MAN: Mehrarbeit bei Lohnverzicht soll Stellen in Deutschland retten

- München - Ein Lkw-Werk in Osteuropa wird gebaut. Unklar ist, ob in Polen, Ungarn, Rumänien oder der Slowakei. Weniger Gutes kann MAN für seine deutschen Mitarbeiter verkünden. Länger arbeiten bei Verzicht auf Lohnzuwachs, ist die Botschaft.

<P>"Man muss in Deutschland einige Stunden mehr arbeiten fürs gleiche Geld", sagte Konzernchef Håkan Samuelsson bei der Vorstellung der neuen kleinen Lkw-Reihe des Konzerns. 20 Prozent Kostennachteil gegenüber Schweden seien auszugleichen. Anton Weinmann, Chef von MAN Nutzfahrzeuge, rechnet knallhart: 31 Euro Lohnkosten in Deutschland pro Stunde stünden 5 Euro in Polen gegenüber.<BR><BR>Langfristig keine gute Perspektive. Es ist nicht sicher, ob Jobs durch Verzicht langfristig gerettet werden können. Bei Reisebussen sieht es düster aus. In einem Fahrzeug stecken 1000 Arbeitsstunden bei der Montage, rechnet Georg Pachta-Reyhofen, Technik-Vorstand von MAN Nutzfahrzeuge. Kundenwunsch geschweißte Karosserien und Ausstattungen, die von Fahrzeug zu Fahrzeug variieren, machen hohen Personaleinsatz nötig. Dies sei in der Türkei ohne Qualitätsverzicht weit billiger möglich.<BR><BR>Bei der Lkw-Montage sieht es anders aus: Der Personalaufwand ist hier drastisch niedriger. So werden schwere Lkw weiterhin in München gebaut. Die neuen leichteren Lkw kommen wie bisher die Vorgänger aus Steyr (Österreich). An diesen Standorten sollen aber die Kosten runter.<BR><BR>Bei der Produktion der aufwändigen Technik stehen Verlagerungen nicht zur Diskussion. Motoren, Achsen und Fahrerhäuser werden trotz hoher Löhne in Deutschland gefertigt. Doch die Hallen, in denen dies geschieht, sind fast menschenleer. Nur wenige Mitarbeiter kontrollieren Roboter.<BR><BR>Neben enormen Materialaufwand ist der Maschinenpark in der Produktion ein entscheidender Kostenfaktor. Möglicherweise führt dies zu einer Lösung, die Jobs und Löhne halbwegs retten könnte. "Wichtig ist, dass die Maschinen laufen dürfen", sagt Weinmann. Zwar sagen die Chefs zu Details nichts, doch könnte das eine Verhandlungslinie gegenüber der Belegschaft sein: Entgegenkommen bei Löhnen und Arbeitszeit, wenn flexiblere Arbeitszeitmodelle höhere Maschinenlaufzeiten ermöglichen.<BR><BR>Den Gewerkschaften dürfte Verzicht schwer zu vermitteln sein. Zu gut laufen die Geschäfte. Der Auftragseingang im ersten Quartal ist vor allem dank eines britischen Militärauftrags von 18 118 auf 23 487 Fahrzeuge gestiegen. Der Absatz kletterte von 13 381 auf 15 384 Lkw und Busse. "Wir wollen deutlich unser Ergebnis steigern", sagt Weinmann - vor Steuern und Zinsen wird 2005 ein Plus von rund 100 Millionen Euro über die 342 Millionen (2004) erwartet.<BR><BR>Dazu soll auch die neue "kleine" Lkw-Reihe TGL beitragen, die Modelle zwischen 7,5 und 12 Tonnen und Motorleistungen von 150 bis 240 PS in unterschiedlichen Varianten bietet. Verwendung von gleichen Teilen soll die Kosten drücken. Bis zu 250 Kilo höhere Zuladung durch Leichtbauweise und Wartungsfreundlichkeit (Ölwechsel alle 80 000 Kilometer), sollen dafür sorgen, dass auch höhere Preise durchsetzbar sind.<BR><BR>Allerdings setzt der Markt dem Preisspielraum Grenzen. Für eine Sattelzugmaschine, die in Deutschland zwischen 75 000 und 80 000 Euro kostet, bekommt man nach MAN-Angaben in Osteuropa drei Prozent, in Frankreich sogar fünf Prozent weniger. Im Mittleren Osten beträgt der Preisabschlag zehn, in Südamerika sogar 20 Prozent. In China gibt es ein neues - wenngleich sehr viel einfacher ausgestattetes - Modell aus heimischer Produktion bereits umgerechnet für 17 000 bis 18 000 Euro.<BR><BR></P>

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