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Milder Winter: Eon-Gewinne schrumpfen weiter.

Branchenkrise

Milder Winter: Eon-Gewinne schrumpfen weiter

Düsseldorf - Ein milder Winter mit wenig Gasabsatz, abgestürzte Großhandelspreise und Sorgen um den Auslandsmarkt Russland: Eon befindet sich in der Krise.

Deutschlands größter Energieversorger Eon ist im ersten Halbjahr nicht aus dem branchenweiten Strudel sinkender Umsätze und Gewinne herausgekommen. Schrumpfende Erträge in der Erzeugung und Einbußen durch Beteiligungsverkäufe lasten schwer auf dem Dax-Konzern. Hinzu kommt der milde Winter, der den Gasabsatz um ein Fünftel einbrechen ließ. Nach einem sehr schwachen Jahr 2013 mit annähernd halbiertem Überschuss ging es so noch weiter bergab.

Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank bei Eon in den ersten sechs Monaten um 12 Prozent auf gut 5 Milliarden Euro. Der Halbjahresgewinn nahm unter dem Strich von 1,9 auf 1,5 Milliarden Euro ab. Der Umsatz ging um 13 Prozent auf 56,1 Milliarden Euro zurück.

Immerhin konnte Vorstandschef Johannes Teyssen am Mittwoch bei der Präsentation der Halbjahreszahlen die Prognose für das Gesamtjahr von 1,5 bis 1,9 Milliarden Euro Konzerngewinn bestätigen. Sie liegt aber deutlich unter dem Überschuss von gut 2,2 Milliarden Euro 2013.

Keine Lieferengpässe

Auf dem wichtigen Auslandsmarkt Russland verdienten die Düsseldorfer unter anderem wegen Währungseffekten deutlich weniger. Teyssen ist trotz aller Sorgen wegen der Ukraine-Krise aber optimistisch. Er rechnet nicht mit Lieferengpässen oder einseitigen Preiserhöhungen Russlands aus politischen Gründen: „Unmittelbare Auswirkungen von Sanktionen auf unsere Aktivitäten sehen wir im Augenblick nicht.“

Steigende Ergebnisbeiträge brachte das Geschäft mit den erneuerbaren Energien. Erheblich legte zudem die Gas- und Ölförderung zu, bei der Eon die Förderung aus den Nordseefeldern steigern konnte. Eon spart auch die Brennelementesteuer für sein Atomkraftwerk Grafenrheinfeld, das der Konzern im kommenden Mai vom Netz nehmen will.

All diese Verbesserungen können aber die grundlegenden Probleme nicht wettmachen: Das einstige Kerngeschäft Stromerzeugung wirft deutlich weniger ab. Die Rückgänge in der konventionellen Erzeugung machten sich im ersten Halbjahr mit 200 Millionen Euro bemerkbar. Ein Grund dafür ist die immer härtere Konkurrenz durch Wind- und Sonnenstrom. Immerhin habe sich der Einbruch abgeschwächt, berichtete Teyssen.

Angesichts der niedrigen Strom-Großhandelspreise rentiert sich der Betrieb konventioneller Anlagen - vor allem von Gaskraftwerken - kaum noch. Für die Versorgungssicherheit sind sie aber nötig. Kraftwerke mit 8700 Megawatt Leistung habe Eon schon stillgelegt, sagte Teyssen.

Die Branche fordert von der Politik ein neues System, mit dem für die Bereithaltung von Anlagen eine Kompensation gezahlt wird. Dieser Kapazitätsmarkt ist aber umstritten und wird - wenn überhaupt - frühestens 2016 erwartet.

8,6 Milliarden Euro in Russlandgeschäft investiert

In Russland hat Eon insgesamt bereits rund 8,6 Milliarden Euro investiert. Neben vier Gaskraftwerksblöcken mit 1,6 Gigawatt soll 2015 ein großes 800-Megawatt-Kraftwerk in Betrieb genommen werden. Dann rechne Eon mit einem „deutlichen Ergebnisanstieg in Rubel“, sagte Teyssen. „Unsere Aktivitäten in Russland sind seit sechs Jahren ein solider Ergebnisträger.“

Die Börse reagierte mit Erleichterung und einem deutlichen Anstieg der Eon-Aktie. Offensichtlich war mit noch schlechteren Ergebnissen gerechnet worden. Außerdem konnte Eon dank Verkäufen und geringerer Investitionen seine Schuldenlast auf knapp unter 30 Milliarden Euro verringern.

dpa

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