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Air Berlin schreibt seit Jahren rote Zahlen. 2015 stand unter dem Strich ein Rekordverlust von fast 450 Millionen Euro. Foto: Kay Nietfeld

Kreise: Lufthansa und Etihad verhandeln über Air-Berlin

Air Berlin schreibt seit Jahren rote Zahlen. Nun kommt die Lufthansa ins Spiel. Kommt es zu einem Teilverkauf?

Frankfurt/Berlin/Abu Dhabi (dpa) - Die kriselnde Fluggesellschaft Air Berlin kann Insidern zufolge auf eine indirekte Rettung durch die Lufthansa hoffen.

Air Berlins Großaktionärin Etihad spricht demnach mit Europas größter Fluggesellschaft über den Verkauf wesentlicher Geschäftsteile der zweitgrößten deutschen Fluglinie.

Insider bestätigten der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch einen entsprechenden Bericht des "Handelsblatts". Rund 40 Flugzeuge samt Besatzung, die vor allem touristische Strecken abseits der Drehkreuze Düsseldorf und Berlin bedienen, könnten bei einer Einigung der Lufthansa-Billigmarke Eurowings zufallen.

An der Börse sorgten die Informationen für einige Bewegung: Für die Aktien von Air Berlin ging es bis zum Mittwochnachmittag um 26,17 Prozent auf knapp 73 Cent nach oben. Die Lufthansa-Aktie büßte 0,90 Prozent auf gut 11 Euro ein.

Bei Etihad halte man eine Einigung mit der Lufthansa für sehr wahrscheinlich, erfuhr dpa-AFX aus dem Umfeld des Unternehmens aus dem Emirat Abu Dhabi. Alle drei Fluggesellschaften lehnten inhaltliche Stellungnahmen zu dem Thema ab. Nach Informationen von dpa-AFX sitzen Air Berlin und ihr Chef Stefan Pichler bei den Gesprächen zwischen Etihad und Lufthansa bisher gar nicht mit am Tisch.

Air Berlin schreibt seit Jahren rote Zahlen. 2015 stand unter dem Strich ein Rekordverlust von fast 450 Millionen Euro. Die arabische Fluglinie Etihad, der gut 29 Prozent der Anteile gehören, schießt immer wieder Geld zu. Air Berlin hatte sich etwa durch die Übernahme des Ferienfliegers LTU hohe Personalkosten eingebrockt. Mehrere Sanierungsrunden konnten die Verluste nicht eindämmen. Die Flotte von rund 140 Jets ist geleast, eigene Maschinen besitzt Air Berlin nicht mehr.

Für Etihad ist der deutsche Ableger dennoch wichtig - als Zubringer für ihr Drehkreuz Abu Dhabi. Selbst dürfen die Araber nur wenige deutsche Flughäfen ansteuern. Die Strecken zu den Badezielen am Mittelmeer, auf denen Air Berlin etwa Kunden der Reiseveranstalter befördert, sind für Etihad weniger wichtig. Dennoch hatte Air Berlin bisher an dem Geschäft festgehalten.

Ein Teilverkauf könnte Air Berlin finanzielle Luft für eine Neuausrichtung verschaffen. Das "Handelsblatt" schreibt von einer geplanten Entscheidung bis Oktober. Mit nur noch rund 100 Flugzeugen könnte sich die Gesellschaft laut der Zeitung auf ihre Drehkreuze konzentrieren und als klassische Airline besser zum Premium-Anspruch von Etihad passen.

"Von allen denkbaren Möglichkeiten für Air Berlin ist diese die bessere", sagte Luftfahrtexperte Karl Born der Deutschen Presse-Agentur dpa und sprach von einer "Win-Win-Situation". Air Berlin könne nicht weitermachen wie bisher. Lufthansa-Chef Carsten Spohr müsse bei der bisher rund 90 Flugzeuge starken Eurowings vorankommen, um gegen Ryanair anzutreten.

Spohr hat Eurowings als Plattform angelegt, an der andere Fluggesellschaften auf verschiedene Weise andocken können. Der Kauf anderer Fluglinien ist dabei ebenso denkbar wie eine Kooperation oder ein sogenannter Wet-lease, bei der Eurowings Maschinen samt Besatzung von anderen Fluggesellschaften mietet.

Mögliche kartellrechtliche Bedenken sieht Luftfahrtexperte Born nicht als Hindernis für eine Übernahme. Laut "Handelsblatt" kommen Lufthansa und Air Berlin an einzelnen Flughäfen wie Hamburg zusammen zwar auf einen Marktanteil von fast 70 Prozent. Laut Born sind die Passagiere jedoch meist nicht auf einen Flughafen festgelegt. "Sie bewegen sich beim Abflughafen schon für ein paar Euro."

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