu unterscheiden. Die richtige Wahl ist auch von der individuellen Lebenssituation abhängt (siehe Grafik). Wir machen für Sie in einer mehrteiligen Serie den Versicherungs-Check und erklären, welche Policen wichtig sind und was man beim Abschluss beachten sollte. Im zweiten Teil geht es zunächst um zwei Policen, die in Deutschland Pflicht sind: die Kranken- und die Pflegeversicherung. Manche Arbeitnehmer haben allerdings die Wahl, ob sie sich gesetzlich oder lieber privat krankenversichern. Und in puncto Pflegeversicherung, kann ein zusätzlicher Schutz zur gesetzlichen Versicherung sinnvoll sein.

Krankenversicherung

Eine Krankenversicherung ist in Deutschland Pflicht. Dennoch gibt es Wahlmöglichkeiten. Studenten, Beamte und Selbstständige können unabhängig von der Höhe ihres Einkommens eine private Krankenversicherung (PKV) abschließen. Ansonsten gilt: Während die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) grundsätzlich allen offen steht, kann man sich als Arbeitnehmer nur dann privat krankenversichern, wenn man ein Jahr lang die so genannte Jahresarbeitsentgelt-Grenze (JAEG) überschritten hat. Diese liegt laut Verbraucherzentrale aktuell bei 56 250 Euro brutto. Wer so viel verdient, dass er sich bei einem privaten Anbieter versichern kann, sollte sich das dennoch gut überlegen.

„Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung bleibt privat Versicherten in der Regel verwehrt“, gibt Susanne Arndt vom VerbraucherService Bayern zu bedenken. Zudem unterscheiden sich die Systeme. Bei der GKV richtet sich der Beitrag nach dem Bruttoeinkommen – wer mehr verdient, zahlt auch mehr. In der privaten Krankenversicherung sind die Beiträge dagegen abhängig von Alter, Gesundheitszustand und dem gewünschten Versicherungsschutz. „Anfangs niedrige Beiträge können in der privaten Krankenversicherung später empfindlich ansteigen. Die Beträge sinken auch beim Ausstieg aus dem Erwerbsleben nicht“, warnt Arndt. So kann die Krankenkasse im Alter zur finanziellen Belastung werden. Die Verbraucherberaterin empfiehlt daher, lieber bei Bedarf (als Ergänzung zur GKV) Zusatzversicherungen abzuschließen, die man auch wieder kündigen kann – zum Beispiel eine Zahnzusatzversicherung.

Den gesetzlich Versicherten stehen in Bayern rund 60 gesetzliche Krankenkassen offen. Dazu kommen einige, die nur für die Angehörigen bestimmter Betriebe wählbar sind – so etwa die BMW BKK. Seit Januar 2015 können die gesetzlichen Kassen über einen Teil ihrer Beiträge selbst bestimmen. Es gibt also Unterschiede beim Preis, aber auch bei den Leistungen.

Eine Liste mit allen gesetzlichen Krankenkassen, die Versicherten in Bayern offenstehen, ist auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbands (www.gkvspitzenverband. de) einsehbar. Hier sind auch die Zusatzbeiträge verzeichnet. Allerdings sollte bei der Wahl der Krankenkasse nicht nur der Beitrag eine Rolle spielen. Es gilt: Wer wechselt, prüfe gut, was er für sein Geld dann noch bekommt.

Pflegeversicherung

Im Jahr 1995 wurde die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt. Alle Arbeitnehmer – egal ob gesetzlich oder privat krankenversichert – sind seitdem verpflichtet, sich gegen das Risiko der Pflegebedürftigkeit abzusichern. Jeder gesetzlich Krankenversicherte ist automatisch Mitglied der Pflegeversicherung. Auch für freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung besteht eine Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung. Sie können sich jedoch auf Antrag von der Versicherungspflicht befreien lassen, wenn sie nachweisen, dass sie bei einem privaten Versicherungsunternehmen gegen Pflegebedürftigkeit versichert sind. Wer privat krankenversichert ist, unterliegt der Versicherungspflicht in der privaten Pflegeversicherung.

Davon zu unterscheiden sind private Pflegezusatzversicherungen, die unterschiedlichste Leistungen bieten. „Solche Zusatzversicherungen können sinnvoll sein, zum Beispiel wenn die gesetzliche Rente zwar einmal die Fixkosten deckt, aber keine Rücklagen da sind, beziehungsweise kein Eigenheim, das man später einmal vermieten könnte“, sagt Arndt.

Timo Voß, der beim Bund der Versicherten die Verbraucherberatung leitet, rät dazu, den persönlichen Bedarf zu ermitteln, bevor man sich für oder gegen eine Zusatzversicherung entscheidet. „Man sollte prüfen, wie viel eine vollstationäre Pflege in der Region kostet. Zieht man davon die zu erwartende Rente ab, weiß man, wie groß die Lücke ist, die man absichern sollte.“ Manche Versicherer bieten Produkte an, die eine private Pflegeversicherung mit einer Lebensversicherung kombinieren. Davon rät Voß ab. Er empfiehlt Pflegetagesgeld, wobei ein vereinbarter Betrag pro Tag bezahlt wird, oder eine Pflegekostenversicherung, bei der entstandene Kosten bis zu einem Höchstbetrag oder bis zu einem Prozentsatz erstattet werden.

Wie bei vielen anderen Versicherungen gilt auch bei den privaten Pflegezusatzversicherungen: Je jünger und gesünder man beim Einstieg ist, desto günstiger ist der Beitrag. Beim Abschluss sollte man unter anderem darauf achten, dass die Versicherung in allen drei Pflegestufen, also auch in der ersten und zweiten zahlt – und sowohl häusliche als auch stationäre Pflege abgedeckt sind.

MANUELA DOLLINGER

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Drogeriekette dm darf Alnatura-Vertrieb nicht bestimmen

Darmstadt (dpa) - Im Vertriebsstreit zwischen den Handelsunternehmen dm und Alnatura hat das Darmstädter Landgericht die Klage der Drogeriekette abgewiesen.
Drogeriekette dm darf Alnatura-Vertrieb nicht bestimmen

Mammutverfahren: Schlecker-Prozess wird Monate dauern

Stuttgart (dpa) - Das Verfahren gegen den ehemaligen Drogeriemarktkönig Anton Schlecker wird sich über Monate hinziehen.
Mammutverfahren: Schlecker-Prozess wird Monate dauern

Grundstein des 500-Millionen-Projekts Siemens-Campus gelegt

Erlangen - Der Bau des neuen Siemens-Campus in Erlangen hat offiziell begonnen. „Der Siemens Campus Erlangen ist ein wichtiges Signal für den Wirtschafts- und …
Grundstein des 500-Millionen-Projekts Siemens-Campus gelegt

HSH Nordbank nach neun Monaten mit höherem Gewinn

Hamburg (dpa) - Die HSH Nordbank sieht sich mit einem gestiegenen Gewinn für den geplanten Verkaufsprozess gewappnet.
HSH Nordbank nach neun Monaten mit höherem Gewinn

Kommentare