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Der bisherige Henkel-Vorsitzende Kasper Rorsted scheidet aus dem Führungsgremium aus.

Neuer Posten

Henkel-Chef wird Adidas-Vorsitzender

Herzogenaurach/Düsseldorf - Turnschuhe statt Kosmetik und Waschpulver: Acht Jahre lang hat Kasper Rorsted den Düsseldorfer Konsumgüterhersteller Henkel auf Erfolg getrimmt. Jetzt soll er dem Sportartikelhersteller Adidas Schwung geben.

Sportlich gibt sich Noch-Henkel-Chef Kasper Rorsted schon lange - bislang aber ausschließlich in seiner Freizeit. Vom Sommer an werden Sportartikel aber nun auch seinen Job prägen. Denn der 53-jährige Däne wechselt vom Düsseldorfer Konsumgüterhersteller zu Europas größtem Sportartikelhersteller Adidas. Dort beerbt der leidenschaftliche Läufer, Skifahrer und FC-Bayern-Fan den Dienstältesten aller Dax-Chefs, Herbert Hainer. Der 61-jährige Niederbayer führt Adidas seit 2001, Ende September ist nun Schluss.

Hainers Ende zeichnete sich bereits seit Monaten ab, kommt nun aber doch überraschend schnell. Noch im Dezember hatte er auf die Frage, ob er seinen bis März 2017 laufenden Vertrag erfüllen wolle, geantwortet: „Das ist überhaupt keine Frage!“ Hainer selbst hatte seinerzeit den Kontrakt nur bis 2017 verlängern wollen und betont, „einen optimalen Übergang an der Spitze der Adidas Gruppe“ sicherstellen zu wollen. Auch Rorsteds Kontrakt bei Henkel lief eigentlich noch bis Ende 2017. Nun soll er bereits am 1. August in Herzogenaurach anfangen und Hainer dann zwei Monate später als Vorstand beerben.

Aus seiner 15-jährigen Amtszeit bei Adidas werden dem ehrgeizigen Metzgerssohn mit dem markant bayerisch eingefärbten Business-Englisch besonders die letzten beiden Jahre in Erinnerung bleiben. Im Weltmeister-Jahr 2014 war der jahrelange Erfolgsmanager bei Adidas stark unter Beschuss geraten, nachdem der Sportartikel-Hersteller seine Prognose drastisch senken musste und der Aktienkurs einknickte.

Große Investoren verloren wegen der zähen Entwicklung bei der Fitnessmarke Reebok sowie Problemen in Russland und im Golfgeschäft die Geduld. Nike hat im weltgrößten Sportmarkt USA die Nase weiterhin meilenweit vorn - dabei war Hainer mit dem Ziel angetreten, Adidas zur weltweiten Nummer eins aufzubauen. Stattdessen machten ihm immer neue Baustellen das Leben schwer.

Adidas-Aktion schießt in die Höhe

Inzwischen sind die Auftragsbücher wieder prall gefüllt. Adidas peilt für das laufende Jahr mit Fußball-Europameisterschaft und Olympischen Sommerspielen Rekorde an. Unter Hainers Führung vervierfachte sich der Gewinn, der Unternehmenswert stieg von 3 Milliarden Euro auf 18 Milliarden. Dennoch schien der Langzeit-Chef den mächtigen Adidas-Aktionären langsam verbraucht, sie hoffen nun auf frischen Wind. Das spiegelt sich aktuell im Dax wider: Nach dem angekündigten Abschied von Rorsted, der den Familienkonzern acht Jahre mit ungewohnt harter Hand auf Erfolg getrimmt und den Börsenwert verdreifacht hat, gerät die Henkel-Aktie am Montag stark unter Druck, die Adidas-Aktie schießt dagegen in die Höhe.

Rorsted erwartet auf dem in der tiefen fränkischen Pampa gelegenen Firmengelände „Herzo Base“ ein traditionsreiches Unternehmen mit vielen jungen Mitarbeitern. Adidas ist mehr denn je darauf angewiesen, Trends frühzeitig zu erkennen. Diese Eigenschaft muss Rorsted in Franken - nur zwei Stunden von seiner Familie in München entfernt - erst noch beweisen, hat doch die Sportartikelbranche mit ihren Moden und sportlichen Unabwägbarkeiten recht wenig mit dem Verkauf von Waschmitteln oder Klebstoffen aus den Henkel-Regalen gemeinsam. Den Sprung ins kalte Wasser kennt der Däne allerdings: Als er 2005 zum ersten Mal die Branche und als Europachef von Hewlett Packard (HP) zu Henkel wechselte, musste er sich von Computern plötzlich auf Deo, Kosmetika und Weichspüler einstellen.

Eine Adidas-Baustelle dürfte Rorsted dagegen aus eigenem Hause bekannt sein: das schleppende Russland-Geschäft. Denn während die Geschäfte mit Turnschuhen und Co. in Westeuropa brummen, leidet Adidas in Russland unter dem Währungsverfall.

Ein weiteres wichtiges Thema: Zwar ist die Verlängerung des Ausrüstervertrages bei Rorsteds Lieblingsclub FC Bayern, an dessen Profi-AG Adidas obendrein mit 8,33 Prozent beteiligt ist, bis 2030 unter Dach und Fach. Doch die Verlängerung des lukrativen Kontrakts mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) steht noch aus. Bis 2018 gilt die Vertragsbindung, für die Zeit danach wurde auch schon über einen möglichen Wechsel des DFB etwa zu Nike spekuliert. Zumindest die Ansprechpartner beim DFB kennt Rorsted schon: Erst im März 2015 unterzeichnete er einen DFB-Sponsorenvertrag für Henkel.

Van Bylen übernimmt bei Henkel

Hans Van Bylen wird neuer Henkel-Chef.

Bei Henkel ermöglicht es der überraschend kurzfristige Wechsel dem designierten neuen Vorstandsvorsitzenden Van Bylen, bereits der anstehenden Entwicklung der Strategie für die Jahre 2017 bis 2020 seinen Stempel aufzudrücken. Der Konzern will diese Pläne Ende des Jahres vorstellen. Der neue Henkel-Chef ist Belgier, verheiratet und hat drei Kinder. Er ist ein Jahr älter als Rorsted und arbeitet bereits seit 1984 für das Unternehmen. Seit 2005 steht der Manager an der Spitze der Kosmetiksparte.

dpa

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