Krisenfeste Beziehung gesucht: Banken nach der Börsenmisere

- München - Als die Aktien des Neuen Marktes in die Höhe schossen, hielten die Kunden konservativen Vermögensverwaltern die Traumrenditen der schnellen Geldmacher unter die Nase. Mittlerweile hat sich der Wind gedreht. Die langfristige Strategie zählt wieder. Das gilt auch für die Banken, die im Umgang mit den Kunden auf feste Beziehungen setzen.

<P>"Gewachsene Kundenbeziehungen halten es aus, wenn es ein halbes Jahr lang schlechter läuft als im Dax", sagte Jürgen Dorn, Leiter des "Private Banking" der Dresdner Bank in München, unserer Zeitung. Man setzt beim Private-Banking der Dresdner - neben dem Münchner Bankhaus Reuschel der Verwalter größerer Vermögen im Allianz-Verbund - auf langfristige Bindung. Das bestätigt auch Rainer Neske, der in der Konzernleitung der Deutschen Bank für das Privat- und Geschäftskunden-Geschäft zuständig ist: "Die Beratung steht wieder im Vordergrund. Es geht verstärkt um langfristig orientierte Fragen."</P><P>Das zahlt sich auch für die Geldhäuser aus. Die Deutsche Bank setzt auf die Formel: Alles aus einer Hand. Der Kunde soll für seine Bedürfnisse die passenden Angebote erhalten - seien es Bausparverträge, Immobilienfinanzierungen oder Investmentfonds, die dann auch von konzernfremden Gesellschaften stammen können. Ob der Kunde zu den Vermögenden zählt oder nicht, soll dabei keine Rolle spielen.</P><P>Auch Dorn von der Dresdner Bank sieht als Zielgruppe nicht nur große Vermögen (nach einer Faustformel ab 1,5 Millionen Euro). Er baut auch auf die Perspektiven junger Aufsteiger, die einmal zu den Reichen gehören könnten (Einkommen ab 200 000 Euro). Dabei will die Bank niemanden ausschließen. "Es geht um komplexe Vermögensverhältnisse und Menschen, die beruflich zu stark engagiert sind um sich selbst um diese Dinge zu kümmern", sagt Dorn. Es komme darauf an, wie viel der Kunde zahlen wolle. "Discount wäre natürlich billiger", sagt er. Dafür kommt der Betreuer ins Haus - und dies in ganz Südbayern.</P><P>Was ist nun das Erfolgsrezept, das Dorns Truppe die schrecklichen drei letzten Börsenjahre überstehen ließ? "Auch wir haben uns ein blaues Auge geholt", gibt der Banker zu. "Aber nicht zwei tiefblaue am Neuen Markt." Davon hat Dorn weitestgehend die Finger gelassen und empfiehlt Vorsicht auch für die Zukunft: Unternehmen müssen ein nachhaltiges Geschäftsmodell haben, bevor sie damit rechnen können, dass Dorn seinen Kunden die Anteile zum Kauf empfiehlt.</P><P>Dabei hält der Vermögensverwalter nichts von Benchmarks (die Indizes - etwa den Dax -, an denen sich Fondsmanager messen müssen). "Wer sich daran orientiert, muss immer investiert sein". Und genau das hält Dorn für das Falsche: Wenn ein Markt heiß läuft, bereiten konservative Vermögensverwalter den Ausstieg vor. "Man muss dann frühzeitig sagen, das ist nicht unser Markt."<BR>Doch die Risikominimierung beginnt bereits vorher. Zu Dorns Strategie gehört ohnehin ein breiter Anteil konservativer Anlagen. </P><P>Doch auch das Gegenteil gehört ins Depot. So begrüßt Dorn die erweiterte Zulassung von Hedgefonds in Deutschland. Allerdings setzt er solche Instrumente nicht zur schnellen Geldvermehrung ein und auch nicht zum Parken des Geldes, sondern zur Stabilisierung des jeweiligen Depots. Vier Jahre Anlagezeitraum müssen vorhanden sein. Mehr als 5 % der liquiden Mittel würde er nicht dafür einsetzen.</P><P>Für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte, ist Dorn "nicht superoptimistisch". Doch registriert er, dass das Vertrauen der Anleger allmählich zurückkehrt. "Viele haben die schlechten Nachrichten satt." Deshalb sieht er auch die vorgezogene Steuerreform überwiegend positiv. "Wenn sie nicht zerredet wird, kann sie den für eine Belebung nötigen Kick geben."<BR></P>

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