Um welchen Preis?

Deutsche Telekom behält die US-Tochter

Paris/New York - Die Telekom spekuliert seit geraumer Zeit darauf, dass ihr jemand die US-Mobilfunksparte für einen ordentlichen Preis abnimmt. Nun winken auch die Franzosen von Iliad ab.

Telekom-Chef Tim Höttges gibt sich gern unaufgeregt, wenn es um T-Mobile US geht. Die lange kriselnde US-Mobilfunktochter habe die Wende geschafft und fahre jetzt die Ernte ein. Nachdem nun auch das Interesse des französischen Internet- und Mobilfunk-Konzerns Iliad nach der zweiten Abfuhr erkaltet ist, bleibt der Deutschen Telekom ihre US-Sparte zunächst auch erhalten. Allerdings ist sie bei den T-Aktionären noch immer recht unbeliebt. Und Höttges muss sich vor milliardenschweren Frequenzauktionen in den USA im kommenden Jahr fragen lassen, ob er nochmals Geld zuschießen will.

Auf den ersten Blick geht die Rechnung der Bonner derzeit auf. Der Chef von T-Mobile US, John Legere, jagt der Konkurrenz reihenweise die Kundschaft ab. Die amerikanische Mobilfunksparte ist der einzig stark wachsende Teil des Telekom-Reichs. Richtig ist aber auch: Andere Bereiche wie das Deutschland-Geschäft sind deutlich profitabler.

Innerhalb des Konzerns hat sich dank der jüngsten Erfolge in den USA aber wohl auch Widerstand gegen einen übereilten Verkauf geregt. Die beste Gelegenheit, aus dem vor einem guten Jahrzehnt eingeläuteten Abenteuer auszusteigen, hat sich vermutlich bereits im Juni zerschlagen. Der nach Umsatz drittgrößte US-Mobilfunker Sprint soll mit Unterstützung des japanischen Hauptaktionärs Softbank bereit gewesen sein, gut 21 Milliarden Dollar (16,9 Mrd Euro) für den Zweidritteil-Anteil zu bezahlen.

Logik des Plans: Wenn zwei Netzbetreiber sich zusammentun, sind die Einsparungen durch den Abbau doppelt vorhandener Sendemasten besonders groß. Etwas dagegen hatte vor allem Tom Wheeler, der Chef des US-Telekomregulierers FCC. „Vier nationale Mobilfunkanbieter sind gut für amerikanische Verbraucher“, ließ er mitteilen, als Sprint bei den Wettbewerbshütern mit den Plänen auf taube Ohren gestoßen war. Ironie des Schicksals: Der Erfolg der aggressiven Preissenkungen von T-Mobile dürfte Wheeler bestärkt haben. Nun könnte Magenta gar von der eigenen Strategie eingeholt werden - zwischen Sprint und dem Telekom-Ableger zeichnete sich zuletzt ein nochmals angeheizter Preiskampf ab.

Doch das alles ist womöglich nur Vorgeplänkel für das, was den kleineren Anbietern in der zweiten Jahreshälfte 2015 bevorsteht. Dann werden von der FCC in einer komplizierten Auktion Frequenzen im Kurzwellenbereich von 600 MHz versteigert, die bislang für die Fernsehübertragung genutzt werden. Das Frequenzspektrum ist begehrt, weil es eine große Reichweite bietet. Gerade für die Versorgung weiter Landstriche in den teilweise sehr dünn besiedelten USA ist das wichtig.

Sprint und die Telekom fürchten vor allem eins: Die Platzhirsche Verizon und AT&T könnten die kleineren Anbieter mit viel Geld ausbooten. Höttges und Legere fordern daher Begünstigungen. Die hat FCC-Chef Wheeler auch in Aussicht gestellt. Bisher hatten die Bonner mit den Aufsehern aber wenig Glück: „Es scheint mein Schicksal zu sein, dass ich überall auf der Welt mit Regulierern zu kämpfen habe“, witzelte Höttges nach dem abgeblasenen Sprint-Deal. Auch in Brüssel beißen die europäischen Mobilfunk-Anbieter mit der Forderung nach einer lascheren Regulierung bisher auf Granit.

Wieviele Frequenzen für die Kleinen bei der Auktion reserviert werden, ist unklar. Ebenso, wieviel die derzeitigen Inhaber, meist TV-Sender, überhaupt freigegeben - und für welchen Preis. Laut dem US-Branchenmagazin „Broadcasting & Cable“ wollen FCC-Beamte den TV-Stationen die Versteigerung aber hinter vorgehaltener Hand schmackhaft machen: Eine hohe Schätzung belaufe sich auf Auktionserlöse von rund 38 Milliarden Dollar.

Begehrt ist T-Mobile nach wie vor. Charlie Ergen, Boss des US-Satellitenanbieters Dish, deutete Interesse an, zögert aber noch. Gerüchteweise flirten auch der US-Kabelriese Comcast und der mexikanische Mobilfunkmilliardär Carlos Slim mit der Farbe Magenta. Optionen hätte Höttges damit - die Frage ist, ob sie ihm gut genug sind.

Die Telekom hatte das US-Geschäft auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase Anfang des Jahrtausends mit dem Mobilfunker Voicestream übernommen. Unter anderem wegen der daraus entstandenen hohen Schulden wollte der Konzern es 2011 an AT&T verkaufen, scheiterte jedoch am Widerstand der US-Wettbewerbshüter. In der Folge wurde die inzwischen in T-Mobile US umbenannte Tochter mit dem regionalen Anbieter MetroPCS verschmolzen. Seitdem hält die Telekom noch 67 Prozent.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Finanzforum "Investmentideen 2016": So schützen Sie Ihr Vermögen

Beim 2. Finanzforum "Investmentideen" am 20. und 21. Oktober im Pressehaus erfahren Sie aus erster Hand nützliche Strategien und Tipps rund ums Vermögen. Melden Sie sich …
Finanzforum "Investmentideen 2016": So schützen Sie Ihr Vermögen

Panik unter Anlegern: Deutsche-Bank-Aktie stürzt ab

Frankfurt/Main - Aktionäre der Deutschen Bank sind in Panik, der Kurs brach am Freitagmorgen auf ein Rekordtief von unter zehn Euro ein. Auslöser sind Gerüchte aus den …
Panik unter Anlegern: Deutsche-Bank-Aktie stürzt ab

Starker August für Deutschlands Einzelhändler

Wiesbaden (dpa) - Im Sommermonat August haben die Einzelhändler in Deutschland gute Geschäfte gemacht. Sowohl preisbereinigt (plus 3,7 Prozent) als auch nominal (plus …
Starker August für Deutschlands Einzelhändler

Commerzbank-Vorstand informiert über Details

Bis Ende 2020 sollen unter dem Strich 7300 der derzeit gut 45 000 Vollzeitstellen wegfallen.
Commerzbank-Vorstand informiert über Details

Kommentare