Ein Händler geht über das Parkett in der Börse in Frankfurt am Main und spiegelt sich dabei in einem Logo des Deutschen Aktienindexes (DAX). Foto: Fredrik von Erichsen
+
Ein Händler geht über das Parkett in der Börse in Frankfurt am Main und spiegelt sich dabei in einem Logo des Deutschen Aktienindexes (DAX).

Sorge um chinesische Wirtschaft

Kurseinbruch in Asien verdirbt Dax den Jahresauftakt

Frankfurt/Main - Mit diesem Jahresbeginn an der Börse hatten wohl selbst Pessimisten nicht gerechnet: Der Dax fällt um mehr als 4 Prozent. Schuld ist China.

Wegen neuer Sorgen um China steuert der Dax auf den schlechtesten Jahresstart seit mehr als 25 Jahren zu. Der deutsche Leitindex weitete am Montagnachmittag seine Kursverluste aus und sackte zuletzt um 4,11 Prozent auf 10 301,51 Punkte ab. Zeitweise war er sogar um bis zu viereinhalb Prozent eingebrochen.

„Wachstumssorgen in China und damit Absatzsorgen für deutsche Exporteure drücken die Stimmung am ersten Handelstag nach Neujahr gleich mal in den Keller“, schrieb Marktexperte Daniel Saurenz vom Analysedienst Feingold Research.

Vorausgegangen waren heftige Kursverluste in Asien, nachdem durchwachsene chinesische Industriedaten erneut Befürchtungen um die Wirtschaft geschürt hatten. Chinas Festlandbörsen fielen um 7 Prozent, bevor der Handel für den restlichen Tag ausgesetzt wurde. In der Folge wird auch die tonangebende Wall Street deutlich im Minus erwartet.

Für den Mittelwerteindex MDax ging es zuletzt um 2,61 Prozent auf 20 232,23 Zähler nach unten, und der Technologiewerte-Index TecDax büßte 2,41 Prozent auf 1786,53 Punkte ein. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rutschte um 2,92 Prozent ab.

Die recht positiven Daten zur Industriestimmung in der Eurozone konnten den Abwärtstrend ebenso wenig stoppen wie die überraschende Abschwächung der Jahresinflationsrate in Deutschland. Zudem drückte der eskalierende Streit zwischen Saudi-Arabien und dem Iran auf die Stimmung der Anleger. Beides sind wichtige Ölförderländer.

Manchem Investor dämmere zudem, dass bei dauerhaft niedrigen Ölpreisen und zudem Verwerfungen in den Staatshaushalten in Saudi-Arabien und anderen Ländern Vermögenswerte wie Aktien liquidiert werden könnten oder zumindest weniger Geld für neue Engagements zur Verfügung stehe, führte Marktexperte Saurenz aus.

Die ungünstige Mischung dürfte für den schlechtesten Jahresstart im Dax seit mehr als einem Vierteljahrhundert sorgen. Ansatzweise so schlecht hatte das Jahr 2000 begonnen, als der Dax an seinem ersten Handelstag bis zum Börsenschluss um 2,98 Prozent nachgab.

Im Dax stemmten sich einzig die Papiere der Lufthansa gegen den Abwärtstrend und legten leicht um 0,14 Prozent auf 14,585 Euro zu. Die Airline hatte zuvor bekanntgegeben, dass sie 2016 mehr als 4000 neue Mitarbeiter einstellen will, vor allem bei der Billigtochter Eurowings. Einem Börsianer zufolge zeigt dies die Zuversicht der Airline.

Zu den größten Dax-Verlierern mit Abschlägen von je mehr als 4 Prozent gehörten die Autowerte, für die China ein wichtiger Markt ist. Daimler-Papiere etwa büßten 4,40 Prozent ein. Hier konnte selbst die Aussicht auf eine höhere Dividende an die Aktionäre des Stuttgarter Herstellers nicht stützen.

Am deutschen Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 0,49 Prozent am vergangenen Mittwoch auf 0,46 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,17 Prozent auf 139,76 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,53 Prozent auf 158,83 Punkte. Der Kurs des Euro stieg: Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,0898 (Donnerstag: 1,0887) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9176 (0,9185) Euro.

Kurse der Deutschen Börse

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Forscher: Beim Brexit verlieren alle, besonders die Briten

Den Warnungen vor hohen Kosten zum Trotz haben die Briten für den EU-Austritt ihres Landes gestimmt. Ökonomen wiederholen nun ihre düsteren Prognosen: Die …
Forscher: Beim Brexit verlieren alle, besonders die Briten

Interview zum Brexit: Anleger sollten jetzt Ruhe bewahren

München - Es ist nur logisch, dass Anleger nach dem Brexit verunsichert sind. Wir fragen die unabhängige Finanzberaterin Stefanie Kühn im Interview, wie sich …
Interview zum Brexit: Anleger sollten jetzt Ruhe bewahren

Brexit könnte den Briten 300 Milliarden Euro kosten

Gütersloh - Der EU-Austritt wird die Wirtschaft der Briten schmerzhaft treffen, glauben Experten. Aber auch Deutschland muss mit hohen Verlusten rechnen.
Brexit könnte den Briten 300 Milliarden Euro kosten

Rekordtief beim Milchpreis: Bauern fordern Nothilfe

Berlin - Ein Liter Milch für unter 20 Cent: Solche Tiefstpreise lassen deutsche Milchbauern um ihre Existenz bangen. Sie fordern schnelle Nothilfe.
Rekordtief beim Milchpreis: Bauern fordern Nothilfe

Kommentare