Ein Drittel der Abgänger mit mittlerem Schulabschluss und ausländischen Wurzeln findet keine Lehrstelle. Foto: Martin Schutt
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Ein Drittel der Abgänger mit mittlerem Schulabschluss und ausländischen Wurzeln findet keine Lehrstelle. Foto: Martin Schutt

Viele Betriebe hatten noch nie Azubi mit ausländischen Wurzeln

Gütersloh/Nürnberg (dpa) - In vielen deutschen Unternehmen stoßen Bewerber mit ausländischen Wurzeln bei der Lehrstellensuche auf Vorbehalte.

In einer Befragung der Bertelsmann-Stiftung gaben 58,9 Prozent der aktiven Ausbildungsbetriebe an, noch nie einem Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine Lehrstelle gegeben zu haben. Angesichts von Fachkräftemangel werde hier Potenzial verschenkt, kritisieren die Autoren der Studie.

Als Grund nannten 74,8 Prozent der Unternehmen ohne entsprechende Erfahrung fehlende Bewerbungen dieser Jugendlichen. Diese Aussage halten die Studienautoren jedoch für wenig plausibel. Jeder vierte Jugendliche in Deutschland habe einen Migrationshintergrund. Gerade diese Klientel bewerbe sich anderen Erhebungen zufolge bei vielen Betrieben. Ein Drittel der Abgänger mit mittlerem Schulabschluss und ausländischen Wurzeln finde keine Lehrstelle.

Bei 38 Prozent der Unternehmen spielt die Sorge vor Sprachbarrieren eine Rolle. 14,7 Prozent fürchten, kulturelle Unterschiede seien zu groß und könnten das Betriebsklima belasten. Fast genauso viele sahen ihren Betrieb auf solche Unterschiede nicht vorbereitet. Schlechtere Leistungen der Bewerber befürchten dagegen nur 9,1 Prozent.

"Wer einen mittleren Schulabschluss hat, dürfte in der Regel keine großen Sprachprobleme mitbringen", sagte Claudia Burkard von der Bertelsmann-Stiftung. Die Autoren der Studie sehen es daher als wesentlich für gelingende Integration und Fachkräftesicherung an, diesen jungen Menschen den Zugang zu Ausbildung zu erleichtern.

Die repräsentative Umfrage unter rund 1000 Unternehmen ergab auch, dass Azubis mit Migrationshintergrund für eine große Zahl der 450 000 Ausbildungsbetriebe in Deutschland längst Normalität geworden sind. 41,1 Prozent der Betriebe haben in den vergangenen fünf Jahren Erfahrungen mit Lehrlingen mit ausländischen Wurzeln gemacht. Aktuell bilden 15 Prozent Jugendliche mit Migrationshintergrund aus.

Unterdessen zeigt eine weitere Studie, dass die Berufsausbildung junger Flüchtlinge trotz verbesserter Gesetze immer noch an Hürden in vielen Behörden scheitert. Auch herrsche etwa bei Arbeitsagenturen oft Unkenntnis darüber, dass geduldete junge Flüchtlinge seit 2009 unter erleichterten Bedingungen eine Lehre beginnen könnten. Dabei seien unter ihnen viele junge Leute, die als ausgebildete Fachkräfte gute Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt hätten, erklärte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Zwischen 2009 und Juni 2013 hätten bei den Arbeitsagenturen nur einige hundert Flüchtlinge Anträge auf eine Ausbildung gestellt, so die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit. Dabei hätten am Jahresende 2013 rund 94 500 geduldete Ausländer in Deutschland gelebt. Mehr als die Hälfte sei jünger als 30 Jahre gewesen.

Bertelsmann-Studie

IAB-Studie als Kurzbericht

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