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Viele Paketsendungen bleiben liegen: Der bundesweite Poststreik dauert weiterhin an, ein Ende ist nicht absehbar.

Einbußen bei Internet-Verkäufern

Poststreik ausgeweitet: Online-Händler klagen

Bonn - Nach fast drei Wochen Poststreik stöhnen nun vor allem mittelständische Online-Händler über Belastungen. An der Streikfront ist weiter keine Entspannung in Sicht.

In der Tarifauseinandersetzung bei der Post hält Verdi den Druck auch in der dritten Streikwoche weiter aufrecht. Am Freitag weitete die Gewerkschaft den Streik noch einmal aus. Bundesweit seien jetzt rund 32 500 Beschäftigte im Ausstand, sagte ein Verdi-Sprecher in Berlin. Der Bundesverband Onlinehandel beklagte unterdessen zunehmende Probleme der Branche mit dem Dauerstreik.

Dem Streik angeschlossen hätten sich etwa 500 Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen, vor allem im Raum Köln und im Ruhrgebiet, berichtete ein Verdi-Sprecher in Düsseldorf. Ein Postsprecher bezifferte die Zahl der aktuell Streikenden indes auf 29 560 nach 29 400 am Vortag.

Verdi kündigte auch für diesen Samstag eine Fortführung der Streiks auf unvermindertem Niveau an. Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis verwies unterdessen auf "Erwartungen" an den Post-Vorstand, den Konflikt mit der Gewerkschaft und nicht gegen sie zu lösen. "Die Politik steht an der Seite der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaft", zeigte sich Kocsis überzeugt.

Bereits zwei von drei Händlern hätten bei einer Umfrage des Verbands über Umsatzverluste berichtet, teilte der Bundesverband Onlinehandel mit. Insbesondere Mittelständler würden stark belastet. Die Unternehmen müssten einen enormen Mehraufwand etwa durch den Versand zu höheren Gebühren oder verstärkte Kundenkommunikation verkraften. Die Post müsse mit Kundenverlusten rechnen.

Der Postsprecher bestätigte unterdessen einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung", wonach slowakische Arbeitskräfte des Unternehmens im Münsterland in Wohncontainern untergebracht sind. Die Unterkünfte in den Containern und auch in regulären Wohnungen würden den Mitarbeitern bereits seit April auf eigenen Wunsch kostenlos zu Verfügung gestellt, sagte er. Bei der Bezahlung seien die ausländischen Kräfte zudem ihren deutschen Kollegen gleichgestellt.

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) wies die Gewerbeaufsichtsämter an, unverzüglich gegen jeden Verstoß gegen das Sonntagsarbeitsverbot vorzugehen. Bei Zuwiderhandlungen droht der Post ein Bußgeld. "Ein rechtmäßiger Streik darf nicht durch rechtswidrige Maßnahmen unterlaufen werden", sagte Rundt. Paketzustellungen an Sonntagen sind nur nach besonderen Anträgen zulässig. Dazu muss die Post nachweisen, dass eine Lieferung an Werktagen nicht möglich ist.

Der Postsprecher kündigte an, das Unternehmen werde auch am kommenden Sonntag "in einigen Regionen" Sendungen zustellen. Er verwies zudem darauf, dass unverändert 80 Prozent der Sendungen pünktlich zugestellt würden.

Verdi fordert, die Ausgliederung von rund 6000 Beschäftigten im Paketdienst in schlechter bezahlte Gesellschaften rückgängig zu machen. Die Post lehnt das bisher strikt ab und verweist auf die Konkurrenz, die vielfach wesentlich niedrigere Löhne zahle.

dpa

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