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Angetreten zum Rückkauf: Martina Altenburger war gestern eine der ersten, die Wurst von Sieber zurückgab. „Sicherheit geht vor“, sagte sie zu den Pressevertretern.

Listerien-Skandal

Sieber: Jetzt ermittelt der Staatsanwalt

Geretsried - Der Staatsanwalt hat gesprochen. Es wird nun offiziell gegen einen Verantwortlichen der Firma Sieber in Geretsried ermittelt. Am Mittwoch konnten Kunden außerdem ihre Produkte zurückgeben.

Martina Altenburger von der Pfarrei Maria Hilf in Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) war eine der ersten. Fünf Packungen Wiener und eine Packung Weißwürste gab sie zurück – Reste der Fronleichnamsfeier, für die sich die Pfarrei beim Werksverkauf der Fleischfirma Sieber eingedeckt hatte. Produkte von Sieber könnten nun aber mit Listerien verseucht sein – so der Verdacht, der seit dem vergangenen Wochenende bekannt ist. Sieber muss sämtliche Produkte zurücknehmen, daher öffnete das Unternehmen gestern wieder seinen Werksverkauf für die Rückgabe. Zunächst kamen nur vereinzelt Kunden, darunter Martina Altenburger. „Tut mir leid, aber Sicherheit geht vor“, sagte sie – und erhielt 42 Euro.

Für die Firma war die Rücknahme von Produkten, die Privatkunden in dem kleinen Laden vor dem Betriebsgelände gekauft hatten, gestern indes eher eine Randerscheinung. Schwerer wiegt wahrscheinlich, dass die Staatsanwaltschaft München II nun offiziell ein Ermittlungsverfahren gegen den Verantwortlichen der Firma Sieber eingeleitet hat. Sie nannte keinen Namen, aber nach Lage der Dinge kann es sich nur um den Inhaber Dietmar Schach (51) handeln. Er stehe im Verdacht, gegen das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetz verstoßen zu haben, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. In dem Gesetz sind lebensmittelrechtliche Bestimmungen enthalten. Grundlage der Ermittlungen ist der Fund von Listerien in dem Sieber-Produkt „Original Bayerisches Wacholderwammerl“ am 16. März im Nürnberger Land. Der hier gefundene Bakterien-Feintypus ist derselbe wie der, der seit 2012 bei acht Toten und bis zu 80 schwer Erkrankten gefunden wurde.

Verbraucherzentrale rügt Informationspolitik des Unternehmens

Die Verbraucherzentrale Bayern rügte gestern das Vorgehen bei der Rückrufaktion von Sieber-Produkte als mangelhaft. Die Informationen auf dem offiziellen Portal lebensmittelwarnung.de seien wenig hilfreich, weil die Produktliste – die von Sieber stammt – zahlreiche Abkürzungen enthalte. Auch Abbildungen fehlten. „Nicht erkennbar ist, welche Händler betroffene Waren offen an der Wursttheke verkauft haben und an welche Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung geliefert wurde“, sagte Marion Breithaupt-Endres, Vorstand der Verbraucherzentrale. Außerdem fehle der Hinweis auf das Identitätskennzeichen der Firma Sieber, das auf jeder Verpackung aufgedruckt sein müsste: BY für Bayern und die Nummer 10751. Breithaupt-Endres rüffelt auch Sieber für den Hinweis, die Produkte einfach wegzuschmeißen. Richtig sei es dagegen, mit der Verpackung direkt ins Geschäft zu gehen und den Kaufpreis zurückzuverlangen.

Sieber will gegen Rückrufaktion klagen

An der Berechtigung der Rückrufaktion an sich lassen die Verbraucherschützer keinen Zweifel, obwohl Sieber dagegen rechtlich vorgehen will. Das Landratsamt Bad Tölz rechtfertigte gestern diese Anordnung. Nach dem Fund von März seien zunächst die Schneide- und Verpackungsprozesse in andere Räume verlagert und danach regelmäßig Proben gezogen worden. Erst gab es keine weiteren Auffälligkeiten, doch am vergangenen Freitag konnten bei einer sieben Tage zuvor gezogenen Probe dann doch Listerien in fünf Produkten – unter anderem Regensburger sowie Gelbwurst mit Petersilie – nachgewiesen werden. Die „Kontaminationsquelle“ sei wohl die gleiche wie beim März-Fund, konnte jedoch noch nicht gefunden werden.

Offenbar steht die Existenz der Firma auf dem Spiel. Sieber-Inhaber Schach versuche, Geldgeber zu finden, erklärte Pressesprecher Erich Jeske. Die Zeit sei knapp. „Bis Freitag sollten wir Ergebnisse haben.“ Jeder Tag bringe 100.000 Euro Verlust.

Volker Ufertinger

Volker Ufertinger

E-Mail:volker.ufertinger@isar-loisachbote.de

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