Wird am Mittwoch 90: Ikea Gründer Ingvar Kamprad.
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Wird am Mittwoch 90: Ikea Gründer Ingvar Kamprad.

Kauziger Möbel-Mogul wird 90

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad wird 90

Stockholm - 60 Jahre ist es her, dass Ikea den Möbelverkauf revolutionierte. Heute schleppen allein die deutschen Kunden jährlich Möbelpakete im Milliardenwert nach Hause. Am Mittwoch hat der sparsame Firmenpatriarch Geburtstag.

60 Jahre ist es her, dass Ikea den Möbelverkauf revolutionierte. Der Tisch "Lövet" wurde 1956 als erstes Produkt des Unternehmens zum Eigenbau angeboten - die Beine waren nicht mit der Tischplatte verbunden. Heute schleppen allein die deutschen Kunden jährlich Möbelpakete im Milliardenwert nach Hause und basteln drauflos. Ikea-Gründer Ingvar Kamprad kann sich zum 90. Geburtstag am Mittwoch über bestens laufende Geschäfte freuen. Von großen Feierlichkeiten aber wird im Konzern abgesehen - ganz im Sinne des sparsamen Firmenpatriarchen. 

Kamprad hatte sich schon als Kind im südschwedischen Smaland als Geschäftsmann versucht und unter anderem selbst geangelte Fische an die Nachbarn verkauft. Die Firma Ikea gründete er als 17-Jähriger - per Fahrrad lieferte er etwa Kugelschreiber und Bilderrahmen zu Niedrigpreisen aus. Möbel kamen, noch im Ganzen, 1947 ins Ikea-Angebot. 1951 erschien erstmals ein Katalog, ausgeliefert per Milchmann. Kamprad verlegte sich komplett aufs Geschäft mit Möbeln - dann kam die Idee mit dem zerlegten Tisch. Ein Mitarbeiter hatte vorgeschlagen, die Tischbeine für den Transport abzumontieren, damit das Möbelpaket in ein Auto passt. Dass sich so Transport- und Lagerkosten senken ließen, wird Kamprad gefallen haben. Denn strenge Kostenkontrolle war stets zentraler Bestandteil seiner Geschäftsstrategie. So verlagerte er die Möbelproduktion erst nach Dänemark und dann nach Polen, nachdem ihn einheimische Hersteller wegen seiner Preisvorstellungen boykottierten. 

Schockierende Erfahrung beim Haareschneiden

Auch privat hielt Kamprad sein Geld zusammen. In den 70er Jahren zog er in die Schweiz, um Steuern zu sparen. Medienberichten zufolge fuhr er dort gern mit seinem alten Volvo zum Supermarkteinkauf und sammelte Treuepunkte. 2008 sprach Kamprad mit der Zeitung "Sydsvenskan" über eine schockierende Erfahrung beim Haareschneiden in den Niederlanden: 22 Euro wurden fällig, was Kamprads selbst gestecktes Frisör-Budget überstieg. Auch im hohen Alter bleibt er dem Sparsamkeitsprinzip treu. Er trage vermutlich nichts, "das nicht auf Flohmärkten gekauft wurde", sagte er in einer kürzlich ausgestrahlten Fernsehdokumentation. 

Dabei könnte sich Kamprad so ziemlich alles leisten. Sein Vermögen wird auf zig Milliarden Euro geschätzt; laut Magazin "Forbes" gehört er zu den reichsten Menschen überhaupt. Unklar ist allerdings, was genau dem Patriarchen gehört, wie viel seinen drei leiblichen Söhnen und seiner Adoptivtochter und was der Familienstiftung. Die finanziellen Verhältnisse sind privat wie geschäftlich kompliziert, der Ikea-Konzern ist ein kaum durchschaubares, multinationales Geflecht - mindestens zum Teil aus steuerlichen Gründen. 

"Jugendliche Dummheit" während des Zweiten Weltkriegs

Nicht nur dieses Vorgehen, auch seine einstige Nähe zum Nationalsozialismus brachte Kamprad immer wieder Kritik ein. Er war während des Zweiten Weltkriegs und noch danach in entsprechenden Gruppierungen aktiv. Kamprad versuchte, dies als "jugendliche Dummheit" abzutun. 

Ungeachtet aller Negativschlagzeilen expandierte Ikea enorm. Fünf Jahre nach Eröffnung des ersten Möbelhauses im südschwedischen Älmhult 1958 wurde in Oslo die erste Filiale außerhalb Schwedens gegründet. 1974 öffnete das erste deutsche Ikea-Haus in München. Inzwischen gibt es 328 Filialen in 28 Ländern. 

Im Geschäftsjahr bis Ende August 2015 stieg der Nettogewinn des Konzerns um fünf Prozent auf 3,52 Milliarden Euro. Allein für Deutschland meldete Ikea einen Rekordumsatz von 4,4 Milliarden Euro. Gründer Kamprad ist heute offiziell "Senior Advisor" des Konzerns. 2012 ließ er eine Übergabe der Gesamtverantwortung an seine ebenfalls im Unternehmen aktiven Söhne dementieren. 

Während er sich zumindest teilweise aus den Aufgaben bei Ikea zurückzog, kehrte Kamprad 2014 heim nach Schweden. Er wolle näher bei Familie und Freunden sein, sagte er der Zeitung "Sydsvenskan". Den 90. Geburtstag des Gründers feiert Ikea unspektakulär mit Kaffee und Kuchen für alle Mitarbeiter. Kamprad selbst habe darum gebeten, "von großen Feierlichkeiten abzusehen", sagte ein Sprecher von Ikea Deutschland.

afp

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