Malta lockt ausländische Hersteller

- Malta - Fast jedes Kind kennt die kleinen Plastikfiguren von Playmobil. Seit etwa 30 Jahren lässt die Zirndorfer Firma Geobra Ritter, Cowboys und Indianer auf Malta herstellen. Mit 700 Mitarbeitern ist das bayerische Unternehmen einer der größten Arbeitgeber und der größte deutsche Investor auf der Mittelmeerinsel.

<P>Rund 200 ausländische Firmen lassen auf dem 316 Quadratkilometer großen Eiland fertigen, 55 davon aus Deutschland. Darunter sind Siltronic, Lloyd Schuhe oder Mc Neal Schulranzen. Wurde der Standort Malta früher vorwiegend als verlängerte Werkbank zur Lohnveredelung genutzt, zieht es heute vermehrt Unternehmen der Hochtechnologie und pharmazeutischen Industrie dorthin. </P><P>Die lohnintensive Textilbranche, die einst aus Deutschland auch nach Malta auswich, ist größtenteils weitergezogen. Loden-Frey ließ einmal bayerische Gewänder und Bogner Skianzüge auf der Insel, die keinen Schnee kennt, nähen. Auch Rodenstock verlagerte einen Teil seiner Brillen-Fertigung nach Malta. Mittlerweile ist die Münchner Firma längst in das noch weit günstigere Ostasien umgezogen. Und auch W.E.T. aus Odelzhausen produziert Teile seiner Autoheizungen nicht mehr auf Malta, sondern in China. </P><P>Bis zum Eintritt in die Europäische Union am 1. Mai diesen Jahres konnte Malta ausländische Firmen mit großzügigen Vergünstigungen locken. "Damit ist es vorerst vorbei", sagte Birgit Bosch, Marketing-Leiterin der Firma Vontaine in Malta.</P><P>Eine zehnjährige Steuerfreiheit, bezugsfertige Fabrikgebäude und subventionierte Mieten seien nicht mit EU-Recht vereinbar. Das und ein weiterer Standortnachteil - alles muss als Rohmaterial nach Malta geschafft werden - habe einige Firmen dazu bewogen, ihre Produktion in andere, noch günstigere Länder abzuziehen. </P><P>Für eine Fertigung auf der Insel sprechen laut Georg Merten, deutscher Botschafter in der Hauptstadt Valletta, die immer noch verhältnismäßig niedrigen Löhne und die zuverlässigen Arbeitskräfte. Zudem spricht jedermann Englisch auf der Insel. Der Mindestlohn beträgt etwa 520 Euro im Monat, der durchschnittliche Jahres-Bruttolohn betrug 2003 nach Auskunft des Auswärtigen Amtes 11 400 Euro. Deutschland ist für Malta das viertwichtigste Ausfuhrland: Waren im Wert von 254,4 Millionen Euro exportierten die Insulaner vergangenes Jahr in die Bundesrepublik. Für 288 Millionen Euro kauften sie in Deutschland ein. Mehr gaben sie nur noch in Italien, Frankreich und Großbritannien aus.</P><P><BR>Aufgrund des im Vergleich mit osteuropäischen EU-Beitrittsländern hohen Standards fielen die EU-Strukturhilfen nicht so üppig aus, wie von den Maltesern erhofft, so Merten. Für drei Jahre seien 120 Millionen Euro vorgesehen. Italien schießt dem Nachbarland für die Jahre 2004 bis 2006 75 Millionen Euro für den Straßenbau zu. Die Malteser bemühen sich verstärkt, Hochtechnologie auf die Insel zu bekommen. Die Investitionsförderungsgesellschaft Maltaenterprise unterhält Büros in München und Stuttgart. </P><P>"Am besten seien ,high value- und ,low volume-Industrien", sagt Bosch - Branchen mit hoher Wertschöpfung und geringem Transportvolumen. So etwa wie das hochpreisige, aber leichte und damit günstig zu transportierende Plastikspielzeug von Playmobil.</P>

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