Irak, Öl, Militär
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Irakische Soldaten bewachen eine Öl-Raffinerie in Baiji.

Experte erklärt die Risiken

Irak-Krise: Gefahr für deutsches Konsumklima

Nürnberg - Seit zwei Wochen sind die islamistischen Isis-Gruppen im Irak auf dem Vormarsch. Ein Experte erklärt, wie die Krise dort auch für das Konsumklima in Deutschland ganz schnell gefährlich werden kann.

Eine weitere Eskalation der Kämpfe im Irak könnte nach Einschätzung von Konsumexperten Folgen für die Verbraucherstimmung in Deutschland haben. Wenn die islamistischen Isis-Gruppen Ölförderanlagen in ihre Gewalt bringen und damit die Versorgung gefährden würden, könnte sich dies über steigende Energiepreise auch auf das bislang ausgesprochen gute Konsumklima hierzulande auswirken, sagte Rolf Bürkl vom Marktforschungsunternehmen GfK der Nachrichtenagentur dpa in Nürnberg.

„Die Ereignisse im Irak selbst haben nicht unmittelbar diesen großen Einfluss auf die Verbraucherstimmung“, erläuterte Bürkl. „Aber wenn es in der Folge dieses Konflikts zu einem starken dauerhaften Anstieg der Energiepreise kommt, weil die Märkte befürchten, dass es bei der Energieversorgung zu Knappheiten kommen kann, dann ist das ein Risiko für das Konsumklima.“ In den vergangenen Tagen hatte der Vormarsch der extremistischen Gruppe „Islamischer Staat im Irak und Syrien“ (Isis) die Ölpreise in die Höhe getrieben. Höhere Ölpreise wirken sich in der Regel mit Verspätung auch auf die Benzinpreise aus.

Spritpreis gilt als besonders sensibler Faktor für die Verbraucherstimmung

Der Spritpreis gilt als besonders sensibler Faktor für die Verbraucherstimmung. „In der Vergangenheit war es häufig so, dass die Benzinpreise als Signalpreise wirkten, weil es ein sehr öffentlicher Preis ist, der unmittelbar am Straßenrand sichtbar ist“, erklärte Bürkl. Allerdings lägen die Kosten für Benzin und Diesel noch immer unter den Spitzenwerten des vergangenen Jahres.

Hinzu komme, dass derzeit keine Heizsaison sei, sich steigende Preise für Heizöl also für die Verbraucher im Moment kaum bemerkbar machten. „Das kann im Herbst zum Thema werden“, schilderte Bürkl. Dann könnte sich auch ein weiterer Konflikt auf das Portemonnaie hiesiger Verbraucher auswirken: „Wenn es in dem Streit zwischen der Ukraine und Russland tatsächlich dazu kommt, dass die Ukraine Gas und Öl abzapft, das eigentlich für den Westen bestimmt ist, und es deshalb hier zu Engpässen kommen sollte, hätte das sicher ebenfalls Auswirkungen“, betonte Bürkl. Derzeit jedoch gebe es in der EU genügend Vorräte.

90 weitere US-Militärberater verstärken Kampf im Irak

Unterdessen haben die USA die Zahl ihrer Militärberater im Kampf gegen die Terrorgruppe Isis im Irak verstärkt. Wie das Pentagon am Dienstag mitteilte, sollten 90 weitere Soldaten in Bagdad eintreffen. Bereits vor einigen Tagen seien 40 Soldaten ins Land gekommen. US-Präsident Barack Obama hatte vergangene Woche bis zu 300 zusätzliche Berater versprochen. Sie sollen vor allem prüfen, ob die irakischen Streitkräfte in der Lage sind, die vorrückenden sunnitischen Isis-Kämpfer aufzuhalten.

Obama schloss auch gezielte Luftschläge gegen die Islamistenmiliz nicht aus. US-Außenminister John Kerry rief Regierungschef Nuri al-Maliki auf, eine Regierung zu bilden, der neben Schiiten auch Sunniten und Kurden angehören.

Isis ist seit zwei Wochen im Irak auf dem Vormarsch Richtung Bagdad und hat weite Teile im Norden und Westen des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Nach Angaben der Vereinten Nationen töteten die Terroristen im Juni mindestens 1075 Menschen. Die meisten waren Zivilisten. Die USA drängen angesichts der Gebietsgewinne der Milizen und ihres brutalen Vorgehens zur Eile.

Eine der größten irakischen Ölraffinerien derzeit hart umkämpft

Angesichts des Vormarsches der Isis-Extremisten dringt neben Kerry auch Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die schnelle Bildung einer Einheitsregierung. „Wichtig ist, (...) schnell eine Regierung zu bilden, die das auch verspricht, damit der Staat Irak gegen die Fundamentalisten und Extremisten auch gestärkt werden kann“, sagte Merkel während eines Besuches des jordanischen Königs Abdullah II. am Dienstag in Berlin.

Umkämpft war zuletzt vor allem eine der größten irakischen Ölraffinerien in Baidschi. Der rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Ort ist strategisch bedeutsam. Vom dortigen Kraftwerk werden Bagdad und weite Teile des Landes mit Strom versorgt. An anderen Orten bekommt das irakische Militär offenbar Hilfe von der syrischen Armee. Arabische Medien berichteten, syrische Kampfflugzeuge hätten den Ort Al-Kaim auf irakischer Seite des gemeinsamen Grenzgebietes angegriffen. Dabei seien mindestens 18 Menschen getötet und mehr als 90 verletzt worden.

dpa

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