Faule Kredite werden ausgelagert

Milliardenspritze für Portugals Krisenbank BES

Lissabon - Die schlimme Krise bei der Großbank BES hatte in Portugal Angst vor einer Kettenreaktion im Finanzsektor ausgelöst. Die Zentralbank gab nun einen Rettungsplan bekannt, der unter anderem den Schutz der Einlagen und der Mitarbeiter garantiert. Die Aktionäre müssen aber zittern.

Rund zweieinhalb Monate nach dem Verlassen des EU-Rettungsschirmes hat Portugal einen neuen, gefährlichen Krisenherd gelöscht. Die Richtung Pleite taumelnde Großbank BES (Banco Espírito Santo) bekommt eine Finanzspritze von 4,9 Milliarden Euro und wird von faulen Geschäften gereinigt. Zentralbank-Chef Carlos Costa gab den Rettungsplan in der Nacht zum Montag in Lissabon bekannt.

Die BES hatte am Mittwoch für das erste Halbjahr einen Rekordverlust von 3,57 Milliarden Euro bekanntgegeben. Die Notenbank sprach von „Hinweisen“ auf illegale Geschäfte. Allein vergangene Woche war der Kurs der Bank von 0,45 auf 0,12 Eurocent pro Aktie eingebrochen.

Die vielen faulen Kredite und Geschäfte der BES sollen nach Angaben der Notenbank in eine Bad Bank ausgelagert werden. Die Finanzspritze werde unterdessen weder den Staat noch die Einlagenbesitzer in Mitleidenschaft ziehen, versicherte Costa.

Das Abwicklungsprogramm sehe „im Gegensatz zu früheren Lösungen überhaupt keine Kosten“ für den Staat oder für den Steuerzahler vor. Eine andere Krisenbank, BPN, war 2008 wegen vieler Skandale und hoher Verluste inmitten viel Kritik verstaatlicht worden.

Das Geld für die Finanzspritze für die BES soll von einem 2012 auf Druck der Geldgeber gegründeten und von Banken finanzierten Abwicklungsfonds bereitgestellt werden. Da der Fonds, der die Bank kontrollieren wird, vorerst nur über 380 Millionen Euro verfügt, will der Staat das Geld leihen und dazu die von der „Troika“ aus EU, europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) für den Finanzsektor zur Verfügung gestellten Mittel benutzen. In dieser Kasse sind nach amtlichen Angaben noch 6,4 Milliarden Euro.

Die „neue BES“ werde ab Montag „ihre Geschäfte im In- und Ausland normal weiterführen“, sagte Costa. Das Finanzministerium hob hervor, dass „alle Einlagen, alle Bankdienste, alle Arbeitsplätze und die geschäftlichen Beziehungen der Bank“ geschützt seien.

Weniger Glück hatten die Aktionäre, darunter die französische Bank Crédit Agricole (15 Prozent), die mit herben Verlusten rechnen müssen. „Sie werden die Verantwortung für die verbleibenden Risiken tragen müssen“, sagte Costa.

Die 1869 gegründete BES gehörte bisher einem Firmengeflecht des Banker-Clans Espírito Santo an. Der Hauptaktionär der Bank, die Espírito Santo Financial Group (ESFG), die 20 Prozent des Kapitals hielt, hatte Insolvenz angemeldet und war bereits am Donnerstag von der Notenbank vom Stimmrecht ausgeschlossen worden. Auch andere Töchter der Gruppe Espírito Santo hatten Gläubigerschutz beantragt.

Dank der Finanzspritze erhöht sich die Kernkapitalquote (Tier 1) der BES, die im Zuge der Krise auf fünf Prozent (zwei Punkte unter der von der Notenbank gesetzten Mindestgrenze) gefallen war, auf 8,5 Prozent. Die Bank wird nicht mehr an der Börse notiert werden.

Auf Druck der Zentralbank, die das Institut von den Problemen der Gruppe Espírito Santo (GES) abschirmen wollte, war Vitor Bento zum Nachfolger von Ricardo Espírito Santo Salgado ernannt worden. Dieser hatte 22 Jahre an der BES-Spitze gestanden. Der 70-Jährige war nach seiner Ablösung wegen Geldwäsche festgenommen, dann gegen eine Kaution von drei Millionen Euro wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Bento soll seinen Posten in der neuen Bank behalten. Es gebe nun keine Ungewissheiten mehr, ließ der angesehene Ökonom wissen.

dpa

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