Genossenschaft oder Verkauf?

Hoffnung für Prokon-Anleger

Hamburg - Die Insolvenz des Windenergie-Unternehmens Prokon 2014 war eine der größten Unternehmenspleiten in Deutschland. Der Kern des Unternehmens wird wohl überleben. Die Anleger verlieren nicht alles.

Die Pleite des Windenergie-Anbieters Prokon aus Itzehoe soll Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein. Dann müssen sich die Gläubiger des Unternehmens bei einer Versammlung in den Hamburger Messehallen für einen von zwei Insolvenzplänen entscheiden, teilte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin in einem Schreiben an die Gläubiger und Geschäftspartner mit. Anschließend werde das Insolvenzverfahren aufgehoben. Die Sanierung von Prokon habe große Fortschritte gemacht und das Unternehmen sei in seinen drei Kerngeschäftsfeldern vollständig stabilisiert. Alles andere soll verkauft werden.

Noch ist offen, ob Prokon zu einer Genossenschaft wird oder an einen Investor verkauft. Rund 75 000 Anleger werden wohl ungefähr die Hälfte ihrer Anlagen von 1,44 Milliarden Euro verlieren. Gemessen an der Zahl der Gläubiger ist Prokon das viertgrößte Insolvenzverfahren in der deutschen Geschichte. Das Unternehmen hatte im Mai vergangenen Jahres überschuldet und zahlungsunfähig den Gang zum Insolvenzrichter angetreten. Unternehmenschef und Gründer Carsten Rodbertus hatte viele Anleger für ein Investment in regenerative Energien gewonnen und hohe Renditen für Genussscheine versprochen, das Unternehmen aber in die Pleite gesteuert.

Entscheidend ist nun die Frage, ob die Inhaber der Genussscheine an dem Unternehmen beteiligt bleiben oder sich lieber von den Anteilen trennen wollen. Penzlin verfolgt beide Sanierungsvarianten parallel. „Es kommt maßgeblich darauf an, ob mit den Erklärungen der Genussrechtsinhaber die Eigenkapitalquote erreicht werden kann, die vom genossenschaftlichen Prüfungsverband gefordert wird“, heißt es in dem Schreiben. Bei einer unverbindlichen Befragung hatten vergangenen Herbst rund 34 000.Genussrechtsinhaber mit einem Kapital von 780 Millionen Euro erklärt, sie würden bei der Gründung einer Genossenschaft mitziehen und bei Prokon engagiert bleiben.

Der Verein „Freunde von Prokon“, in dem rund 10.000 Gläubiger organisiert sind, macht sich für die Genossenschaftslösung stark. „Angesichts der extrem niedrigen Zinsen wird die Entscheidung immer leichter“, sagte der Vereinsvorsitzende Wolfgang Siegel. „Nur wer sofort Bargeld benötigt, wird sich auszahlen lassen.“ Es sei viel attraktiver, Genossenschaftsanteile an einem sanierten Unternehmen zu zeichnen und damit in real existierende Werte zu investieren, als das Geld bei einer Bank zu lagern. Der Verein hat in verschiedenen Städten in Deutschland zu Informationsveranstaltungen eingeladen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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