Verbraucherschutz rät

So können Sie sich gegen Telefon- und SMS-Abzocke wehren

Berlin - Abzocke am Telefon oder SMS, für viele Verbraucher ein echtes Ärgernis und können schnell auch sehr teuer werden. So können Sie sich gegen die Betrüger wehren.

Ungebetene Telefonwerbung bleibt ein Ärgernis für viele Verbraucher. Die Zahl der Beschwerden bei der Bundesnetzagentur ging 2015 im Vergleich zum Vorjahr nur leicht zurück, und zwar von rund 26.200 auf 24.500, wie die Behörde am Donnerstag mitteilte. Zugenommen hat der Rufnummernmissbrauch, meistens handelt es sich dabei um Telefon-Spam. Dazu zählen auch SMS, bei denen eine Antwort für den Verbraucher teuer wird. Wie die Nachrichten, die im Februar angeblich von Media Markt per SMS verschickt wurden.

Wegen ungebetener Telefonwerbung verhängte die Behörde im vergangenen Jahr Bußgelder von insgesamt 467.000 Euro. 2014 waren es rund 700.000 Euro gewesen. Seit Oktober 2013 liegt das höchstmögliche Bußgeld bei 300.000 Euro. Diese Grenze wurde im vergangenen Jahr in einem Fall fast ausgeschöpft: Hier wurden 270.000 Euro fällig, wie ein Sprecher der Bundesnetzagentur sagte. Wie hoch ein Bußgeldbescheid ausfällt, hängt jeweils vom Einzelfall ab.

Rufnummern-Spam oder Ping-Anrufe

Beim Rufnummernmissbrauch registrierte die Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr knapp 78.000 Fälle, im Jahr 2014 rund 65.000. Die Behörde leitete fast 2000 Verwaltungsverfahren ein und schaltete rund 3900 Rufnummern ab. Zuerst hatte die "Neue Osnabrücker Zeitung" über die Zahlen berichtet.

In mehr als der Hälfte aller Fälle (55 Prozent) handelte es sich um Rufnummern-Spam. Darunter fallen beispielsweise unerwünschte SMS, die eine Antwort oder einen Rückruf provozieren sollen - häufig soll der Verbraucher über einen erotischen Inhalt animiert werden, ein Bild herunterzuladen oder einen Kontakt herzustellen, wie die Bundesnetzagentur auf ihrer Internetseite erklärt.

Auch telefonische Gewinnversprechen und sogenannte Ping-Anrufe fallen unter Telefon-Spam. Bei Ping-Anrufen wird der Anruf nach dem ersten Klingeln unterbrochen. Wenn der Angerufene die Nummer auf dem Display wählt, verbirgt sich dahinter häufig eine teure Servicenummer.

Verbraucherschützer rät: Widerruf einreichen

Die meisten unerwünschten Werbeanrufe kommen nach Angaben von Verbraucherschützern von Gewinnspielanbietern, Telefondienstleistern, Versicherungen und Energieversorgern. Verträge mit diesen Unternehmen können am Telefon weiterhin ohne eine schriftliche Bestätigung geschlossen werden; nur bei Glücksspiel-Abos muss der Angerufene laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen den Vertrag noch in Textform bestätigen.

Die Verbraucherzentrale NRW rät, telefonisch abgeschlossene Verträge sofort rückgängig zu machen. Wer eine "spontane Zusage" am Telefon bereue, sollte am besten innerhalb von 14 Tagen den Vertrag per E-Mail, Fax oder Brief widerrufen. Hat der Anbieter seinen neuen Kunden nicht korrekt über sein Widerrufsrecht belehrt, kann dem telefonisch zustande gekommenen Vertrag noch länger widersprochen werden, wie die Verbraucherschützer erklären.

Die Bundesregierung hatte im August 2009 die Regeln für Telefonwerbung verschärft und 2013 das Bußgeld drastisch erhöht: von maximal 50.000 Euro auf 300.000 Euro. Seitdem können auch für unerlaubte Werbeanrufe von Telefoncomputern und nicht mehr nur von Menschen Bußgelder verhängt werden. Dochtrotz der schärferen Vorschriften gibt es keinen kontinuierlichen Rückgang der Beschwerdefälle.

Rubriklistenbild: © dpa

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