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Das Verfallsdatum soll vor allem auf frischen Produkten zum Einsatz kommen.

Besonders bei frischen Produkten

Regierung plant Alternative zu Mindesthaltbarkeitsdatum

Berlin - Verbraucher sollen nach Plänen von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) bei leicht verderblichen Lebensmitteln besser über die Haltbarkeit informiert werden.

Schmidt sagte der "Rheinischen Post" vom Samstag, dass es künftig neben dem bekannten Mindesthaltbarkeitsdatum auf den Verpackungen auch ein "Verbrauchsverfallsdatum" geben solle. Damit sollen Verbraucher "einen Korridor erkennen können zwischen Mindesthaltbarkeit und dem tatsächlichen Verfall eines Produkts".

Viele Verbraucher interpretierten die Mindesthaltbarkeit als Verfallsdatum und schmissen nach Ablauf zum Beispiel einen noch genießbaren Joghurt ungeöffnet weg, sagte Schmidt. "Das muss nicht sein." Bei dauerhaft haltbaren Produkten wie Nudeln oder Kaffee soll das Mindesthaltbarkeitsdatum nach Schmidts Plänen gänzlich wegfallen. Derzeit landen den Angaben zufolge in Deutschland jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll - diese Zahl will Schmidt bis 2030 halbieren.

Weg von der Wegwerf-Mentalität

Bereits im März hatte sich Schmidt für die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums ausgesprochen. "Wir werfen massenweise gute Lebensmittel weg, weil die Hersteller zu große Sicherheitspuffer eingebaut haben", sagte er damals. Die Bundesregierung bemüht sich dem Minister zufolge um eine EU-weite Neuregelung des Haltbarkeitsdatums.

Der Landwirtschaftsminister fördert auch neue Methoden, die Haltbarkeit zu deklarieren. So könnte ein Joghurt sein Verfallsdatum künftig selbst bemerken. "Nach meiner Vorstellung wären zum Beispiel sensitive Folien auf den Deckeln von Joghurtbechern nützlich, die farblich anzeigen, ob das Produkt noch genießbar ist oder nicht", sagte Schmidt der "Rheinischen Post". Für die Forschung zur Entwicklung intelligenter Verpackungen wie für den Joghurt stellt Schmidts Ministerium demnach zehn Millionen Euro zur Verfügung.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist in Deutschland seit mehr als 30 Jahren gesetzlich vorgeschrieben. Es gibt an, bis zu welchem Datum mindestens das ungeöffnete und richtig gelagerte Lebensmittel seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Farbe, Konsistenz und Nährwert behält. Es ist also kein Verfallsdatum, sondern lediglich die Garantie des Herstellers für bestimmte Qualitätseigenschaften.

AFP

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