PS-Protzerei kontra automobile Vernunft: Megatrends zur Messe

- Genf - Frühlingshafte Cabriolets, rassige Studien und PS-Protze der Premium-Hersteller - der traditionelle europäische Start ins Autojahr auf dem Genfer Autosalon wirkt auf den ersten Blick wie die unbefangene Glitzerschau einer prosperierenden Branche. Doch beim genaueren Hinschauen ist schnell erkennbar, dass die großen europäischen Autobauer vom heutigen Dienstag an auch viel automobile Vernunft präsentieren: Praktisches wie den Peugeot 207 oder den Skoda Roomster, immer mehr Hybrid- und extrasaubere Dieselmodelle und "Wundertüten" wie die Volkswagen-Studie Concept A, auf dessen Plattform VW gleich mehrere neue Modelle schneidern könnte.

Genf 2006 zeigt also alle automobilen Facetten, aber "kein Durchbruch-Thema" (B & D-Forecast-Institut). Zu sehr sind die Hersteller wohl auch damit beschäftigt, ihr Geschäft den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und profitable Strukturen zu finden. Dies bedeutet vor allem massive Kostensenkung - VW, Renault und Mercedes haben mit diesem Thema in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen gesorgt. Fast schon vergessen scheint es, dass auch Opel und Ford schmerzhafte Einschnitte hinter sich haben. Dabei ist vorsichtiger Optimismus für 2006 nach den guten Verkaufszahlen im Januar in Westeuropa (plus drei Prozent) wohl angebracht. Und das, obwohl in diesem Jahr kein Volumenmodell aus deutscher Produktion an den Start geht.

Wenn denn bei aller Vielfalt am Genfer See doch ein gewisser Trend auszumachen ist, dann der des SUV. Die eher kleinen europäischen Varianten der aus den USA stammenden Sport Utility Vehicles (sportliche Geländewagen) ähneln ihren großen amerikanischen Brüdern kaum. Allenfalls der Mercedes GL oder Audis Q7 kommen deren Dimensionen nahe. VW zeigt mit dem Concept A, wie eine kleinere SUV-Variante aussehen könnte, auch der Audi Allroad Quattro ist eine europäische Interpretation des SUV-Gedankens, der sich in diesem Jahr auch Opel mit dem Antara anschließen wird.

Die anderen Hersteller aus Europa und Asien von Ford (Focus S-Max) bis Toyota (Studie Urban Cruiser) variieren das SUV-Konzept in Richtung SAV (Sports Activity Vehicle) - ein SUV mit mehr Raumangebot und mehr Straßenkomfort.

In Genf zeigen gern die französischen und italienischen Hersteller Flagge: Weltpremiere etwa für den Peugeot 207, das für den PSA-Konzern so wichtige Volumenmodell. Und Alfa Romeo will die neue Stärke des Fiat-Konzerns demonstrieren und präsentiert mit dem Alfa Spider und dem Kombi 159 Sportwagon zwei "Hingucker", von denen der Letztere auch in Deutschland das Zeug zum Verkaufsrenner haben könnte.

Die drei großen deutschen Rivalen Audi, BMW und Mercedes-Benz setzen auf Leistungssteigerung und ergänzen die Modellpalette entsprechend: Das Audi RS4 Cabrio und der RS4 Avant haben 420 PS, bei BMW sorgt vor allem der Z4 für Aufsehen - als neues Coupé´ und als überarbeiteter Roadster. Bei Mercedes-Benz lässt die hauseigene Tuning-Schmiede AMG die Muskeln spielen und stellt sechs Hochleistungsvarianten mit bis zu 612 PS vor. Beim Nachbarn Porsche haben der 911 Turbo und der eher für den Rennsport gedachte 911 GT3 Premiere.

Die Schweizer sind wieder gute und neutrale Gastgeber und freuen sich auf über 140 Welt- und Europapremieren.

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