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In Schieflage geraten: Kaupting-Bank. 

Geldanlage

Kaupthing will Kunden auszahlen

Deutsche Kaupthing-Anleger sollen ihr Geld komplett zurückerhalten. Die in Schieflage geratene Bank hat nach eigenen Angaben genügend Geld zusammengezogen, um Einlagen plus Zinsen bald auszuzahlen.

Die ungefähr 30 800 deutschen Kunden der Kaupthing Bank sollen in Kürze ihre eingezahlten Einlagen in Höhe von insgesamt 308 Millionen Euro zurückerhalten. Dies bestätigte Islands Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir nach einem Treffen mit den staatlichen Bankenverwaltern im Vorfeld der anstehenden Parlamentswahlen. Nach ihren Worten hat das Kreditinstitut genügend Geld für den deutschen Markt zusammengezogen. Die seit Monaten um ihre Ersparnisse bangenden Anleger sollen zudem die seit dem 9. Oktober angefallenen Zinsen für ihre Einlagen erhalten, hieß es.

Bald Post für Kunden

Trotz großer Anstrengungen habe der Auszahlungsprozess mehr Zeit vereinnahmt als ursprünglich angenommen, teilte das Geldhaus mit. Die meisten Probleme seien nun aber gelöst. Kaupthing feilt derzeit noch an technischen Details bezüglich der Auszahlung. Möglich wird die Auszahlung von Einlagen und Zinsen offenbar auch deshalb, weil die Verwertung der Vermögenswerte höhere Erträge brachte als erwartet.

Sämtliche Kaupthing-Kunden aus Deutschland werden nach Angaben der Bank in Kürze Post erhalten mit detaillierten Informationen zur Auszahlungsprozedur. Auch unter www.kaupthingedge.de sollen bis Ende April Informationen veröffentlicht werden. Das Institut bedankte sich in der Mitteilung für „die Geduld“ der betroffenen Anleger. Gerüchten zufolge ist die Auszahlung nur noch eine Frage weniger Wochen.

Das Bundesfinanzministerium in Berlin wollte auf Nachfrage nicht bestätigen, dass eine Auszahlung der deutschen Sparer bevorsteht. „Die Richtigkeit der Angaben können wir nicht beurteilen“, sagte ein Sprecher. „Wenn jetzt Taten folgen, wäre das aber zu begrüßen.“ Auch die Bankenaufsicht Bafin äußerte sich zurückhaltend. Ein Sprecher bewertete es aber als positives Signal, dass Kaupthing eine komplette Rückzahlung der Einlagen anstrebt. Zuvor war von einer geringeren Quote die Rede.

Die isländischen Bankenverwalter machen bürokratische Hürden in Deutschland für die Verzögerung der Auszahlungen verantwortlich. Bafin und die Frankfurter DZ Bank, bei der ein Teil der Kaupthing-Gelder seit dem Zusammenbruch des isländischen Bankwesens auf Transferkonten feststecken, hätten die Auszahlungen an die deutschen Sparer blockiert. „Das Geld für die deutschen Sparer war schon die ganze Zeit in Deutschland vorhanden“, sagte Indridi Thorlaksson vom isländischen Finanzministerium gestern. In anderen Ländern, in denen Kaupthing aktiv war, sei schon längst ausgezahlt worden.

Klage wegen DZ Bank

Kaupthing kündigte rechtliche Schritte an, weil die DZ Bank Kaupthing-Gelder in Höhe von 55 Millionen Euro eingefroren hatte. Nach dem Willen der Isländer hätten diese Mittel längst zur Auszahlung deutscher Kunden dienen können. Eine Klage werde aber nicht die Entscheidung beeinflussen, alle Einlagen in Kürze zurückzuzahlen, versprach Kaupthing in der Pressemitteilung.

Das Institut war zusammen mit anderen isländischen Großbanken im Herbst 2008 unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt worden. Wegen der weltweiten Finanzkrise und dramatisch ansteigenden Zinskosten drohten die überschuldeten Banken pleitezugehen. In Deutschland hatte die Bafin am 9. Oktober ein Zahlungs- und Veräußerungsverbot verhängt. Ähnliches geschah in anderen Ländern Europas, in die Kaupthing kurz vor dem Zusammenbruch expandiert war. Das Kreditinstitut lockte Sparer mit überdurchschnittlich hohen Zinssätzen.

André Anwar / Florian Ernst

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