Streikende Amazon-Mitarbeiter stehen vor dem Eingang zum Amazon-Logistikzentrum im hessischen Bad Hersfeld. Foto: Uwe Zucchi
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Streikende Amazon-Mitarbeiter stehen vor dem Eingang zum Amazon-Logistikzentrum im hessischen Bad Hersfeld.

Kunden werden aber pünktlich beliefert

Amazon: Streik vor Weihnachten - Pause am Sonntag

Bad Hersfeld - Von außen wird Amazon bestreikt, doch in seinen Hallen arbeitet der Versandriese unbeirrt weiter. Am wichtigen letzten Sonntag vor Weihnachten setzt die Gewerkschaft Verdi ihren Ausstand aus - vorübergehend.

Die Gewerkschaft Verdi will ihren Arbeitskampf beim Online-Versandhändler Amazon am Sonntag vorübergehend aussetzen, danach aber bis Heiligabend weiterstreiken. In den Versandzentren Bad Hersfeld (Hessen) und Leipzig (Sachsen) sei man mit dem Versuch gescheitert, gegen die dort geplante Sonntagsarbeit gerichtlich vorzugehen, sagte Bernhard Schiederig, Verdi-Handelsexperte in Hessen, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Er sprach von einem „klaren Rechtsbruch“ der zuständigen Behörden. Verdi behalte sich allerdings weitere rechtliche Schritte vor.

Da sich Amazon-Mitarbeiter bereits freiwillig zur Arbeit am vierten Adventssonntag gemeldet hätten, werde an diesem Tag nun kein Streik stattfinden, erklärte Schiederig. An zwei weiteren geplanten Streikorten werde sonntags ohnehin nicht gearbeitet. Der Ausstand soll laut Verdi dann aber am Montag weitergehen. In Bad Hersfeld, Leipzig, Graben (Bayern) und Rheinberg (Nordrhein-Westfalen) soll der Arbeitskampf bis Heiligabend (15.00 Uhr) anhalten.

Eine Amazon-Sprecherin am deutschen Hauptsitz in München wollte sich nicht zu dem Rechtsstreit und auch nicht zur Frage äußern, wie viele Beschäftigte am Sonntag in Bad Hersfeld und Leipzig arbeiten werden.

Am Samstag war der mehrtägige Streik in der heißen Schlussphase des Weihnachtsgeschäfts zunächst weitergegangen. Für viele Kunden schien der Arbeitskampf aber nach wie vor kaum zu spüren zu sein.

Die Klagen hoben nach Rechtsauffassung der Gewerkschaft die erteilten Ausnahmegenehmigungen zur Sonntagsarbeit für Amazon auf. Von den Gerichten gab es dazu bisher aber keine Stellungnahme. In dem seit 2013 laufenden Konflikt will Verdi erzwingen, dass Amazon nach dem Einzelhandels- statt nach dem niedrigeren Logistiktarif zahlt.

Amazon verneinte erneut, dass es bei Auslieferungen zu Verspätungen komme: „Unsere Mitarbeiter sind stolz, daran mitzuwirken, dass die Kunden ihre Weihnachtspäckchen pünktlich bekommen“, hieß es. Amazon setzt im Weihnachtsgeschäft in Deutschland eine Stammbelegschaft von 10 000 Beschäftigten sowie weitere 10 000 Saisonkräfte ein.

Notfalls kann der Versandhändler auch ausländische Logistikzentren etwa in Polen nutzen. Am laufenden Streik beteiligen sich nach Amazon-Angaben etwa 2000 Mitarbeiter, Verdi spricht von 2400. Allein in Bad Hersfeld sollen es in den letzten Tagen etwa 600 gewesen sein.

Dort sagte eine Verdi-Vertreterin, Amazon-Mitarbeiter berichteten von einem Rückstau an Bestellungen. Die Gewerkschaft erhalte auch E-Mails von Kunden, denen zufolge die Lieferzeiten länger sind als üblich. Die Online-Ausgabe der „FAZ“ veröffentlichte dagegen schon am Freitag eine nicht repräsentative Leserumfrage. Sie deutet darauf hin, dass Amazon tatsächlich in den meisten Fällen pünktlich liefern kann.

Amazon-Standorte in Deutschland

dpa

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