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Am Roche-Standort in Penzberg arbeiten rund 5600 Beschäftige. Ist das neue Ausbildungszentrum fertigt, kommen bis zu 100 Azubis hinzu. 

Pharma-Riese im Oberland

Hier lernt Bayerns Biotech-Nachwuchs

Penzberg - Auf dem Werkgelände von Roche Diagnostics in Penzberg entsteht das größte Biotech-Ausbildungszentrum in Bayern. Bis zu 400 Auszubildende werden hier bald zu Laboranten und Chemikanten ausgebildet.

Roche in Penzberg ist eines der größten Biotechnologiezentren in Europa. Mit rund 5600 Mitarbeitern ist der Standort des Schweizer Pharmakonzerns im Landkreis Weilheim-Schongau der größte Arbeitgeber im bayerischen Oberland – und er wächst stetig. Künftig können im neuen Ausbildungszentrum pro Jahr rund 100 neue Auszubildende unterrichtet werden – was vergleichbar ist mit der Ausbildungsstätte des Pharmariesen Boehringer Ingelheim in Biberach. Insgesamt werden in den Penzberger Lehrlabors bis zu 400 Auszubildende gleichzeitig Platz haben.

Noch ist das Gebäude allerdings eine Baustelle. Heute feiert das Unternehmen Richtfest. 120 Millionen Euro investiert der Roche-Konzern eigenen Angaben nach in das Gebäude, in dem auch Labor- und Büroräume entstehen. Für das Ausbildungszentrum sind zwei der sechs Geschosse reserviert, etwa ein Fünftel der Fläche. Im nächsten Jahr soll der Labor- und Bürokomplex fertig sein.

Breitgefächerte Ausbildung zusammengefasst in einem Zentrum

Die Forscher untersuchen, entwickeln und produzieren unter anderem biopharmazeutische Wirkstoffe.

„Wenn im September 2017 die neuen Auszubildenden kommen, wollen wir schon eingezogen sein“, sagt Ausbildungsleiter Andreas Gebbert. Gebbert ist selbst Naturwissenschaftler. Seit 1997 arbeitet er in Penzberg, damals gehörte das Werk noch zu Boehringer Mannheim. Seit August 2009 leitet er die Ausbildung. In Penzberg, sagt er, würden die Auszubildenden „in allen Fakultäten“ unterrichtet, das heißt sowohl im Diagnostika- als auch im Therapeutika-Bereich, in Forschung, Entwicklung und Produktion.

Genau diese Bereiche vereint auch das Penzberger Biotech-Werk. Ein Problem gab es aber bislang: Die Ausbildungsstätten waren in fünf Gebäuden über das ganze Gelände verstreut. In dem neuen Zentrum will Roche die Ausbildungsstätten nun zusammenfassen. Außerdem sollen die Lehrlabors auf den modernsten Stand gebracht werden. Laut Gebbert werden dafür die Produktionsstraßen und Labors samt Instrumenten, die Fermenter, Aufreinigungssäulen und PCR-Analysegeräte nachgebaut – alles, was man in den Labors auch findet. „Diese Ausstattung unterscheidet uns von den Hochschulen“, sagt Personalleiter Andreas Schmitz.

Großteil der Angestellten aus der eigenen Talentschmiede

Derzeit zählt das Penzberger Roche-Werk laut Gebbert 274 Auszubildende, in erster Linie angehende Chemielaboranten, Biologielaboranten und Chemikanten, die von 17 Ausbildern unterrichtet werden. 90 Prozent der Lehrlinge sind Naturwissenschaftler. Die klassische Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre.

In den vergangenen Jahren hat Roche nach eigenen Angaben bis auf wenige Ausnahmen alle Auszubildenden direkt oder im Anschluss an ein Zusatz-Studium übernommen. Von den 5600 Mitarbeitern im Penzberger Werk seien 1100 aus der eigenen Ausbildung, sagt Gebbert.

Bei Roche glaubt man, dass die Mitarbeiterzahl im Werk auch in Zukunft steigt. Laut Personalleiter Schmitz beträgt dieses Wachstum momentan vier bis fünf Prozent pro Jahr. Mitwachsen wird ihm zufolge der Bedarf an Auszubildenden. Keine Lösung sei es, zum Beispiel, fertige Chemikanten „von der Straße“ zu verpflichten. Kommen sie aus der chemischen Industrie, nutzen sie Roche wenig, weil sie nicht in Biotechnologie ausgebildet wurden. Bei Roche, so Gebbert, würden die jungen Menschen speziell für den eigenen Bedarf geschult. Sind sie fertig, können sie nahtlos auf den Arbeitsplatz wechseln.

Roche: Partnerschaften mit zahlreichen Schulen

Der Großteil der Azubis kommt laut Gebbert aus einem Umkreis von 50 Kilometern. Damit der Nachschub nicht versiegt, ist das Unternehmen Partnerschaften mit über 20 Gymnasien, Realschulen und Mittelschulen, Fach- und Berufsoberschulen in der Region eingegangen.

Ebenso gibt es Studienkooperationen: Dabei sind die Studenten als normale Mitarbeiter bei Roche angestellt und für das Studium freigestellt. Haben sie keine Vorlesung, beschäftigen sie sich mit Projektarbeiten im Penzberger Werk. Derzeit gibt es 13 derartige Plätze. Momentan falle es noch vergleichsweise leicht, Nachwuchs zu finden, sagt Personalleiter Schmitz, „nicht zuletzt wegen der Schulpartnerschaften, der attraktiven Berufsbilder, der Entlohnung und der Karrieremöglichkeiten“. Aber wie sich die Lage in einigen Jahren entwickelt, könne er nicht absehen. Das Unternehmen wird daher seinen Suchradius erweitern müssen. Es überlegt bereits, für solche Azubis ein eigenes Wohnheim bauen zu lassen.

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