Alexis Tsipras (l) besuchte Wladimir Putin im April in Moskau. Nun treffen sie sich in St. Petersburg. Foto: Alexander Zemlianichenko/Archiv
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Alexis Tsipras (l) besuchte Wladimir Putin im April in Moskau. Nun treffen sie sich in St. Petersburg.

Europäer vor russischem Wirtschaftsforum pessimistisch

Moskau - Beim großen Wirtschaftsforum in St. Petersburg wirbt Russland um dringend benötigte Investitionen. Wegen der Spannungen mit dem Westen und der Krise ist die Stimmung aber mies.

Auch unter europäischen Unternehmern sehen die Vorzeichen eher negativ aus, wie eine Umfrage zeigt. Setzt das Forum neue Impulse?

Zum Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg bewerten europäische Unternehmer die Lage in Russland wegen der schweren Wirtschaftskrise mit wachsendem Pessimismus.

"In den kommenden ein bis zwei Jahren erwarten wir nur wenig positive Entwicklung", sagte Frank Schauff, Chef der Vereinigung Europäischer Unternehmer (AEB), in Moskau. Langfristig rechne sein Verband aber mit einer Erholung, die sich positiv für die europäischen Investoren auswirken werde, sagte Schauff der Deutschen Presse-Agentur.

Das 19. Wirtschaftsforum beginnt an diesem Donnerstag in der früheren Zaren-Metropole (bis 20. Juni). Erwartet werden mehr als 7000 Besucher, darunter Hunderte Topmanager aus dem Ausland. Aus der EU hat sich der griechische Regierungschef Alexis Tsipras zum wichtigsten Wirtschaftstreffen Russlands angekündigt. Andere Staats- und Regierungschefs aus der EU werden bei der Konferenz in der ehemaligen Zaren-Metropole nicht erwartet.

Durch die von Sanktionen begleiteten Spannungen zwischen Russland und dem Westen sei 2014 ein schwieriges Jahr für Geschäfte im Riesenreich gewesen, sagte Schauff. Eine aktuelle Erhebung von AEB und dem Institut GFK zeigt aber, dass sich die Strafmaßnahmen für die Mehrheit der Unternehmen nicht auf die eigenen Geschäfte auswirken.

"Die meisten Firmen gehen pragmatisch mit den Sanktionen um", betonte Schauff. Die Zeitung "Wedomosti" berichtete kürzlich ohne Details von Konzernen, die Exportverbote aus der EU nach Russland etwa durch Lieferungen über Länder wie Brasilien und die Türkei umgehen.

Kremlstrategen wollen wegen der Krise mit dem Westen verstärkt Investoren vor allem aus China ins Land holen. Daher sehen europäische Konzerne das Forum in St. Petersburg auch als Chance, den russischen Markt nicht an asiatische Mitbewerber zu verlieren.

"Es ist richtig, die ostasiatische Konkurrenz im Blick zu behalten, aber ich würde vor Panik warnen", meinte Schauff. Der Handel zwischen der EU und Russland sei zwar zuletzt stark eingebrochen, meint er. Doch ist der Anteil der EU am russischen Außenhandel mit etwa 49 Prozent in den vergangenen Jahren weitgehend stabil geblieben, wie aus Daten des russischen Wirtschaftsministeriums hervorgeht.

dpa

Umfrage AEB

Außenhandel Wirtschaftsministerium

Webseite Wirtschaftsforum

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