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So sehen die neuen Bio-Produkte von dm aus.

Neue Bio-Konkurrenz

Drängt dm die Alnatura-Produkte aus den Märkten?

München - Die Drogeriekette dm und der Bio-Händler Alnatura waren jahrelang zuverlässige Handelspartner. Jetzt bröckelt die Allianz. Seit Donnerstag verkauft dm eigene Bio-Produkte - zum selben Preis wie Alnatura-Ware.

Die Drogeriemarktkette dm hat seit Donnerstag eine eigene Bio-Marke. Der schlichte Name: "dm Bio". Es ist die erste Lebensmittel-Eigenmarke im dm-Sortiment. Bislang standen in den Filialen des Drogeriekonzerns jahrelang Marmeladengläser von Alnatura im Regal. Die bekommen jetzt Konkurrenz. Neben Alnatura-Linsen stehen seit Donnerstag auch Roggen und Rohrohrzucker von dm Bio. Zum Start hat die Karlsruher Drogeriekette ihre Märkte mit einem "Basissortiment" bestehend aus knapp 50 Lebensmitteln und Getränken ausgestattet.

Die Verpackung der Lebensmittel kommt ohne grafischen Schnickschnack aus: Die Etiketten sind ähnlich schlicht gestaltet wie das Design der Rewe-Handelsmarke "ja":  Die Grundfarbe ist weiß, statt roten heben sich hellgrüne Farbfelder vom weißen Untergrund ab. In großen Buchstaben ist "Bio" zu lesen.

Für Alnatura-Produkte ist es eng geworden im dm-Regal. Noch stehen beide Marken friedlich nebeneinander. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis die ersten Alnatura-Produkte aus dem Sortiment verschwinden. Denn das Kilo Langkornreis von Alnatura kostet mit 2,95 Euro exakt so viel wie der Reis der dm-Eigenmarke. Für den Liter Alpenmilch müssen Kunden 1,05 Euro bezahlen - egal ob sie zur Alnatura-Packung oder zum Eigenmarken-Produkt greifen. Die Liste könnte ewig fortgesetzt werden, das Ergebnis ist immer das gleiche: dm verkauft seine eigenen Bio-Produkte zum selben Preis wie die Alnatura-Ware.

Langfristig ergibt es wenig Sinn, auf den wertvollen Regalmetern zwei augenscheinlich identische Produkte zum selben Preis anzubieten. Warum sollte ein Kunde zum Hafer-Drink der unbekannten dm-Marke greifen, wenn es für den gleichen Preis das bewährte Alnatura-Produkt gibt? Die Strategie ergibt nur dann Sinn, wenn mittelfristig ein Produkt aussortiert wird. Wann das geschehen wird, steht offenbar noch nicht fest: "Alnatura bleibt in den dm-Märkten erhalten. Wie sich das in Zukunft entwickeln wird, muss man sehen", sagte dm-Chef Erich Harsch am Mittwoch anlässlich der Vorstellung der Halbjahreszahlen. Ansonsten hält sich der Konzern zurück.

Dabei war bereits im Vorfeld der Produkteinführung viel darüber spekuliert worden, ob sich die Handelspartner dm und Alnatura eines Tages ganz voneinander trennen werden. Die Süddeutsche Zeitung sprach bereits vergangenes Jahr vom "Ende einer Freundschaft" - immerhin verbindet dm-Gründer Götz Werner und Alnatura-Chef Götz Rehn eine gemeinsame anthroposophische Weltanschauung. Ihre alternative Unternehmensführung gilt als vorbildlich.

Trotzdem bröckelt die Partnerschaft - zumindest geschäftlich. Im Februar berichtete das Handelsblatt, dass Alnatura bereits neue Abnehmer sucht und eine eigene Handelsmarke plant. Dem Bericht zufolge hatte der Bio-Händler aus dem hessischen Bickenbach bisher fast die Hälfte seines Umsatzes mit dm gemacht; der Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2013/14 lag immerhin bei fast 700 Millionen Euro. Alnatura bliebe bei einem Wegfall des dm-Geschäfts gar nichts anderes übrig, als sich am Markt neu zu positionieren.

Für dm dürfte ein Wegfall der Alnatura-Produkte kaum wirtschaftliche Konsequenzen haben - auch wenn vermutlich nicht alle Kunden eine Umstellung klaglos hinnehmen dürften. Nach der Schleckerpleite ist es der Drogeriekette gelungen, seine Vormachtstellung in der deutschen Drogeriebranche vor Rossmann auszubauen. Allerorts hat dm neue Filialen eröffnet.

Ein Ende des Erfolgskurses ist nicht abzusehen: In Deutschland ist der Umsatz im ersten Geschäftshalbjahr 2014/15 um über zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen, wie dm am Donnerstag mitteilte. Knapp 3,5 Milliarden spülte der deutschlandweite Verkauf von Shampoo und Zahnbürsten in die Unternehmenskasse. Gerechnet auf ganz Europa waren es sogar knapp 4,5 Milliarden. Aufs Gesamtjahr hält Konzern-Chef Harsch sogar 7 Milliarden Euro in Deutschland und 9 Milliarden Euro in Europa für möglich. Ein bisschen weniger Alnatura und mehr Eigenmarke dürfte das Ergebnis sogar stärken.

seh

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