BMW-Chef Harald Krüger bei der Bilanzpressekonferenz in München. Foto: Andreas Gebert
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BMW-Chef Harald Krüger bei der Bilanzpressekonferenz in München.

Zukunftsstrategie vorgestellt

Krüger will BMW schrittweise weiterentwickeln

München - Die Revolution bleibt aus. BMW-Chef Harald Krüger stellt eine neue Strategie für den Münchner Autobauer vor, ohne dabei viel Neues zu sagen. Trotzdem wird klar: Der Konzern wandelt sich.

Folgt man dem Klischee, galt BMW lange als Marke für Raser- und Drängler-Autos mit eingebauter Vorfahrt. An der Ampel wird gern mal mit dem Gas gespielt, auf der Autobahn rechts überholt. Freude am Fahren - bis zur nächsten Tankstelle. Doch was BMW-Chef Harald Krüger in der neuen Strategie für den Konzern formuliert, klingt über weite Strecken ganz anders.

BMW will weiter auf den Ausbau der viel kritisierten Elektro-Modellreihe BMW-i setzen, das Geschäft mit Dienstleistungen wie Carsharing soll ausgebaut werden, ein Konzept für Mitfahrgelegenheiten könnte hinzukommen, die Münchner wollen mehr Geld in selbstfahrende Autos investieren. Statt Freude am Fahren: Freude am Gefahren werden.

Für Krüger ist die neue Strategie die erste große Bewährungsprobe. Im Mai 2015 trat er in die großen Fußstapfen von Norbert Reithofer. Mit seiner neuen Strategie schiebt er nun keine Revolution an, sie ist kein ganz großer Wurf. Wer die Entwicklung von BMW in den vergangenen Jahren verfolgt hat, dem dürfte fast alles sehr bekannt vorkommen. „Die Strategie ist nicht sehr überraschend“, sagt auch Commerzbank-Autoexperte Sascha Gommel.

Dennoch ist es ein schwieriger Spagat, den der BMW-Chef fordert. Denn die Entwicklung des Autos der Zukunft will bezahlt werden - und das soll dem Konzern mit dem klassischen Geschäft gelingen. Das Angebot von teuren Oberklasse-Wagen und sportlichen PS-Maschinen soll noch weiter ausgebaut werden, parallel zur Aufrüstung der Elektro-Flotte. „Bei einem Technikschwenk muss man natürlich das alte Geschäftsmodell weiter melken“, sagt Nord-LB-Analyst Frank Schwope. Neue Hersteller wie Tesla konzentrierten sich zwar allein auf E-Autos, „aber sie verdienen damit derzeit auch kein Geld“, ergänzt der Experte.

Für die Zweigleisigkeit muss der Münchner Autobauer aber auch erst einmal viel Geld in die Hand nehmen. Als Krügers Vorgänger, der heutige Aufsichtsratschef Reithofer, 2007 die erste Strategie „Number One“ vorstellte, wollte er den Autobauer mit ehrgeizigen Zielen auf Effizienz trimmen.

Neues i-Modell von BMW ab 2020

Krüger will hier mit der neuen Strategie „Number One > Next“ nicht mehr versprechen. Die angepeilten Rendite-Marken schafft BMW schon heute. Er bereitet den Konzern vielmehr auf eine längere Warmlaufphase vor. Ein neues i-Modell ab 2020, ein neues Modell für die Luxusklasse, ein Projekt mit mehr Investitionen ins autonome Fahren. BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner schließt nicht aus, dass die Kosten für Forschung, Entwicklung und andere Investitionen in einzelnen Jahren auch mal höher liegen als angepeilt.

Das dürfte auch an der „Mehrgleisigkeit“ liegen, Beispiel Antrieb. Die Branche beschäftigt schon länger die Frage, ob sich bei den alternativen Antrieben die Brennstoffzelle oder die Batterie durchsetzen wird. Krüger will sich nicht festlegen. Das Unternehmen gehe davon aus, „dass künftig verschiedene alternative Antriebsformen nebeneinander existieren werden“, sagt er. Auch der Verbrennungsmotor, also auch der Diesel, werde „noch auf Jahre hinaus eine signifikante Rolle einnehmen“, heißt es in der Strategie.

BMW tanzt also auf vielen Hochzeiten - das kostet Geld. Commerzbank-Experte Gommel bewertet es deshalb als positiv, dass BMW trotzdem an seinem Ziel für die operative Rendite von 8 bis 10 Prozent in der Autosparte festhält.

Eigentlich bedeutet das „Number One“ in der BMW-Strategie aber auch, dass der Konzern in der Oberklasse überall die Nummer 1 sein will. Bei der Rendite ist den Münchnern das im vergangenen Jahr nicht gelungen. Konkurrent Daimler behielt 9,5 Prozent vom Umsatz als operativen Gewinn übrig und ließ BMW mit 9,2 Prozent hinter sich.

Und auch beim Absatz will BMW die Nase vorn behalten - in den ersten beiden Monaten fährt Mercedes aber voraus. Krüger gibt sich aber noch nicht mit Platz zwei zufrieden: „Abgerechnet für 2016 wird am Ende des Jahres.“

BMW-Chef Krüger bekommt hohes Einstiegsgehalt

Stattliches Gehalt für BMW-Chef Harald Krüger: Der 50 Jahre alte Manager profitiert vom Rekordjahr des Autobauers und erhält für 2015 gut 6,2 Millionen Euro an Bezügen. Im vergangenen Jahr hatte er als Produktionschef noch rund zwei Millionen Euro weniger bezogen, wie aus dem am Mittwoch vorgestellten Geschäftsbericht hervorgeht. Krüger steht seit Mai vergangenen Jahres an der Spitze des Dax-Konzerns.

Sein Vorgänger Norbert Reithofer hatte sich zuvor mit einem Rekordgehalt für 2014 verabschiedet. Für sein letztes volles Jahr als BMW-Chef bekam der Manager gut 7,2 Millionen Euro. Für 2007, sein erstes komplettes Jahr an der BMW-Spitze, hatte Reithofer Bezüge in Höhe von knapp 3,8 Millionen Euro erhalten.

dpa

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