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Eine Lohnerhöhung in zwei Stufen erwartet die Beschäftigten der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Nach wochenlangem Streit hatten sich die Tarifparteien am Freitag auf einen Kompromiss geeinigt.

Neuer Tarifvertrag

4,8 Prozent Lohnplus für Bayerns Metaller

München – Nach der Einigung im Tarifstreit können die Beschäftigten der bayerischen Metall- und Elektroindustrie mit 4,8 Prozent mehr Lohn rechnen. Eine ebenfalls vereinbarte Einmalzahlung kann aber wieder gestrichen werden, falls es dem Betrieb schlecht geht.

Die 810 000 Beschäftigten der bayerischen Metall- und Elektroindustrie können innerhalb der kommenden elf Monate mit einer Lohnerhöhung von insgesamt 4,8 Prozent rechnen. Darauf einigten sich am Freitag IG Metall und Arbeitgeber in München. Die Tarifparteien hätten den in Nordrhein-Westfalen ausgehandelten Pilotabschluss übernommen, wie der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm) und die IG Metall Bayern am Freitag mitteilten. Danach bekommen die Beschäftigten ab Juli dieses Jahres 2,8 Prozent mehr Geld, im April kommenden Jahres werden die Löhne um weitere 2,0 Prozent angehoben (siehe Grafik). Hinzu kommt eine Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro. Der Tarifvertrag gilt bis Ende 2017.

Durch Ausnahmen kann Einmalzahlung gestrichen werden

Die Einmalzahlung kann allerdings komplett gestrichen werden, sofern sich das Unternehmen in einer „wirtschaftlich schlechten Lage“ befindet, hieß es übereinstimmend von den Tarifparteien. Außerdem könne in einer solchen Situation die Lohnerhöhung im kommenden Jahr um bis zu drei Monate verschoben werden. „Das war eines unserer wesentlichen Ziele“, sagte vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt nach Abschluss der Verhandlung in München. „Jetzt können die Unternehmen zumindest in kleinem Umfang auf die wirtschaftlichen Umstände reagieren.“ Wie viele Unternehmen von der Klausel Gebrauch machen könnten, sei schwierig vorherzusagen, sagte Brossardt. Auch von Seiten der IG Metall gab es dazu keine Schätzung.

Ähnliche Ausnahmeregeln hatte es bereits in den Tarifverträgen 2006 und 2010 für die bayerische Metall- und Eletroindustrie gegeben. Jetzt sieht das Ausnahmeverfahren allerdings vor, dass ein betroffenes Mitgliedsunternehmen einen Antrag beim Arbeitgeberverband vbm stellen muss, sofern es die einmaligen 150 Euro streichen will. In dem Antrag muss der Betrieb den Angaben zufolge die wirtschaftliche Situation ausführlich begründen. Dann gehe es in vierwöchige Verhandlungen mit der IG Metall – erst dann werde entschieden, ob die Ausnahme gewährt wird. Die Gewerkschaft habe damit eine Art Veto, bestätigte ein Sprecher der IG Metall. „Unsere größte Sorge war, dass über die Ausnahmen im Betrieb entschieden wird und so Druck auf den Betriebsrat hätte ausgeübt werden können“, sagte der Sprecher.

Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, bezeichnete den Tarifabschluss entsprechend als ein gutes Ergebnis, „welches einerseits keinen Betrieb überfordert und andererseits die Nachfrage des privaten Konsums stärkt und damit die Konjunktur aufrecht erhält.“ Ein Metaller mit 50 000 Euro Jahresentgelt bekomme jetzt bis Dezember 2017 gut 3000 Euro mehr. Auch Bayerns vbm-Chef Brossardt hält den ausgehandelten Vertrag für tragbar – allerdings gehe der Abschluss an die Grenze. Immerhin hätten die Unternehmen jetzt Planungssicherheit bis Ende 2017.

Metallindustrie in Bayern übernimmt Kölner Pilotabschluss

Die Verhandlungen in München am Freitagnachmittag hatten nicht einmal eine Stunde gedauert. Sowohl Wechsler als auch Brossardt hatten zuvor bereits an den Tarifverhandlungen in Köln teilgenommen. Dort hatten sich IG Metall und Arbeitgeber von Nordrhein-Westfalen sowie die Bundesspitzen bereits in der Nacht zu Freitag auf einen Abschluss für den Pilotbezirk geeinigt. Mit der Einigung in München gilt der Kölner Pilotabschluss nun auch für die bayerische Metall- und Elektroindustrie.

Den Verhandlungen waren in den vergangenen zwei Wochen eine ganze Reihe Warnstreiks vorausgegangen. Allein in Bayern hatten rund 180 000 Metall-Arbeiter zeitweise ihre Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft hatte den Arbeitgebern mit massiven, auch 24-stündigen Arbeitsniederlegungen nach Pfingsten gedroht. Wechsler sagte, erst der Protest und Druck habe die Arbeitgeber zum Einlenken gebracht.

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