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Am Freitag endet der Rekordstreik der Lufthansa-Flugbegleiter.

Rekordstreik

Lufthansa: Wenig Hoffnung, zerstörtes Vertrauen - bittere Streikbilanz

Frankfurt/Main - Am Freitag endet nach sieben Tagen der Rekordstreik der Lufthansa-Flugbegleiter. Von einer Annäherung ist nichts zu spüren. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Der bislang längste und härteste Streik in der Geschichte der Lufthansa hat Wunden hinterlassen. „Bitter“ falle seine Bilanz aus, sagt der Chef der dafür verantwortlichen Gewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies. Das Unternehmen muss nach 13 Pilotenstreiks weitere streikbedingte Millionenverluste verkraften und eventuell schon im Advent mit weiteren Aktionen rechnen. Eine Lösung des Tarifkonflikts scheint weiter entfernt denn je.

Enttäuschte Fluggäste 

Noch nie hat die Lufthansa so viele Passagiere enttäuschen müssen. Mehr als eine halbe Million Gäste konnten nicht die von ihnen gebuchten Verbindungen nutzen, sondern wurden im besten Fall noch auf eine andere Gesellschaft umgebucht. Einige Unglückliche strandeten im Transitbereich des Frankfurter Flughafens und mussten auf Feldbetten übernachten, während sie auf ihren Weiterflug warteten. Zur persönlichen Enttäuschung Hunderttausender kommt noch der kaum kalkulierbare Imageverlust. Zuverlässigkeit und Sicherheit gehören zum Markenkern der Lufthansa. 

Hoher Schaden

Die Lufthansa hat ihren finanziellen Schaden zwar noch nicht beziffert, in ersten Schätzungen gegenüber der „Bild-Zeitung“ sprach Personalchefin Bettina Volkens zwei Tage vor Streikende aber von einem „deutlich zweistelligen Millionenbetrag“. Es kann noch deutlich mehr werden, denn Analysten rechnen über den Daumen mit 20 Millionen Euro Schaden pro Streiktag. Macht bei sieben Tagen an die 150 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die 13 Streikrunden der Piloten mit einem dreitägigen Auftakt im April 2014 belasteten den operativen Gewinn des Konzerns nach Lufthansa-Angaben mit 350 Millionen Euro.

Für die Gewerkschaft Ufo halten sich die finanziellen Folgen des Arbeitskampfes trotz einer hohen Beteiligungsquote in Grenzen, sagt ihr Chef Baublies. Erfahrungsgemäß beantrage nur ein kleiner Teil der Streikenden hinterher tatsächlich Streikgeld, das laut Satzung eigentlich erst ab dem dritten Tag gezahlt werden müsse. Dass Ufo bereits ab dem ersten Tag die Streikenden und besonders auch Härtefälle unterstütze, belege die gute finanzielle Ausstattung der Gewerkschaft. Auch für kommende Arbeitskämpfe sei man gut gerüstet. Die Flugbegleiter hätten wie erhofft zusammengestanden, so dass 93 Prozent der bestreikbaren Flüge ausgefallen seien. Allerdings meldeten sich auch viele krank. Laut Lufthansa waren am ersten Streiktag allein in Frankfurt rekordverdächtige 1420 Flugbegleiter krank gemeldet, nur 108 hätten sich offiziell zum Streik bekannt.

Keine Annäherung

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat mitten im Arbeitskampf seinen harten Sparkurs bekräftigt. Dieser sei notwendig, um Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Konzerns auch künftig bezahlen zu können. Lufthansa wolle sein hervorragendes Personal weiterhin besser entlohnen als die Konkurrenz, könne sich aber das bisherige Niveau der Absicherung nicht mehr leisten. Der Ausbau der strikt auf billig getrimmten Tochter Eurowings wird weiter vorangetrieben.

Auf der anderen Seite beharrt die Gewerkschaft darauf, die vergleichsweise hohen Übergangs- und Betriebsrenten der Lufthansa-Flugbegleiter auch für künftige Generationen abzusichern. Daneben gibt es eine Vielzahl von Themen aus der gescheiterten „Agenda Kabine“. So will Ufo beispielsweise erreichen, dass Flugbegleiter der neuen Billigtöchter innerhalb des gesamten Konzerns wechseln dürfen. Über solche Fragen will Lufthansa eigentlich nicht mehr verhandeln.

Zerstörtes Vertrauen 

Während des Streiks scheiterten alle Versuche, sich gemeinsam wieder an den Verhandlungstisch zu setzen. Selbst auf eine Schlichtung konnten sich die Kontrahenten nicht einigen, weil man über unterschiedliche Dinge sprechen wollte. Von der jeweils anderen Seite wurde verlangt, vorab den eigenen Katalog zu akzeptieren. Zu dem von Lufthansa verlangten Streikabbruch kam es nicht, auch nicht über die arbeitsrechtliche Schiene vor den Gerichten. Zum Renten-Thema ist allerdings auch schon vorher eine Schlichtung gescheitert.

Wenig Hoffnung

Auf die Frage, wie es weitergehen soll, haben beide Seiten keine befriedigende Antwort. Die Lage der Lufthansa-Kerngesellschaft habe sich wegen des angerichteten Schadens sogar verschlechtert, sagt Unternehmenssprecher Andreas Bartels, denn schließlich müssten dort die im Streik entstandenen Verluste auch wieder kompensiert werden. „Wenn es bei der Sprachlosigkeit bleibt, können wir nichts ausschließen“, sagt Baublies mit Blick auf mögliche weitere Streiks.

Nach außen werden die Reihen geschlossen: Spohr verspricht den Aktionären und Analysten, die unnachgiebige Linie beizubehalten. Ufo sucht den Kontakt und die Abstimmung mit den Gewerkschaften der Piloten und des Bodenpersonals. In einem gemeinsam organisierten Streik könnten Ufo, VC und Verdi dem Unternehmen noch weit größeren Schaden zufügen. Von einer gemeinsamen Strategie bei den Rentenproblemen sind sie aber noch weit entfernt.

dpa

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