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Die Kirchen forden die Wirtschaft zu mehr Moral auf.

"Moralisch inakzeptabel"

Kirchen kritisieren Gier der Wirtschaft

Frankfurt am Main - "Gier und Maßlosigkeit": Die deutschen Kirchen kritisieren in einer gemeinsamen Erklärung die Wirtschaft. Gewinnmaximierung um jeden Preis sei moralisch absolut inakzeptabel.

Der Finanzmarkt darf sich nach Ansicht der großen christlichen Kirchen in Deutschland nicht verselbstständigen und sollte strikten Kontrollen unterliegen. Gier und Maßlosigkeit, die zur Finanzkrise geführt hätten, zersetzten den gesellschaftlichen Zusammenhalt, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Wirtschaftliche Aktivitäten seien kein Selbstzweck, Gewinnmaximierung um jeden Preis moralisch inakzeptabel.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider stellten die Initiative mit dem Titel „Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft“ am Freitag in Frankfurt vor.

„Die Finanzmarktkrise der Jahre 2007-2009 war die Folge menschlichen Versagens auf ganz unterschiedlichen Ebenen“, heißt es dort. „Zu Recht ist die Maßlosigkeit und eine zum Teil bis ins Kriminelle gesteigerte Selbstherrlichkeit und Gier mancher Finanzmarktakteure kritisiert worden.“ Deshalb seien internationale ordnungspolitische Weichenstellungen nötig, der Staat müsse einem Missbrauch der Freiheit Grenzen setzen.

Die Illusion der Beherrschbarkeit von Risiken sei ein Hauptgrund für die Krise gewesen. Geld müsse eine strikt dienende Funktion haben. „Insbesondere die Finanzmärkte müssen sich wieder in Richtung einer dienenden Rolle wandeln.“

Die soziale Marktwirtschaft als gerechter und fairer Ausgleich müsse angesichts der Globalisierung der Wirtschaft weiterentwickelt werden in wirtschaftlicher, sozialer und auch ökologischer Hinsicht, fordern die Kirchen. Ein Schuldenabbau auf Kosten der sozial Schwachen und notwendiger Zukunftsinvestitionen sei nicht hinnehmbar.

Als Leitfrage der zehn gemeinsamen Thesen nennt das Papier die Gerechtigkeit. Die Kirchen hätten dort eine besonderen gesellschaftlichen Auftrag. „Wir beanspruchen keine herausgehobene Kompetenz in ökonomischen oder technischen Sachfragen, und wir verfolgen auch kein bestimmtes politisches Programm.“ Aber der biblische Schöpfungsauftrag, die Erde zu hüten und zu bebauen, und das Gebot christlicher Nächstenliebe hätten stets auch eine soziale und politische Dimension.

Vor genau 17 Jahren, am 28. Februar 1997, hatten die beiden christlichen Kirchen ihre Erklärung „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ veröffentlicht.

In ihrem aktuellen Papier kritisieren die Kirchen, es sei bisher nur unzureichend erreicht worden, die Chancen der Menschen am unteren Rand der Gesellschaft zu verbessern. Allzu häufig werde Armut vererbt. „Damit wollen wir uns als Kirchen nicht abfinden.“

Arbeitgeber loben Initiative grundsätzlich

Die Arbeitgeber haben die Sozialinitiative der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland grundsätzlich begrüßt. Es sei bemerkenswert, dass die Kirchen sich nicht nur zu Verteilungsfragen äußerten, sondern Teilhabe- und Chancengerechtigkeit verstärkt in den Fokus rückten, stellte der Arbeitgeberverband BDA in einer am Freitag in Berlin veröffentlichten Stellungnahme fest.

„Die Kirchen würdigen die Soziale Marktwirtschaft zu Recht als Ordnungsrahmen, der bestmöglich Wettbewerb, Leistungsstreben und Marktwirtschaft mit sozialem Ausgleich verbindet.“ Die BDA teile auch die Mahnung an die Regierung, bei der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns keine bestehenden Arbeitsverhältnisse zu verdrängen und keine neuen Barrieren zum Einstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen. Zur Kirchenkritik an Gewinnmaximierung, wirtschaftlicher Gier und Maßlosigkeit äußerten sich die Arbeitgeber nicht.

dpa

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