Nach schwierigem Jahr

Keksriese Bahlsen in Aufbruchsstimmung

Hannover - Omas Knabbergebäck ist out, der Riegel für unterwegs in: Gebäckhersteller Bahlsen setzt entsprechend auf ein jugendlicheres Image. Das Keks-Imperium aus Hannover sieht sich aber erst am Anfang. Zumal das vergangene Jahr nicht optimal lief.

Kräftige Bremsspuren gab es im vergangenen Jahr - jetzt sieht der Keksriese Bahlsen nach einem Produktschwenk erste Erfolge. Der Gebäck- und Süßwarenhersteller aus Hannover setzt auf neue Produkte, neue Verpackungskonzepte und ein frischeres Design. „Wir sind in der Gruppe extrem stark in 2015 gestartet“, sagte Vertriebschef Sönke Renk am Freitag. In mehreren Ländern habe Bahlsen zweistellige Zuwachsraten erreicht. Im Vorjahr hatte der Konzern wegen seiner Nachfragedelle bei Discountern wie Lidl oder Aldi sowie einem wegbrechenden Geschäft in Krisenländern in Nahost oder der Ukraine mit 515 Millionen Euro neun Millionen Euro weniger Umsatz als 2013.

Nummer eins auf deutschem Süßgebäckmarkt

Dahinter standen 132.000 Tonnen Produkte (2013: 142 000 Tonnen). Zum Gewinn machte Bahlsen keine konkreten Angaben. Renk, der von einem schwierigen Jahr 2014 bei den Handelsmarken sprach, betonte aber: „Unser Planziel beim Gewinn haben wir erreicht.“ Gewachsen sei zudem die Eigenkapitalquote, so dass die Gruppe nach dem 2014 eingeleiteten Neustart des 125-jährigen Unternehmens trotz hartem Wettbewerb gut aufgestellt sei. Auf dem deutschen Süßgebäckmarkt ist Bahlsen nach eigenen Angaben mit einem Anteil von 11,2 Prozent die Nummer eins.

Der Mittelständler aus Hannover ist nach eigener Darstellung heute internationaler und flexibler bei der Produktion und setzt verstärkt auf Markeninszenierung in der Werbung - etwa bei der RTL-Serie „Dschungelcamp“. 2014 sei es der Marke Bahlsen gelungen, eine Million Neukunden vor allem aus den jüngeren Käufergruppen zu gewinnen. Der Hersteller investierte in seine Werke rund 12 Millionen Euro - in die Werbung und das Mediengeschäft dagegen rund 40 Millionen Euro.

Preiserhöhungen wegen gestiegener Rohstoffpreise

Von den 2014 noch 50 Produkten sollen längerfristig nur noch 26 bleiben. Sehr zufrieden zeigte sich der für den deutschen Markt zuständige Bahlsen-Manager Michael Hähnel mit dem Weihnachtsgeschäft Ende 2014: „Wir konnten hervorragende Wachstumszahlen erzielen und werden es dieses Jahr weiter ausbauen.“ Der Beschluss, die zunächst beschlossene Streichung dieses Segments zurückzunehmen, sei richtig gewesen. Hähnel schloss wegen steigender Rohstoffpreise „die eine oder andere Preiserhöhung“ nicht aus.

Nicht mehr das klassische Kaffeekränzchen befeuert das Geschäft, so Hähnel, sondern die wachsende Zahl der Single-Haushalte und der Trend zu Snacks für unterwegs. Als Renner gilt dabei der Riegel „Pick-Up“, der sich 2014 insgesamt 400 Millionen mal verkaufte und international beim Umsatz um 10 Prozent zulegte. „Aneinander gelegt ergibt das eine Strecke von 31 000 Kilometer“, errechnete der Konzern: die Strecke Hannover-Sydney und zurück. Bestseller blieb allerdings der klassische Butterkeks mit rund zwei Milliarden Exemplaren. Von Bahlsens gut 2636 Mitarbeitern arbeiten rund 2000 hierzulande.

dpa

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