Tendenz

Inflation in Euro-Ländern sinkt überraschend

Luxemburg - Überraschenderweise ist in den Euro-Ländern zu Jahresbeginn die Inflation erneut gesunken. Das hat Folgen für die Europäische Zentralbank.

Die Inflation in den Euro-Ländern ist zu Jahresbeginn überraschend weiter gesunken. Die jährliche Teuerungsrate sank im Januar im Vergleich zum Vormonat von 0,8 auf bei 0,7 Prozent, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Freitag in Luxemburg meldete. Analysten hatten einen Anstieg erwartet. Etliche rechnen nun damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik weiter lockern wird, einige erwarten sogar eine nochmalige Zinssenkung. Grund für den Inflationsrückgang sind laut Eurostat vor allem sinkende Energiepreise.

Mit den neuen Zahlen entfernt sich die Inflationsrate wieder vom Zielwert der Europäischen Zentralbank von knapp 2,0 Prozent, bei der die Währungshüter die Preisstabilität gewahrt sehen. EZB-Chef Mario Draghi hatte nach der Ratssitzung Anfang Januar klar gemacht, dass die Notenbank bereit sei, zu handeln.

Denn die niedrigen Inflationsraten schüren angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums in vielen Euro-Staaten die Angst vor einer Deflation. Dabei kommt bei anhaltend sinkenden Preise eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang, bei dem Verbraucher und Unternehmen in Erwartung weiter fallender Preise sich bei Käufen und Investitionen zurückhalten. Japan steckte in dieser Falle seit den 90er Jahren, scheint sich jetzt aber durch Konjunkturprogramme und enorme Geldspritzen davon befreien zu können.

Denkbar sind nach Ansicht von Volkswirten, dass auch die EZB reagiert mit einer zusätzlichen Zinssenkung - oder auch mit weiteren langfristigen Geldspritzen für die Banken bis hin zu Wertpapierkäufen im Stil der US-Notenbank Fed. Bei deflationären Tendenzen werde man eingreifen, hatte EZB-Präsident Mario Draghi versichert. Im November hatte die EZB überraschend auch wegen der niedrigen Inflationsraten den Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt.

Allerdings gibt es gegen Letzteres politischen Widerstand vor allem aus Deutschland. „Wir halten eine weitere Senkung der Leitzinsen weiter für etwas wahrscheinlicher als andere Optionen“, schreibt die Commerzbank. Allerdings dürfte die EZB bei ihrer Sitzung am kommenden Donnerstag (6. Februar) „noch stillhalten“.

Nach letzten Aussagen der EZB droht derzeit weder nennenswerte Inflation noch Deflation. Auch EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte am Freitag: „Meiner Ansicht nach gibt es kein Risiko einer Deflation.“ Allerdings könne eine längere Phase niedriger Inflation anstehen. Wenn das längere Zeit anhält, wird es zu einem Problem werden“, fügte Rehn hinzu.

Hauptgrund für die schwächere Inflation zur Jahresbeginn sind vor allem rückläufige Energiepreise, die 1,2 Prozent niedriger als vor einem Jahr lagen. Zudem schwächte sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln leicht ab. Ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak zog die Inflation indes leicht an. Diese sogenannte Kernrate stieg von dem im Dezember erreichten Rekordtief um 0,1 Punkte auf 0,8 Prozent.

In Japan ist die Deflation das Kernproblem der japanischen Wirtschaft schon seit den 1990er Jahren. Mit einer aggressiven Geldpolitik will die Notenbank das Land aus der Falle der Deflation befreien. Nun sieht Japan ein Ende des jahrelangen Preisverfalls näher rücken. Die Verbraucherpreise zogen im Dezember um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an und damit im nunmehr siebten Monat in Folge, wie die Regierung am Freitag bekanntgab. Die Industrieproduktion legte zugleich erstmals seit zwei Monaten zu und auch vom Arbeitsmarkt gab es positive Signale.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ex-Manager müssen keinen Schadenersatz an Schaeffler zahlen

Um dem Unternehmen Aufträge zu sichern, sollen sie geschmiert haben: Acht Ex-Manager von Schaeffler standen in Schweinfurt vor Gericht, ihr ehemaliger Arbeitgeber wollte …
Ex-Manager müssen keinen Schadenersatz an Schaeffler zahlen

Bremer Lürssen-Gruppe übernimmt Traditionswerft Blohm+Voss

Die Lürssen Werft in Bremen-Vegesack und Blohm+Voss sind Konkurrenten, aber auch Partner. Nun hat Lürssen die Hamburger Werft übernommen. An der Elbe ist man darüber gar …
Bremer Lürssen-Gruppe übernimmt Traditionswerft Blohm+Voss

Unternehmen haben so viele freie Jobs wie selten zuvor

Die hohe Zahl freier Stellen gehört seit ein paar Jahren zum gewohnten Bild am deutschen Arbeitsmarkt. Dass ihre Zahl Monat für Monat weiter steigt, überrascht manchen …
Unternehmen haben so viele freie Jobs wie selten zuvor

Deutsche-Bank-Chef sieht keinen Bedarf für Staatshilfen

Deutschlands Großbanken sind angeschlagen. Droht eine neue Bankenkrise? Anleger sind verunsichert. Deutsche-Bank-Chef Cryan betont: Die Lage sei besser, als sie wirke.
Deutsche-Bank-Chef sieht keinen Bedarf für Staatshilfen

Kommentare