Ein Postler fragt auf seinem Plakat: "Frank Appel - 21,6% mehr Gehalt und Wir?". Mehrere tausend Beschäftigte der Post demonstrierten vor der Konzernzentrale. Foto: Marius Becker
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Ein Postler fragt auf seinem Plakat: "Frank Appel - 21,6% mehr Gehalt und Wir?". Mehrere tausend Beschäftigte der Post demonstrierten vor der Konzernzentrale. Foto: Marius Becker

Hat die Post die Zustellung noch im Griff?

Seit fast zwei Wochen wird bei der Post gestreikt - und dennoch halten sich laut Unternehmen Verzögerungen in Grenzen. Stimmt nicht, heißt es bei Verdi. Die Gewerkschaft spricht von teils chaotischen Verhältnissen in vielen Zustellpunkten.

Bonn (dpa) - Die Deutsche Post sieht trotz der massiven Ausweitung des Streiks ihrer Brief- und Paketboten die Zustellung nicht gravierend beeinträchtigt.

Durch umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen könnten bundesweit rund 80 Prozent der Briefe und Pakete zeitgerecht ausgeliefert werden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Wegen der unterschiedlichen Streikbeteiligung in den Regionen könne der Umfang der verzögerten Sendungen aber sehr unterschiedlich ausfallen. Die Gewerkschaft Verdi berichtete dagegen von "chaotischen" Zuständen in vielen Zustellpunkten.

In einem Interview mit dem "Bonner Generalanzeiger (Freitag) betonte Personalchefin Melanie Kreis, dass die Post versuche, die Auswirkungen des Streiks auf die Kunden so gering wie möglich zu halten. "Und das gelingt uns auch". Einen Ausweg aus dem Konflikt sieht sie im Moment nicht. "Die Situation ist sehr grundsätzlich und verhärtet", betonte Kreis.

In einer ganzseitigen Anzeige in der "Bild"-Zeitung warb der gelbe Riese bei seinen Postkunden am Donnerstag um Verständnis und Vertrauen: "Liebe Postkunden", hieß es, "die Gewerkschaft nimmt ihr Streikrecht wahr. Und wir nehmen unser Verpflichtung ernst, Deutschland mit Briefen und Paketen zu versorgen".

Unterdessen drohte Verdi-Chef Frank Bsirske der Post mit einem langen Arbeitskampf, wenn das Management in dem Tarifkonflikt nicht einlenkt. Der Streik werde so lange dauern, bis der Vorstand zurückkehre zu einem sozialpartnerschaftlichen Miteinander, sagte er am Donnerstag bei einer Kundgebung vor der Bonner Konzernzentrale mit 4000 streikenden Postbeschäftigten. "Der Konfrontationskurs des Vorstands geht zulasten des Unternehmens", meinte der Gewerkschafter. Ein Kompromiss müsse beiden Seiten eine gute Zukunft bieten.

Bis zum Donnerstag befanden sich laut Verdi 23 000 Postbeschäftigte in einem dauerhaften Ausstand. Bestreikt werden dabei neben der Zustellung auch die Paket- und Briefzentren.

Flankenschutz erhält Verdi auch von der Kommunikationsgewerkschaft DPV. Nach einer Urabstimmung unter ihren Mitgliedern rief die Organisation für diesen Freitag ebenfalls zu einem unbefristeten Ausstand bei der Post auf. Die zum Beamtenbund gehörende Gewerkschaft ist deutlich kleiner als Verdi, verlangt aber wie diese unter anderem die Rückführung der Beschäftigten aus den regionalen Paketgesellschaften der Posttochter Delivery GmbH in den Mutterkonzern. Außerdem fordert sie eine Anhebung der Gehälter um 5,5 Prozent.

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